Vorstandsumbau nicht ausgeschlossen
Opel hält Abwärtstrend für beendet

Der angeschlagene Automobilhersteller Opel sieht nach fünf Jahren sinkender Marktanteile die Talsohle erreicht. Ungeachtet der schwachen Automobilkonjunktur ist sich Vertriebschef Andrej Barcák sicher, 2001 die Marktpräsenz behaupten zu können. Im Juli stieg der Marktanteil wieder über 13 Prozent.

FRANKFURT/M. Der Verluste schreibende Automobilhersteller Opel sieht beim Absatz den Tiefpunkt hinter sich. Ungeachtet der allgemeinen Autoflaute rechnet die Tochter des US-Konzerns General Motors (GM) 2001 damit, den in Deutschland seit Mitte der Neunzigerjahre anhaltenden Abwärtstrend bei den Marktanteilen brechen zu können. "Opel hat nach fünf Jahren in Folge sinkender Marktanteile nun einen Boden gefunden", sagte Opel-Vertriebsvorstand Andrej Barcák dem Handelsblatt. "Ich bin überzeugt, dass wir den Marktanteil des Vorjahres von 12,2 % auch im Gesamtjahr 2001 zumindest halten werden", betonte er. Im Juli legte der Marktanteil der Adam Opel AG, der sich im ersten Halbjahr noch auf Vorjahreshöhe hielt, nach Worten Barcáks auf über 13 % zu.

Der neue Vorstandschef des nach Neuzulassungen zweitgrößten deutschen Autoherstellers, Carl-Peter Forster, war sich vor wenigen Monaten noch nicht sicher, ob der Rüsselsheimer Autohersteller schon seinen Tiefpunkt erreicht habe. Barcák sieht dagegen jetzt den Sinkflug gestoppt. Der von Robert Hendry, dem Vorgänger von Forster auf dem Opel-Chefsessel, angepeilte Marktanteil von 17 % ist jedoch auch nach Meinung Barcáks auf lange Zeit nicht mehr erreichbar. Die GM-Tochter hatte 2000 einen operativen Rekordverlust von 982 Mill. DM eingefahren.

Der seit April amtierende Vorstandschef Forster will den angeschlagenen Autohersteller mit dem Krisenprogramm "Olympia" wieder aus der Verlustzone bringen und das beschädigte Image aufpolieren. In der nächsten Woche sollen im Aufsichtsrat die Beratungen über das Programm beginnen. Werksschließungen gelten als nicht ausgeschlossen.

Neue Einschnitte werden auf jeden Fall auf die Händler zukommen. "Es lohnt sich nicht, das Händlernetz in seiner jetzigen Größe zu erhalten", sagte Barcák. Opel hatte bereits angekündigt, die Zahl seiner Händler von 980 um rund 200 Betriebe zu reduzieren. Der Vertrieb ist immer noch auf einen größeren Marktanteil zugeschnitten.

Trotz einer schwachen Testphase will Opel zugleich den Direktverkauf im Internet ausbauen. Mit lediglich 70 Kunden konnte das Opel-Webcar-Angebot die Erwartungen nicht erfüllen. Dennoch wird die Aktion, die bis Ende Juli beschränkt war, intensiviert. Das Angebot werde ab dem vierten Quartal von bisher sechs Sondermodellen, die Opel zu einem rund 10 % günstigeren Preis anbietet, auf zehn bis zwölf Modelle aufgestockt. Insgesamt seien in diesem Jahr 670 Käufer über das Internet zu den Händlern gelockt worden.

Im Rahmen des Restrukturierungsprogramms bereitet Forster offensichtlich auch einen Vorstandsumbau bei Opel vor. Barcák wollte einen Wechsel im Führungsgremium nicht ausschließen. "Ein Deutscher an der Spitze des Vertriebs wäre sicher nicht schlecht", sagte er. Der 54-Jährige soll ebenso wie Entwicklungsvorstand Hans Demant intern in der Kritik stehen. Barcák war erst im Mai 2000 ins Führungsgremium der Adam Opel AG berufen worden.

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