Vorstandsmitglied Jürgen Hambrecht wird im nächsten Jahr Nachfolger von Konzernchef Strube
BASF baut mit neuer Führungsspitze auf Kontinuität

Es bleibt beim "Jürgen": BASF hat gestern alle Spekulationen beendet und Vorstandsmitglied Jürgen Hambrecht zum Nachfolger von Jürgen Strube an der Konzernspitze gemacht. Hambrecht übernimmt im Mai 2003 einen Konzern, an dem Analysten wenig auszusetzen haben.

FRANKFURT/M. Wenig spektakulär, dafür aber beständig, dieses Erfolgrezept praktiziert die BASF auch in Führungsfragen: Der Aufsichtsrat hat den 56-jährigen Jürgen Hambrecht zum Nachfolger von Vorstandschef Jürgen Strube bestimmt. Der 55-Jährige wird nach der Hauptversammlung am 6. Mai 2003 an die Spitze von Europas größtem Chemiekonzern rücken. Hambrecht wirkt im Vorstand bereits seit 1997 an der BASF-Strategie maßgeblich mit.

Das Chemieunternehmen stellt damit früher als geplant die Weichen für den Führungswechsel und nimmt den zuletzt aufgekommenen Spekulationen um die Besetzung der Konzernspitze den Wind aus den Segeln. Bisher galten neben Hambrecht auch die jüngeren Vorstandsmitglieder John Feldmann und Stefan Marcinowski als Kandidaten für den Chefposten in Ludwigshafen.

Stellvertreter Hambrechts wird Vorstandsmitglied Eggert Voscherau, der als Arbeitsdirektor bisher bereits eine starke Stellung im Konzern hat. Als Nachfolger von Max Dietrich Kley, der im Frühjahr 2003 ebenfalls den Vorstand verlässt, wird überraschend Kurt Bock das Finanzressort übernehmen. Er leitet bisher den Bereich Logistik und Informatik. Sowohl Strube als auch Kley scheiden aus Altersgründen aus und wollen in den Aufsichtsrat der BASF wechseln. Strube wird dort den Vorsitz anstreben.

"Hambrecht ist eine gute Wahl für BASF", sagt Analyst Christian Faitz von der Bank Julius Bär. Der Manager stehe für die Weiterführung der bisher erfolgreichen Strategie. BASF hat sich unter Strube eine starke weltweite Position bei Chemikalien, Kunststoffen und Pflanzenschutz geschaffen. Zuletzt hatte er im März 2000 das Agrochemiegeschäft mit der Übernahme der Pflanzenschutzsparte von American Home Products für 3,8 Mrd. $ deutlich gestärkt. Strube ist seit 1993 an der Spitz der BASF.

Hambrecht leitet bislang den Unternehmensbereich Chemikalien und ist außerdem für Asien zuständig. Er gilt als Verfechter des "Verbundkonzepts" bei BASF, das auf große Standorte mit eng verbundenen Produktionsanlagen setzt und dadurch verschiedene Stufen der Chemieproduktion eng vernetzt. "Das Verbundkonzept bringt BASF große Kostenvorteile" sagt Martin Rödiger, Analyst von der DZ Bank. Allein am Standort Ludwigshafen werden die Einsparungen auf jährlich 15 Mill. ? geschätzt. Diese Strategie wird mittlerweile auch von angelsächsischen Analysten honoriert. BASF betreibt Verbundstandorte auch in Antwerpen und Malaysia und baut im Nanjing/China eine entsprechende Anlage auf.

Hambrecht dürfte gerade das für BASF wichtige Asiengeschäft stärken wollen - nicht nur, weil er war für die Region verantwortlich war. Asien ist mit Wachstumsraten zwischen 6 und 8 % die Zukunftsregion Nummer Eins für die Chemieindustrie, sagt Analyst Faitz, der BASF für "den bestaufgestellten Chemiekonzern Europas" hält.

Solche positiven Urteile fällen viele Analysten, selbst die Anleger haben vollstes Vertrauen in BASF: Gegen den schwachen Börsentrend hat sich die Aktie in den vorigen beiden Jahren nahezu stabil gehalten, obwohl die Konjunkturflaute Spuren in den Ertragszahlen hinterlassen hat. Das BASF-Betriebsergebnis schrumpfte im vorigen Jahr immerhin von gut 3 Mrd. Euro auf nur noch 1,2 Mrd. Euro. Allerdings hat sich der Gewinnrückgang im ersten Quartal verlangsamt. Eine Trendwende bei der Nachfrage sowie erfolgreiche Kostensenkungen veranlassten Strube zuletzt zu einer verhalten positiven Prognose.

Dank eines hohen Sonderertrags aus dem Verkauf ihrer Pharmasparte ist die BASF zudem finanziell in einer relativ starken finanziellen Verfassung, die weitere Zukäufe erlauben würde. Ähnlich wie Strube gilt allerdings auch Hambrecht als Anhänger einer eher vorsichtigen und selektiven Expansionspolitik. BASF wird immer wieder als Kaufinteressent für den US-Agrochemiekonzern Monsanto genannt, bestätigt aber nur das grundsätzliche Interesse, das Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln und grüner Gentechnik ausbauen zu wollen.

Der Führungswechsel bei BASF ist im kommenden Jahr mit einer Neuordnung der Zuständigkeiten verbunden. Hambrecht wird auch für die Investor Relations von BASF verantwortlich sein. Den Vorstandsposten mit der Zuständigkeit für Asien will der Aufsichtsrat im vierten Quartal besetzen.

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