Vorstandsduo will Institut als Regionalbank von europäischem Kaliber etablieren: Sparkasse Hannover steigt in höhere Liga auf

Vorstandsduo will Institut als Regionalbank von europäischem Kaliber etablieren
Sparkasse Hannover steigt in höhere Liga auf

Am Anfang stand der politische Wille - nach der Fusion von Stadtsparkasse und Kreissparkasse Hannover bieten sich nun aber auch völlig neue Perspektiven für das Geschäft. Das Institut greift bei den vermögenden Privatkunden an und ein Rating eröffnet im nächsten Jahr neue Möglichkeiten der Refinanzierung.

HANNOVER. Die Fusion ist für beide fast schon Alltag, für Harald Quensen und Bernhard Schäfer, die beiden Chefs an der Spitze der Sparkasse Hannover. Dabei ist die fünftgrößte Sparkasse Deutschlands erst Anfang des Jahres aus der ehemaligen Stadt- und Kreissparkasse Hannover entstanden. Und die technische Fusion geht erst im Oktober über die Bühne, dann wird die IT zusammengeschaltet. Doch der intellektuelle Lenker Quensen und der leidenschaftliche Banker Schäfer richten ihre Blicke bereits in die Zukunft: Innerhalb von zehn Jahren wollen sie die Bilanzsumme des Instituts auf rund 30 Mrd. Euro verdoppeln.

Dabei liegt schon eine stürmische Wachstumszeit hinter den beiden Altinstituten, die erst von der Wiedervereinigung und später von der Expo profitierten. In den letzten zehn Jahren hat sich die addierte Bilanzsumme bereits verdoppelt. Nun wird dem Vorstandsduo die Region Hannover schon zu klein: Ziel ist es, eine Bank zu schmieden, die im europäischen Wettbewerb der Regionen für Hannover punkten und den Strukturwandel wirkungsvoll begleiten kann. "Unser Wirtschaftsraum wird auf Dauer weiter gefasst werden müssen", sagt Schäfer.

Vor zwei Jahren waren solch ehrgeiziege Zukunfspläne noch undenkbar. Damals strebte die Kreissparkasse Hannover eine Fusion mit der Kreissparkasse Hildesheim an. Doch der ehemalige niedersächsische Finanzminister Heinrich Aller (SPD) hatte Anderes im Sinn. Nach der Bildung des neuen Wirtschaftsraumes Hannover im November 2001 schwebte ihm auch eine Sparkasse vor, die das Gebiet der Landeshauptstadt und des ehemaligen Landkreises umfassen sollte. Am 18. Januar 2002 präsentierte er bei den Vier-plus-eins-Gesprächen seine Idee den beiden Vorständen Quensen und , Schäfer sowie den beiden Verwaltungsratsvorsitzenden - dem Hannoveraner Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg und dem Regionspräsident Michael Arndt. Alle ließen sich schnell überzeugen. Zügig kam es zur Realisierung der politisch gewollten Fusion.

Schon früher hatten die Stadt- und Kreissparkasse in einzelnen Feldern zusammengearbeitet. "Doch solche Kooperationen können nur halbherzig sein, die Mannschaften hätten viel torpediert", sagt Schäfer heute im Rückblick: "Die Fusion bietet hier eine ganz andere Klasse." Nicht zuletzt, weil sie die Sparkasse Hannover in eine völlig neue Größenordnung katapultiert hat: So greifen die beiden Vorstandschefs beim Geschäft mit den vermögenden Privatkunden an. Früher war ab einem Anlagevermögen von 250 000 Euro Schluss, jetzt werden auch Kunden mit höheren Vermögen geködert. "Wir wollen von jedem Wettbewerber Kunden holen, sonst lohnt es sich nicht", sagen die Beiden. Es gehe aber auch darum, die eigenen Kundenverbindungen besser auszuschöpfen.

Nun lohnt sich auch eine Bewertung durch internationale Ratingagenturen wie S&P oder Moody?s - diese soll im kommenden Jahr erfolgen. "Dazu haben wir die erforderliche Größe", erklärt Quensen. Dieses Rating eröffnet den Hannoveranern neue Möglichkeiten bei der Refinanzierung. Bisher hat bundesweit nur die Stadtsparkasse Köln ein Rating.

Dieser Erfolg hat Vorzeigecharakter: Mittlerweile kommen viele Sparkassenchefs nach Hannover, die sich für das Erfolgsrezept der Fusion interessieren. Dabei ist das keine Hexerei: Die eine Zutat heißt Parität - das Prinzip gilt für alle Ebenen und Gremien und nicht zuletzt die Gewinnausschüttung. Notwendig sei zudem eine enorme Disziplin, sagt Quensen: "Wir mussten an der Spitze Vorbild sein, um die beiden eingespielten Mannschaften zusammenzufügen." Dies scheint gut gelungen: "Faule Kompromisse bei der Geschäftsverteilung wurden verhindert." So gebe es eine Kreditpolitik aus einer Hand, und nicht wie so oft bei Sparkassenfusionen eine getrennten Zuständigkeit für Stadt und Land.

Heftige Widerstände bei den Mitarbeiter blieben vor allem wegen des Fusionstarifvertrags aus. "Dem ersten in der Sparkassengeschichte", betont Quensen. Betriebsbedingte Kündigungen wurden für einen Zeitraum von sechs Jahre ausgeschlossen, für Streitfälle wurde ein eigenes Gremium eingerichtet. Im Gegenzug hätten sich Angestellte damit einverstanden erklärt, auch andere Arbeitsbereiche zu übernehmen.

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