Vorstandsmitglied: "Problematische Masche" - Forderungskatalog an Rot-Grün
Bahn wehrt sich gegen Billig-Flug-Anbieter

Die Deutsche Bahn will sich gegen die wachsende Konkurrenz durch Billig-Flüge stärker zu Wehr setzen. Dazu strebt der Bahn-Konzern das Verbot irreführender Billig-Angebote der Fluglinien an.

HB/dpa/rtr BERLIN. Der Bahn-Vorstand für den Personenverkehr, Christoph Franz, bezeichnete es am Dienstag in einem Interview mit "Spiegel Online" als "ausgesprochen problematisch", wenn Fluglinien ohne Hinweis auf Sicherheits- und sonstige Gebühren Werbung für Billig-Tarife machten. Die Bahn nenne stets den Gesamtpreis.

"Es geht darum, gleiche Spielregeln für alle durchzusetzen", sagte Franz. Auf das genaue juristische Vorgehen legte er sich noch nicht endgültig fest. Es jedoch "sehr wahrscheinlich", dass die Bahn vor Gericht ziehe. Die Bahn ließ auch offen, gegen welche Fluglinien sie vorgehen will. Vorstandschef Hartmut Mehdorn sagte jedoch am Rande einer Pressekonferenz in Berlin: "Wir haben vor niemand Angst - nicht vor Ryanair, nicht vor TUI und auch nicht vor der Lufthansa."

Bei der EU-Kommission in Brüssel läuft bereits eine Beschwerde der Bahn. In den vergangenen Monaten hatte sich der Preiskampf zwischen den Flug-Anbietern verschärft. Der Reisekonzern TUI will mit Dumping-Preisen von zehn Euro ins Billig-Geschäft einsteigen, die Fluggesellschaft Ryanair wirbt sogar mit Gratisflügen. Nach Einschätzung von Experten könnten die preiswerten Flüge der Bahn Kunden abjagen.

Gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Bahn-Verbandes "Allianz pro Schiene" verlangte Mehdorn von der wiedergewählten rot-grünen Koalition mehr Investitionen ins Schienennetz. "Es geht uns nicht um Vorteile, sondern darum, dass wir gleich behandelt werden." In einem 10-Punkte-Forderungskatalog forderte die Allianz, dass die Straßenbau-Mittel in den nächsten zehn Jahren die Investitionen ins Schienennetz nicht übersteigen. Die von August 2003 an geplante Lkw- Gebühr auf Autobahnen müsse später für alle Straßen gelten.

Erneut verlangte die Allianz, dass einseitige Steuerbelastungen des Bahnverkehrs wegfallen müssten. In den neuen Bundesverkehrswegeplan müssten alle Bahnanbieter einbezogen werden. Bislang seien nur Projekte aufgenommen, die das Hauptstreckennetz beträfen. Berücksichtigt werden müssten auch Vorhaben im Nah- und Regionalverkehr. Bei Gleisanschlüssen von Firmen sowie Bahn - Verladestationen müsse sich wie bei der Erschließung von Gewerbeflächen die öffentliche Hand beteiligen.

Bei der Lkw-Maut plädiert die "Allianz pro Schiene" dafür, diese schon für Lastwagen ab 3,5 Tonnen einzuführen und nicht erst bei mehr als 12 Tonnen. Die Umsatzsteuerbefreiung im grenzüberschreitenden Flugverkehr müsse aufgehoben werden. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, appellierte an die Bundesregierung, der Wende in der Energie- und Agrarpolitik jetzt auch eine "Verkehrswende" folgen zu lassen. "Wir sind schon in der Wende. Sie muss aber vollzogen werden."

Bahn befürchtet sinkende Nachfrage

In den nächsten Wochen wird sich die Zahl der Billigflüge durch neue Anbieter erheblich ausweiten. Die Fluggesellschaft Eurowings, an der die Lufthansa 25 % hält, startet ab Oktober mit der neuen Airline Germanwings ebenfalls von Köln/Bonn aus. Dort will von Dezember an auch der weltweit größte Reisekonzern TUI will mit seiner neuen Flugtochter Hapag Lloyd Express und dem Partner Germania starten. TUI hatte zuletzt erklärt, im günstigsten Fall Inlandsflüge ab zehn Euro anzubieten. In diesem Preis sind allerdings die Gebühren noch nicht enthalten.

Die Bahn geht davon aus, dass die kostengünstigen Flüge von Köln-Bonn die Nachfrage nach Bahntickets beeinträchtigen könnte. "Dort werden wir Auswirkungen spüren", sagte Franz. "Zugleich zielen wir mit unserer ICE-Neubaustrecke ebenfalls auf Köln. Das wird interessant", sagte Franz. Zudem werde die Bahn ihr Preissystem ab Oktober flexibler gestalten und mit gezielten Angeboten reagieren. "Die Bahn wird dem Spiel nicht mehr passiv zusehen", sagte Franz. Man werde auf die speziellen Preisaktionen der Wettbewerber reagieren. "Mehr möchte ich noch nicht sagen", fügte Franz hinzu.

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