Vorstandschefs Fiorina und Capellas kämpfen für ihre Argumente
Fusion von HP und Compaq in Frage gestellt

Die Pläne einer Fusion der beiden Computerkonzerne Compaq und Hewlett-Packard könnte scheitern, nachdem Anleger in großem Umfang aus beiden Aktien ausgestiegen sind. Auch die Marktforscher der Gartner-Group können keinerlei Vorteile aus einer Zusammenlegung der beiden Konzerne erkennen.

hus/sgr NEW YORK / DÜSSELDORF. Bei den Fusionspartnern Hewlett-Packard Co. aus Palo Alto/Kalifornien und der Compaq Computer Corp. in Houston/Texas wächst die Krisenstimmung, nachdem die Aktienkurse abgestürzt sind. Experten sehen die Fusion in Frage gestellt. Doch die beiden Vorstandschefs, Carly Fiorina von Hewlett-Packard und Michael Capellas von Compaq, unternehmen alles, um den Zusammenschluss tatsächlich zustande zu bringen.

Zwei Tage nach der Bekanntgabe der Fusionspläne hatten die beiden Computer-Konzerne zusammen 13 Mrd. $ an Wert verloren. Die in Form eines Aktientauschs geplante Fusion war am Freitag statt 25,25 Mrd. $ nur noch 19,65 Mrd. $ wert. Die Aktionäre haben den Plänen damit bereits eine eindeutige Absage erteilt. Sie müssen dem Deal zudem förmlich noch zustimmen, wenn er zu Stande kommen soll.

Nach einem Bericht des Wall Street Journal haben Top-Manager beider Konzerne sich in der vergangenen Woche mit 40 Investoren- Gruppen getroffen, um sie von den Vorteilen der Fusion zu überzeugen. Fiorina und Capellas trommelten außerdem 500 Führungskräfte aus beiden Unternehmen zusammen, um ihnen den Zusammenschluss schmackhaft zu machen. Der Compaq-Konzern plant eine breit angelegte Werbekampagne. Weiter erstellten die beiden Unternehme lange Listen von allen Mitarbeitern in Schlüsselpositionen bei der Durchführung der Fusion. "Die werden das durchziehen", glaubt der frühere Compaq- Finanzier Benjamin Rosen.

Doch die schweren Kurseinbrüche geben der Fusion allenfalls noch eine Chance von 50 zu 50, glauben andere. Nach einer Studie der Universität von Chicago, die 271 Fälle untersuchte, sind Fusionen um so eher zum Scheitern verurteilt, je stärker die Aktien nach dem Bekanntwerden der Pläne abgesackt sind. Prof. Steven Kaplan, der die Studie durchführte, urteilt: "Die Reaktion, die wir hier erleben, ist extrem negativ." Hinzu kommen kartellrechtliche Bedenken, die den Zusammenschluss ebenfalls zum Scheitern bringen könnten.

Die Zweifel der Anleger begründen sich offenbar auf dem Mangel an echten Wachstumschancen für den kombinierten Konzern. Besonders die Argumentation, dass beide Konzerne zusammen im lukrativeren Service-Bereich stärker werden könnten, zieht nicht. Zwei Drittel der Service-Spezialisten beider Konzerne sind auf Computer-Reparaturen spezialisiert. Im weitaus profitableren Bereich für Unternehmensberatung gelten beide Konzerne als schwach.

Auch in der Hardware wäre eine kombinierte Einheit überwiegend nur in den weniger profitablen Segmenten stark. Sowohl Compaq als auch Hewlett-Packard sind eher im wettbewerbsintensiven Geschäft mit kleineren Rechnern präsent als im lukrativeren Großrechner-Segment. Bei Massen-Computern würden die beiden Konzerne nach der Fusion zwar einen Marktanteil von 37 % halten, doch die Umsätze stagnieren. Auch bei PC ist der Absatz festgefahren, während der Umsatz von Dell deutlich zulegt. Dells COO Kevin Rollins geht davon aus, wie er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sagte, ihre Konkurrenten Hewlett-Packard und Compaq nach deren Fusion binnen Jahresfrist wieder als größter Hersteller von PC und Servern abzulösen.

Ein Misslingen der Pläne könnte beiden Vorstandschefs den Posten kosten. Nach dem Scheitern der Fusion zwischen Honeywell und General Electric etwa musste der Vorstandschef von Honeywell gehen. HP-Chefin Fiorina musste bereits das Vorhaben, die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers zu übernehmen, fallen lassen. Sollte ihr auch diese Fusion nicht gelingen, dürfte sie das Vertrauen von Aktionären und Mitarbeitern endgültig verspielt haben.

Das Marktforschungsinstitut Gartner meldet ebenfalls Zweifel an: Die erwartete Kosteneinsparung beträgt lediglich drei Prozent der Gesamtkosten von beiden Unternehmen. Das könne mit dem angekündigten Abbau von 15 000 Arbeitsplätzen nicht erreicht werden.

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