Vorstandswechsel
Photo Porst beantragt Insolvenz

Der traditionsreiche Foto-Filialist Photo Porst kämpft nach einem Insolvenzantrag ums Überleben. Rund 20 Jahre nach dem ersten Konkurs und nach mehreren spektakulären Besitzer-Wechseln ist der Fortbestand des ältesten deutschen Fotohauses erneut in Frage gestellt.

dpa SCHWABACH/WOLFEN. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, beantragte der Vorstand beim Amtsgericht Nürnberg die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Photo Porst war 1919 in Nürnberg von Hanns Porst gegründet worden und von 1940 bis 1945 das größte Fotohaus der Welt. Seit 1986 ist Photo Porst eine Aktiengesellschaft. In der Vorstandserklärung vom Montag heißt es, mit dem Gang zum Insolvenz-Gericht wolle man die bundesweit rund 1 100 Arbeitsplätze erhalten. Auch sollen die Lieferanten- und Kundenbeziehungen auf diese Weise gesichert werden.

Das am Neuen Markt notierte Unternehmen Pixelnet mit Sitz im ostdeutschen Wolfen hatte das defizitäre Unternehmen Photo Porst Anfang 2001 zum symbolischen Preis von einer D-Mark übernommen. Zuvor hatte Photo Porst zur belgischen Spector Photo Group N.V. gehört. Das Unternehmen bezifferte seinen Verlust per Ende Mai auf 15,7 Mill. ?.

Photo Porst-Vorstandsmitglied Walter Kroha wies ergänzend auf die rund 30 Mill. DM (15,24 Mill. ?) hin, die PixelNet seit vergangenem Jahr in die Tochter investiert habe. "Doch auch diese erheblichen Investitionen haben nicht ausgereicht, um in Kooperation mit den vielen Franchise-Nehmern und Filialen verlustfrei arbeiten zu können", sagte Kroha. Hinzugekommen seien die Umsatzeinbrüche von bis 25 Prozent in einzelnen Bereichen. Der gesamte Fotohandel leide unter drastischen Umsatzeinbußen, Preisverfall und einer Margen-Erosion. Zu den sinkenden Umsätzen im klassischen Fotogeschäft seien die Einbrüche beim Handy-Absatz gekommen. "Das ist mit Bordmitteln nicht mehr aufzufangen", fügte Kroha hinzu. Auf Grund dieser Entwicklungen habe das Geld für die weitere Restrukturierung von Photo Porst und den Ausbau des digitalen Fotogeschäfts gefehlt. Die PixelNet-Führung hatte bei der Übernahme vor allem das große Filialnetz von Photo Porst im Auge, von dem sie sich auf dem jungen Markt der elektronischen Fotografie einen Umsatz-Schub erhoffte. Umgekehrt sollte sich Photo Porst mit der Pixelnet-Technologie "auf einen Schlag in den Zukunftsmarkt katapultieren".

Statt zum Umsatzbringer entwickelte sich der im fränkischen Schwabach ansässige Foto-Filialist aber zu einem größeren wirtschaftlichen Risiko als der frühere Pixelnet-Chef Matthias Sawatzky geahnt hatte. Darauf lassen jedenfalls die PixelNet-Zahlen des ersten Quartals schließen. Danach lag der Verlust im ersten Quartal mit 7,3 Mill. ? mehr als doppelt so hoch wie im Vergleichs-Quartal des Vorjahres. Beobachter machen dafür hauptsächlich die Verluste der Photo Porst verantwortlich.

Pixelnet bemühte sich nach dem Ausscheiden von Vorstandschef Sawatzky und dessen Finanzvorstand Arno Waschkau wieder um ein handlungsfähiges Management. Beide hatten das Unternehmen Mitte Juni verlassen. Zum neuen Vorstandschef hat der ebenfalls umbesetzte Aufsichtsrat inzwischen Gerhard Köhler berufen, der bis Jahresende 2001 das Finanzressort geleitet hatte

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Das Unternehmen Photo Porst hatte nach eigenen Angaben im Jahr 2001 einen Umsatz von 220 Mill. ? erwirtschaftet. Der Verlust lag bei 5,4 Mill. ?. Neben 200 eigenen Filialen arbeitet das Fotohaus mit 400 Franchise-Partnern zusammen. Mit Film- und Bildstellen verfügt es über insgesamt 1800 Vertriebsstellen. Der Marktanteil am Fotohandel in Deutschland liegt den Angaben zufolge bei zehn %.

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