Vorstandsvorsitzender von WCM
Roland Flach: Jäger des verborgenen Schatzes

Er gilt als aggressiver und gewiefter Finanzinvestor. Nun landet Roland Flach seinen nächsten Coup: Er will Großaktionär bei der Commerzbank werden.

DÜSSELDORF. Wenn Manager nachts schlecht schlafen, kann Roland Flach daran schuld sein. Der Vorstandschef der Frankfurter WCM Beteiligungs- und Grundbesitz-Aktiengesellschaft gilt als einer der gefürchtetsten Firmenjäger in Deutschland.

Jetzt hat er wieder zugeschlagen. Gestern gab WCM den Einstieg (5,5 Prozent) bei der Commerzbank bekannt. Dabei soll es aber nicht bleiben. Flach will das Paket auf zehn Prozent aufstocken und damit - neben der Münchener Rück, der italienischen Generali und der Investorengruppe Cobra - zum vierten Großaktionär der kleinsten Frankfurter Großbank werden.

Schon seit Wochen rätselten Börsianer, welches Opfer Flach als nächstes ins Visier nehmen werde. Etwa den Düngemittelkonzern Kali und Salz, MG Technologies (die frühere Metallgesellschaft) oder gar Thyssen-Krupp? Der WCM-Chef war es, der die Spekulationen schürte. Im vorigen Herbst hatte Flach den Einstieg in ein Dax-Unternehmen angekündigt.

Danach herrschte monatelang Funkstille. Als kluger Kaufmann weiß der ehemalige Handelsmanager Flach, dass auch im Handel mit Firmenbeteiligungen der Profit im Einkauf gemacht wird. Frühzeitig seine konkreten Absichten kundzutun - und damit die Kurse in die Höhe zu treiben - wäre quasi geschäftsschädigend.

Der Vorstandschef der im MDax notierten WCM AG ist ein Meister des Versteckspiels. Auf Fragen antwortet Flach präzise, indes ohne wirkliche Neuigkeiten preiszugeben. Ab und an huscht ein listiges Lächeln über das ansonsten ernste Gesicht.

Auch die WCM-Zentrale in Frankfurt, nur wenige Schritte von der Alten Oper entfernt gelegen, ist leicht zu übersehen. Im vierten Stock eines eher unauffälligen Bürogebäudes arbeitet ein Team von 25 Leuten. Die Börsenspezialisten haben sich auf die Suche nach unterbewerteten Aktiengesellschaften spezialisiert. Sind die ahnungslosen Opfer identifiziert, beginnt WCM mit den ersten vorsichtigen Käufen an der Börse. Oft können Monate vergehen, bis Firmenjäger Flach größere Pakete zusammen hat. Erst dann kommt er aus der Deckung.

Die Fäden im Hintergrund zieht der Hamburger Milliardär und WCM-Mehrheitsaktionär Karl Ehlerding. Wenn sich eine günstige Kaufgelegenheit ergibt, kann WCM innerhalb von Tagen zuschlagen. Die wichtigsten Unternehmensanalysen samt einem internen Preislimit sind stets griffbereit.

Wie Jagdtrophäen hängen Aktien der in den in den vergangenen Jahren erbeuteten Gesellschaften an der Wand. Etwa die des Duisburger Traditionskonzerns Klöckner-Werke AG, den WCM vor einem Jahr übernommen hatte. Der Verkauf von Pentaplast, der Foliensparte von Klöckner, hat WCM kürzlich Einnahmen von 925 Millionen Euro beschert - wegen des sehr viel höheren steuerlichen Verlustvortags von Klöckner sogar steuerfrei.

Flach, inzwischen 57, begann seine Karriere als Trainee beim Düsseldorfer Warenhauskonzern Horten. Bei seiner nächsten Station, beim Konkurrenten Hertie in Frankfurt, wurde er schnell mit dem Erwerb und der Integration von Beteiligungsgesellschaften betraut. Dann machte er sich selbstständig, baute die Handelskette Sound & Technik auf, die Flach später mit Gewinn veräußerte. 1999 wurde er Vorstandsmitglied von WCM.

Rasch fasste Großaktionär Ehlerding Vertrauen in den gelernten Kaufmann. Flach, seit Juni 2001 Vorstandschef, ist der wichtigste Vertraute des Hamburger Milliardärs bei WCM. Ehlerding gibt die große Linie vor, Flach kümmert sich diskret um die Ausführung. Was den Einstieg bei der Commerzbank betrifft heißt es in Börsenkreisen, dass WCM der befreundeten Investmentgesellschaft Cobra zu Hilfe kommt. Die ist nämlich mit dem Versuch gescheitert, die Commerzbank unter ihre Kontrolle zu bringen. Gemeinsam könnte das klappen.

Flach bestreitet das vehement, und genau darin liegt das Problem: Denn für die Anleger sind die wahren Absichten von WCM häufig nicht transparent, worunter auch die Aktie leidet.

Für seine Gegner ist der Mann mit der bulligen Statur ein Großspekulant und Firmenausschlachter. Jemand, der seine Opfer nach US-Vorbild skrupellos zerlegt. Flach nimmt?s gelassen: Jede Übernahme, sagt er, "setzt neue unternehmerische Kreativität" frei.

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