Vorstandsvorsitzender Bergmann erwartet keinen außergerichtlichen Vergleich
Ruhrgas sieht Fusion mit Eon kritisch

Die verschärften Auflagen für das Zusammengehen der beiden Energiekonzerne sind für Ruhrgas-Chef Bergmann eine überraschende Wende. Die Entscheidung des Gerichts sei aber völlig offen.

OSLO/STAVANGER. Die Fusion zwischen Eon und Ruhrgas steht in einer sehr kritischen Phase. Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann sagte anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der norwegischen Gaslieferungen nach Deutschland in Oslo: "Alles ist möglich." Die nach der neuerlichen Anhörung am 5. September durch Staatssekretär Alfred Tacke verschärften Auflagen für das Zusammengehen von Eon und Ruhrgas bezeichnet der Spitzenmanager von Deutschlands größter Ferngasgesellschaft "als überraschende Wende" im laufenden Verfahren der Ministererlaubnis. Es sei eine "sehr ernste" Prüfsituation entstanden, resümiert Bergmann. Der Ruhrgas-Chef ist wenig optimistisch, dass ein außergerichtlicher Vergleich mit den Klägern gelingt. Dieses sei "sehr unwahrscheinlich".

Wie die übrigen Prozessbeteiligten hat auch die Ruhrgas AG am vergangenen Mittwoch ihre Stellungnahme zu Tackes neuen Vorschlägen nach Berlin geschickt. Der Staatssekretär will Anfang dieser Woche seine korrigierte Entscheidung bekannt geben. Nach der ersten Ministererlaubnis vom 5. Juli hatte eine Reihe von Beschwerdeführern geklagt. Das Oberlandesgericht Düsseldorf rügte Formfehler im Verfahren und stoppte die Fusion von Eon und Ruhrgas.

Bergmann sieht durch Tackes Teilnahme am Hearing am 5. September und durch die anschließende Überprüfung der Konsequenzen der Fusion grundsätzlich die Formfehler als "geheilt" an. Die Anhörung sei "keine Farce" gewesen. Ob aber auch der Düsseldorfer Kartellsenat zu einer solchen Bewertung komme, sei noch völlig offen. Der Ruhrgas-Chef spricht von "verfahrensrechtlichen Übungen am Hochreck". Er kritisiert die beschwerdeführenden Unternehmen als "Beutesucher auf dem Weg zu einer neuen New Economy". Sein Fazit: "Alle wollen etwas von dem Kuchen." Die gerügten Formfehler dürften am Ende aber nicht Tackes ursprüngliche Grundsatzentscheidung - grünes Licht für die Fusion mit akzeptablen Auflagen - gefährden.

Eine Prognose über den Ausgang der geplanten Verschmelzung ist aus Bergmanns Sicht derzeit nicht möglich. Eon und Ruhrgas strebten die Fusion nach wie vor als notwendige Weichenstellung für eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Gasgeschäft an. Der Ruhrgas-Vorstandsvorsitzende gibt aber zu bedenken, bei internationalen Großprojekten seien die Konkurrenten durch den Zeitverzug jetzt in der Vorhand. Dies gelte zum Beispiel für die Ausschreibung von 50 % der Erdgasaktivitäten des drittgrößten spanischen Energieversorgers Union Fenosa. Experten bezeichnen Spaniens Erdgasmarkt als Europas größtes Wachstumspotenzial. Im Ausland freue man sich über den deutschen Stillstand. Unabhängig vom Erfolg des Eon-Einstiegs sei sicher, dass sich der Aktionärskreis der Ruhrgas verändern werde. Die verkaufswilligen Aktionäre würden bei Eons Scheitern dann wohl ausländische Käufer finden.

Die von Eon versprochenen Investitionsmittel von mittelfristig 6 bis 8 Mrd. Euro will die Ruhrgas auf Explorations- und Positionsvorhaben in Norwegen und Russland konzentrieren. Die Essener geben sich dabei auch mit Renditen zufrieden, die unterhalb der sehr "anspruchsvollen Vorgaben" der Ölmultis liegen. Bei der angelaufenen Privatisierung der Statoil, Norwegens größtem Öl- und Erdgasproduzenten, plant Bergmann bisher kein Engagement. Erst müsste ein "industrielles Konzept" da sein, erklärt er. Noch will der Staat Norwegen mindestens zwei Drittel der Statoil-Anteile in seinem Portfolio behalten. Bei einem Pressegespräch in Stavanger sagte Statoil-Chef Olaf Fjerr, angesichts der Konzentration im internationalen Öl- und Energiegeschäft spreche die "industrielle Logik" für ein Zusammengehen von Ruhrgas und Eon. Er sprach im Übrigen von einer "deutschen Angelegenheit" und bezeichnete die bisherige Kooperation mit Ruhrgas als "gut".

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