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Vorteile der WAP-Handytechnik umstritten

Die Vorteile, mit WAP-Mobilfunktelefonen im Internet zu surfen, beurteilen Hersteller und Experten unterschiedlich. Während die Marktführer der Mobilfunkbranche, T-Mobil und D-2 Mannesmann, in der WAP-Technik (Wireless Application Protocol) den Einstieg ins mobile Internet sehen, ist der Informatiker Edgar Einemann skeptisch. Beim Start von WAP seien Erwartungen geweckt worden, die nicht hätten eingelöst werden können, folgert der Bremer Professor für Informatik.

Reuters DÜSSELDORF. Viele Kunden erwarten, dass eine WAP-Seite einer Web-Site auf dem Heimcomputer (PC) ähneln würde. Stattdessen stelle WAP derzeit einen textbasierten, reduzierten Informationsdienst ähnlich dem Videotext dar.

Erst UMTS-Mobilfunknetze bringen einen Schub

"Die Grundidee, das Internet mobil nutzbar zu machen, hat Zukunft. Unwahrscheinlich ist aber, dass die heutigen Endgeräte und WAP dabei eine Rolle spielen werden", stellte der Bremer Professor fest. Einen Schub für das mobile Internet erwartet er dagegen von den UMTS-Mobilfunknetzen, die mit hohen Übertragungsraten den komfortablen Internet-Zugriff über mobile Kommunikationsgeräte ermöglichen würden. Zur Zeit können WAP-Kunden spezielle Internetseiten über eigene Portale mit der Handytastatur ansteuern. Meist handelt es sich dabei um Miniaturversionen vorhandener Internetseiten in vereinfachter Darstellung. Bislang bietet WAP E-Mail-Dienste sowie Informationen aus Politik, Wirtschaft, Wetter, Unterhaltung und Reisen. Einemann vergleicht WAP mit dem Bildschirmtextsystem (Btx) der deutschen Telekom , der Ende dieses Jahres eingestellt werden soll. Die Preise für eine WAP-Verbindung übertreffen mit 39 Pfennig pro Minute die Kosten für eine ISDN-Internetverbindung am PC um mehr als das Zehnfache.

Große Möglichkeiten für WAP liegen in der Unternehmenskommunikation

Bettina von Megern vom Veranstalter des Düsseldorfer WAP-Kongresses, tagung.com, glaubt hingegen an die Zukunftsfähigkeit von WAP und sieht insbesondere in der Unternehmenskommunikation über das Intranet große Möglichkeiten. Die Diskrepanz zwischen den von den Herstellern vermittelten Erwartungen und den tatsächlich angebotenen WAP-Diensten habe jedoch dazu geführt, dass das Thema WAP negativ besetzt sei. Den Kunden müsse nun gezeigt werden, was derzeit wirklich mit einem WAP-Handy möglich sei, rät die Expertin. Die derzeit angebotene Darstellung der WAP-Dienste sei nützlich, aber nicht mit dem gewohnten Erscheinungsbild von Internetseiten am heimischen PC zu vergleichen.

WAP ist der Schlüssel zum mobilen Internet

Die beiden deutschen Marktführer in der Mobilfunk-Branche, die Telekom-Tochter T-Mobil und D2-Mannesmann , zeigen sich mit der Entwicklung ihrer WAP-Kundenzahlen zufrieden. Mit über 600 000 WAP-Handy-Kunden seien die eigenen Erwartungen übertroffen worden, sagte ein T-Mobil-Sprecher. Angesichts der derzeit eingeschränkten technischen Möglichkeiten sei dies ein toller Erfolg. Ähnlich sieht es der andere Marktführer der Branche, D-2 Mannesmann. WAP stelle den Schlüssel zum mobilen Internet dar, sagte ein D-2-Sprecher. Bis zum Juli habe D-2 über 500 000 WAP-Kunden gewonnen. Die Zuwachsraten seien "nicht exorbitant, aber kontinuierlich". Täglich registriere D-2 über 500 000 WAP-Zugriffe. Zum Vergleich: Gleichzeitig zählt das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 16 Mill. Kurzmitteilungen (SMS), die über das Handy verschickt werden.

WAP-Ergonomie ist nicht zweckmäßig

Die Mobiltelefone wie sie jetzt auf dem Markt seien, hält Einemann nicht für geeignet, dem Massenmarkt Zugang zum mobilen Internet zu verschaffen. Dabei stützt sich der Informatiker auf eine Untersuchung, die er im Auftrag des Nachrichtenmagazins Focus über die derzeitigen Nutzungsmöglichkeiten von WAP-Handys erstellt hatte. Generell kritisiert Einemann, die Darstellungsmöglichkeiten auf den kleinen Anzeigefeldern seien gering, die Eingabe über die Handy-Tastatur kompliziert. Zudem sei die Internet-Verbindung häufig instabil und das Angebot an WAP-Diensten bislang "relativ bescheiden".

Das mobile Internet setzt sich erst mit UMTS durch

Das mobile Internet werde sich erst mit der neuen Mobilfunktechnik UMTS (Universal Mobile Telecommunications Service) durchsetzen, die ab 2002/2003 zum Einsatz kommen soll, erwartet Einemann. UMTS ist mit Datenübertragungsraten von maximal zwei Megabit pro Sekunde bis zu 200 Mal schneller ist als die derzeit genutzten GSM-Netze (9,6 Kilobit pro Sekunde) und bis zu 30 mal schneller als ISDN. Dank dieser Technik könne der Anwender dann etwa über tragbare elektronische Taschenkalender leichter und komfortabler im Internet surfen, sagte Einemann. Auf diesen Endgeräten mit ihrem größeren Anzeigefeldern sei auch eine bessere Darstellung möglich. An das WAP des Jahres 2000 werde sich der mobile Internet-Surfer in fünf Jahren kaum noch erinnern, sagt Einemann voraus.

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