Vorstoß auf deutschen Markt für Multimedia-Dienstleistungen
Schwedische Cell Network übernimmt Aperto

Noch im April versuchte die deutsche Pixelpark AG vergeblich, den schwedischen Multimediadienstleister Cell Network zu übernehmen. Nun schlagen die Schweden mit der Übernahme der Berliner Aperto auf dem Heimatmarkt von Pixelpark zurück. Die Aktie von Cell Network erhielt dadurch einen kräftigen Schub. >>Kommentar: Cell Networks - Auswärtssieg

Handelsblatt BERLIN. Der schwedische Multimediadienstleister Cell Network übernimmt die Berliner Aperto GmbH. Zunächst zahlen die Schweden für 51 % der Anteile 48 Mill. DM. Die restlichen Anteile sollen "nach einer erfolgsabhängigen Bewertung in naher Zukunft" übernommen werden, teilte das Unternehmen mit. Damit haben die Schweden den ersten Schritt auf den wichtigen deutschen Markt für E-Services geschafft.

"Wir haben den gesuchten starken Partner gefunden", freut sich der Vorstandschef von Cell Network, Niklas Flyborg. Es entstehe eines der größten Internetunternehmen in Europa. Aperto zählt 125 Beschäftigte, hat 1999 den Umsatz auf 5,7 Mill. DM nahezu verdoppelt und schreibt seit der Gründung 1995 schwarze Zahlen, wie der Gründer und Chef von Aperto, Dirk Buddensiek versichert.

Pixelparks Übernahme von Cell Network gescheitert

Die Börse in Frankfurt honorierte die Übernahme mit einem Kursanstieg der Aktie von Cell Network um 14,5 % auf 7,1 Euro. An der Stockhomer Börse zog der Kurs sogar um knapp 20 % an. Cell Network war im April selbst Ziel eines Übernahmeversuchs durch die Bertelsmann-Tochter Pixelpark AG. Die Fusion war in letzter Minute am Widerstand der Großaktionäre von Cell Network gescheitert. Jetzt haben die Schweden zurückgeschlagen und machen Pixelpark auf dessen Heimatmarkt Konkurrenz. Aperto wird künftig unter dem Namen Cell Network Deutschland firmieren. Buddensiek wird die Geschäfte weiterführen.

Keine schwarzen Zahlen in 2000 für Cell Network

Cell Network zählt mit einem Umsatz von 1,2 Mrd. skr (142 Mill. Euro) neben Framfab zu den führenden Multimediadienstleistern in Schweden. Mit insgesamt 1 800 Beschäftigten ist Cell Network ein halbes Jahr nach der Fusion mit dem schwedischen Konkurrenten Mandator mit 44 Büros in 13 Ländern vertreten. Die Kosten der Aperto-Übernahme sollen noch im laufenden Geschäftsjahr bilanziell verkraftet werden. "Deshalb werden wir dieses Jahr keine schwarzen Zahlen schreiben können", räumt Flyborg ein. Cell Network gehört zu rund 50 % institutionellen Anlegern und Fondsgesellschaften. Daneben ist der stellvertretende Chairman Lars Pettersson mit 13 % größter Einzelaktionär. Die restlichen Anteile sind breit gestreut.

Den Schritt nach Deutschland hatte das Unternehmen bereits nach dem Scheitern der Fusion mit Pixelpark angekündigt. Allerdings habe man mit Aperto erste Kontakte schon im März und damit vor den Verhandlungen mit Pixelpark gehabt, sagt Flyborg. Das Unternehmen folge mit der Übernahme den Kundenwünschen auf allen wichtigen europäischen Märkten Fullservice von der technischen bis zur kreativen Dienstleistung beim Aufbau des E-Commerce bieten zu können. Pixelpark gibt sich gelassen

Beim Konkurrenten Pixelpark gibt man sich betont gelassen. "Wir waren nicht überrascht", sagte Julian Deutz, Direktor für Merger & Acquisitions bei Pixelpark. Die Schweden hätten mehrere Möglichkeiten zum Einstieg in den deutschen Markt gehabt. Sie hätten sich eben für diese Option entschieden. Eine Akquisition von Pixelpark in Schweden, "nur um den Markt zu besetzen", schloss Deutz aus. Der schwedische Markt sei, mit einem Anteil von 4 % am europäischen Gesamtmarkt, dafür viel zu klein. Allerdings seien die Skandinavier bei den technischen Innovationen führend, so dass eine Übernahme eines kleineren Technologieträgers Sinn machen könnte. Analysten: Merger ist ein positiver Schritt

Bankanalysten bewerten den Schritt von Cell Network dagegen positiv. "Aperto gibt den Schweden eine gute Plattform", sagte Andrew Nussey von der Deutschen Bank in London. In den nächsten 24 Monaten werde sich entscheiden, wer in Europa zu den führenden E-Service-Unternehmen gehöre. Dafür brauche ein E-Service-Unternehmen in Schlüsselmärkten wie Deutschland, Großbritannien oder Frankreich mindestens 100 Leute um die Kundenanforderungen zu genügen. Der Gesamtmarkt wird bei Wachstumsraten von jährlich über 50 % auf einen Wert im zweistelligen Milliarden-Euro-Bereich geschätzt.

Auch Melinda Wiharto von der Bank Julius Bär sieht in dem Merger einen "sinnvollen Schritt auf einem der größten Märkte". Veranlassung den Konkurrenten Pixelpark herunterzustufen sieht Wiharto keine. Pixelpark stehe nach der Umsatzsteigerung um 200 % im abgelaufenen Geschäftsjahr (30.6.) bei ihr weiter auf "kaufen".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%