Vorsteuergewinn gesteigert
Deutsche Bank rüstet sich für den Kampf

Mit dem beschleunigten Verkauf von Beteiligungen, einer Neuausrichtung der Deutschen Bank 24 und Kosteneinsparungen will die Deutsche Bank ihre Position im scharfen internationalen Wettbewerb stärken.

 

WiWo/ap/dpa/rtr FRANKFURT. Im ersten Quartal 2002 steigerte Deutschland größtes Kreditinstitut seinen Vorsteuergewinn durch Verkäufe von Anteilen an der Münchener Rück und der Allianz sowie gesunkene Personalkosten um 39 Prozent auf 1,27 Milliarden Euro. Allein die Reduktion der Anteile an der Münchener Rück (von 7,2 auf 5,51 Prozent) und der Allianz (von 4 auf 3,34 Prozent) soll der Bank nach Schätzung von Experten 950 Millionen Euro eingebracht haben. Die Deutsche Bank erklärte hierzu, dass sich der Erlös aus dem Verkauf von Aktien im ersten Vierteljahr von 166 Millionen auf eine Milliarde Euro verbessert hätte.

Der Gewinn nach Steuern verbesserte sich dank deutlich gesunkener Ertragsteuern um 56 Prozent auf 597 Millionen Euro. Zins- und Provisionsüberschuss verringerten sich aber im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der scheidende Vorstandssprecher Rolf Breuer erklärte am Montag in Frankfurt am Main: "In einem auch für die Finanzmärkte schwierigem Umfeld hat sich die Deutsche Bank vergleichsweise gut behauptet". Bei der Kostenreduzierung seien wesentliche Fortschritte erzielt worden.

Konzentration auf die Rentabilität

Die Neuausrichtung der Strategie sieht den Angaben zufolge eine weitere Kostensenkung und eine Konzentration auf die Rentabilität vor. Der Verkauf von Industriebeteiligungen und der nicht zum Kerngeschäft gehörenden Investments soll beschleunigt werden. Das Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden - Deutsche Bank 24, Private Banking, das Online Investment Center maxblue und kleinere Firmenkunden - soll unter der Dachmarke Deutsche Bank und unter einheitlicher Führung gebündelt werden. Erst im September 1999 war das Privatkundengeschäft ins Private Banking für wohlhabende Kunden und in die Deutsche Bank 24 für Massenkunden geteilt worden.

Strategie gegen feindliche Übernahme

Nach Informationen des "Handelsblatts" will die Deutsche Bank sich von einigen Konzernteilen trennen, um den Wert ihrer Aktie zügig zu erhöhen. Der designierte Vorstandschef Josef Ackermann wolle mit den Abtrennungen und radikalen Kosteneinsparungen den Marktwert des Instituts von 44 Milliarden Euro auf mindestens 100 Milliarden Euro hochtreiben, um eine feindliche Übernahme durch größere Konkurrenten wie die Citibank zu verhindern. Ackermann stelle zudem sämtliche Industriebeteiligungen zur Disposition mit Ausnahme des Ende 2001 noch 12,5-prozentigen Anteils an DaimlerChrysler.

"Das Problem der Deutschen Bank ist, dass sie auch wegen des Wertes, der in ihren hohen Industriebeteiligungen gebunden ist, als Übernahmekandidat gesehen werden", sagte Fondsmanager Lorenzo Carcano von Metzler Investment zu den geplanten Beteiligungsverkäufen. "Die Erhöhung des Marktwertes wird eine von Ackermanns vordringlichsten Aufgaben sein - er wird dies aber nicht über Nacht erreichen."

Risikovorsorge gestiegen

Der Zinsüberschuss belief sich im ersten Quartal den Angaben zufolge auf 1,7 Milliarden Euro gegenüber 1,9 Milliarden Euro im ersten Vierteljahr 2001. Der Rückgang sei in erster Linie auf das niedrigere Zinsniveau, geringere Dividendenerträge und den Verkauf des europäischen Asset Finance- und Leasing-Geschäfts im zweiten Vierteljahr 2001 zurückzuführen.

Auch der Provisionsüberschuss lag mit 2,6 Milliarden Euro unter dem Ergebnis der ersten drei Monate 2001, als 2,8 Milliarden Euro erzielt wurden. In dieser Entwicklung spiegelten sich die ungünstigen Marktbedingungen, die bereits seit der zweiten Hälfte des Vorjahres andauern, wider, so die Bank. Die Risikovorsorge wurde angesichts der Konjunkturschwäche im ersten Quartal um 198 Millionen Euro auf 384 Millionen Euro erhöht. Der Personalaufwand reduzierte sich dagegen deutlich um 20 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro.

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