Vorstoß im Gazastreifen
Israel erklärt Dschenin zu Sperrgebiet

Die israelischen Streitkräfte haben die Stadt Dschenin nach dreiwöchiger Besetzung geräumt, zugleich aber zum Sperrgebiet erklärt. Panzer bezogen am Freitag Stellung am Rand der Stadt.

WiWo/ap DSCHENIN. Soldaten ließen keinen Palästinenser nach Dschenin hinein oder heraus. Im weitgehend zerstörten Flüchtlingslager von Dschenin suchten Einwohner nach vermissten Angehörigen.

Nach einer Besichtigung des ehemals von 14 000 Menschen bewohnten Lagers sagte der UN-Beauftragte Terje Roed-Larsen, bei der Suche israelischer Truppen nach palästinensischen Kämpfern seien 300 Gebäude zerstört worden. 2 000 Einwohner hätten ihre Unterkunft verloren. Zum Streit über die Anzahl der Todesopfer äußerte sich Roed-Larsen nicht - die Palästinenser sprechen von mehreren hundert Toten und einem Massaker an der Zivilbevölkerung, während nach israelischer Darstellung etwa 50 bewaffnete Männer im Kampf ums Leben kamen.

Der UN-Beauftragte sagte jedoch: "Kein Ziel kann eine solche Aktion rechtfertigen." Die Zustände in Dschenin seien "unvorstellbar schrecklich". So seien zahlreiche Leichen dicht unter der Oberfläche begraben worden, die Luft sei von ihrem Verwesungsgeruch erfüllt. Einwohner von Dschenin fanden am Freitag die Leiche eines Mannes, bei des es sich vermutlich um Mahmud Tawalbeh handelt, einen regionalen Anführer der Untergrundorganisation Islamischer Dschihad. Tawalbeh hatte bekannt, Selbstmordattentäter nach Israel geschickt zu haben. Der israelische Brigadegeneral Ejal Schlein erklärte, seine Truppen hätten in Dschenin die "Infrastruktur - Sprengstofflabore, Leiter von Organisationen, und auch Terroristen" vernichtet.

Ausgehverbot für drei Stunden aufgehoben

In Nablus wurde das Ausgehverbot für drei Stunden aufgehoben, so dass 35 bereits verwesende Leichen begraben werden konnten. Verteidigungsminister Binjamin Ben-Elieser kündigte an, dass sich die Truppen am Wochenende aus Nablus zurückziehen werden. In der Nähe der Stadt wurde nach israelischen Angaben der Hamas-Extremist Husam Ataf Ali Badran verhaftet, den die Armee für den Tod von mehr als 100 Israelis bei Selbstmordanschlägen im vergangenen Jahr verantwortlich macht.

In Bethlehem kam es am Donnerstagabend erneut zu Gefechten zwischen den israelischen Belagerern der Geburtskirche und den dort seit Anfang des Monats verschanzten Palästinensern. Über dem Gelände der Kirchen- und Klosteranlage stieg Rauch auf.

Etwa zehn israelische Panzer drangen am Freitag erneut in Kalkilja ein und umstellten zwei Häuser. Die dort gesuchten Männer wurden nach palästinensischen Angaben jedoch nicht gefunden, so dass die Truppen nach vier Stunden wieder abzogen.

Drei Palästinenser erschossen

Auch aus dem Gazastreifen wurde ein Truppenvorstoß gemeldet. Nahe der Grenze zu Ägypten wurden bei einem Schusswechsel drei Palästinenser erschossen und sechs verletzt, wie palästinensische Ärzte mitteilten.

In Washington erklärte US-Präsident George W. Bush, der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon halte sein Versprechen, sich aus den seit Karfreitag besetzten Ortschaften im Westjordanland zurückzuziehen. "Er hat mir einen Zeitplan gegeben, und er hat diesen eingehalten", sagte Bush. Auch nach der Rückkehr von Außenminister Colin Powell werde seine Regierung die Bemühungen um einen Waffenstillstand im Nahen Osten fortsetzen.

Die Forderung von UN-Generalsekretär Kofi Annan nach einer raschen Entsendung internationaler Friedenstruppen wies Scharon erneut zurück. Die Beratungen im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen führten am Donnerstag noch nicht zur Verabschiedung einer weiteren Resolution. Großbritannien legte einen Gegenentwurf zum Vorschlag arabischer Staaten vor, die erneut einen sofortigen Abzug aller israelischen Truppen verlangten.

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