Vorteile für E.ON
Analysten sehen möglichen Degussa-Verkauf zwiespältig

Ein mögliches Tauschgeschäft zwischen der E.ON AG und der RAG mit Anteilen der Degussa und der Ruhrgas würde nach Einschätzung von Analysten E.ON bei der Konzentration auf das Kerngeschäft einen wichtigen Schritt voran bringen.

Reuters FRANKFURT. Der Degussa allerdings könnte das Geschäft auch neue Probleme bringen. Die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" berichtete am Freitag ohne Angabe von Quellen, der Versorgungskonzern E.ON wolle dem Bergbaukonzern RAG 51 Prozent ihrer Spezialchemietochter Degussa verkaufen im Tausch für die RAG-Anteile an dem Gasversorger Ruhrgas. Zur Finanzierung des Kaufs sei E.ON bereit, Ruhrgas einen Kredit über zwei Milliarden Euro einzuräumen, hieß es in dem Zeitungsbericht. E.ON hält 64,6 Prozent an Degussa, die RAG besitzt 18 Prozent an der Ruhrgas.

Die beteiligten Unternehmen wollten am Freitag weiterhin keine Stellung zu dem Bericht beziehen. Ein Sprecher der RAG bekräftigte lediglich frühere Angaben des Konzerns, wonach Vorstandschef Karl Starzacher mit E.ON-Konzernchef Ulrich Hartmann derzeit Gespräche führe. Weitere Angaben machte er dazu nicht. Auch Vertreter der Aufsichtsräte beider Unternehmen hüllten sich am Freitag in Stillschweigen.

Analysten können dem möglichen Degussa-Verkauf an die RAG einiges Positive abgewinnen. "Die Degussa-Mehrheit könnte die Chemiesparte der RAG gut ergänzen," sagte der Chemieexperte Jürgen Reck von Oppenheim Reserach in Köln. Degussa und die zur RAG gehörende Rütgers AG würden allerdings nur in Teilen gut zusammenpassen, vor allem bei der Spezialchemie. Die Bereiche Kunststoffe oder die Basischemie bei Rütgers VFT würden dagegen weniger gut zur Konzernstrategie der Degussa passen.

Für E.ON sei ein solches Tauschgeschäft "sicher eine elegante Lösung" bei der Verfolgung der Konzernstrategie, sagte der Fachmann. E.ON will sich auf das Versorgungs-Geschäft konzentrieren und ist deshalb an den Ruhrgas-Anteilen der RAG interessiert. Dabei steht der Versorger nach Einschätzung von Branchenkennern unter Zeitdruck, denn auch andere europäische Wettbewerber haben ein Auge auf die Ruhrgas-Anteile geworfen. E.ON hat bei Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) eine so genannte Ministererlaubnis beantragt, um nach einem abschlägigen Entscheid des Bundeskartellamtes doch noch die Mehrheit an der Ruhrgas zu übernehmen.

Nils Machemehl von M.M. Warburg in Hamburg sieht wegen der bevorstehenden Kürzung der Steinkohlesubventionierung die RAG unter Druck. "Der Konzern braucht ein zukunftträchtiges industrielles Standbein, und dabei könnte die Degussa durchaus interessant sein." Es sei aber nicht sicher, ob alle Bestandteile der Degussa gut ins Portfolio der RAG passten, unterstrich er.

Der Vorteil für die RAG bestehe zurzeit in dem relativ niedrigen Preis, den die E.ON für die Degussa-Mehrheit verlangen könne. "Die 18 Prozent an der Ruhrgas sind ein gutes Druckmittel, um den Preis für die Degussa zu drücken." E.ON könne erst 2004/2005 mit einem höheren Verkaufserlös für die Degussa rechnen, wenn Restrukturierungsmaßnahmen den Unternehmenswert verbessert haben dürften.

Gegen eine Degussa-Übernahme durch die RAG spricht nach Einschätzung beider Analysten auch ein ganz anderer Aspekt: "Die RAG müsste den Minderheitsaktionären dann wohl eine Übernahmeofferte nach dem Übernahmegesetz machen, und dies könnte den Kauf noch erheblich teurer machen als bisher absehbar," sagte Oppenheim-Experte Reck. Es sei daher fraglich, ob der Degussa-Aktienkurs von einem Kauf durch die RAG profitieren könnte.

Ein angebliches Spitzentreffen der Unternehmenschefs über die mögliche Transaktion mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), Finanzminister Hans Eichel (SPD) und dem Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE), Hubertus Schmoldt, am Samstagabend in Hannover wurde von den Beteiligten nicht bestätigt.

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