Vorstandsmitglied bei Flugzeugabsturz getötet
Edson Mitchell hinterlässt bei der Deutschen Bank eine große Lücke

Die Deutsche Bank muss den Tod ihres Vorstandsmitglieds Edson Mitchell verkraften. Der gebürtige Amerikaner hat das Frankfurter Institut im Investment Banking wieder in die weltweite Spitzengruppe geführt. Alle Projekte werden auch ohne ihn weiter geführt, betont die Bank.

fs FRANKFURT/M. Die Deutsche Bank hat durch einen tragischen Unfall einen ihrer führenden Köpfe im Investment Banking verloren. Wie die Bank am Montag mitteilte, kam das 47-jährige Vorstandsmitglied Edson Mitchell bei einem Flugzeugabsturz im US-Bundesstaat Maine am vergangenen Freitag ums Leben. Konzernchef Rolf E. Breuer zeigte sich "sehr bestürzt über die Nachricht vom tragischen Ableben meines Vorstandskollegen". Er würdigte Mitchells "maßgeblichen Anteil am Erfolg der Deutschen Bank Gruppe in den vergangenen Jahren".

Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte gestern, der designierte Vorstandssprecher Josef Ackermann werde den Bereich "Globale Unternehmen und Institutionen" zunächst alleine weiter leiten. Diesen Bereich, der das Investment Banking umschreibt, hatte Mitchell seit seinem Aufrücken in den Vorstand vom 9. Juni 2000 zusammen mit Ackermann geführt. Der Banksprecher betonte weiter, trotz Mitchells Ableben blieben alle Pläne in Kraft.

Den Beteuerungen zum Trotz hinterlässt Mitchell eine klaffende Lücke in dem Frankfurter Institut. Die jüngste Erfolgsgeschichte im Investment Banking ist eng mit dem Namen des 1995 von Merrill Lynch gewechselten Managers verknüpft. In den von ihm geleiteten Bereichen Sales und Trading (Handelsaktivitäten), zu denen Devisen, Renten und Aktien gehören, hat das Haus nicht nur eine jahrelange Durststrecke beendet. Es hat sich auch auf mehreren Gebieten eine internationale Spitzenposition erkämpft. So konnte die Deutsche Bank im Jahr 2000 im Devisenhandel nach eigenen Angaben die seit 22 Jahren führende Citigroup von ihrem Spitzenplatz verdrängen. Im Euro-Anleihebereich hat das Haus ebenfalls die Position des Klassenbesten inne. Im Vergleich zu den ersten neun Monaten des Vorjahrs konnte die Deutsche Bank ihr Handelsergebnis im laufenden Jahr um gut 66 % steigern.

Viele von diesen Erfolgen wurden mit der Person Mitchells verknüpft; seinem unbändigen Siegeswillen und seiner Fähigkeit zum schnellen und mitunter radikalen Handeln. Umstritten war dagegen die Interpretation seiner Rolle bei der geplatzten Fusion mit der Dresdner Bank in diesem Jahr. Am Markt hieß es, er habe mit seiner Forderung nach einem Verkauf von Dresdner Kleinwort Benson die Gespräche zum Scheitern gebracht. Die offizielle Version dagegen lautet, alle Beteiligten der Deutschen Bank hätten einen Verkauf der Investmentsparte des Fusionspartners befürwortet.

Mitchells Visionen werden nicht nur der Bank fehlen. Sein Tod bedeutet auch einen - zumindest temporären Machtverlust - für die Investment Banker im Vorstand der Deutschen. Mit Ackermann und Michael Philipp hatte er eine erfolgreiche Troika gebildet.

Mitchell hinterlässt eine Frau und fünf Kinder. Bei dem Unglück kam als einziger weiterer Insasse auch der Pilot ums Leben.

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