Vorwahl-Marathon geht zu Ende
Obama präsentiert sich siegessicher

Nach fünfmonatigem Vorwahl-Marathon ist die erste Präsidentschaftskandidatur eines Schwarzen in der Geschichte der USA in greifbare Nähe gerückt. Wie US-Medien am Dienstag berichteten, wollte der demokratische Bewerber Barack Obama (46) vermutlich bereits kurz nach Abschluss der letzten Vorwahlen in South Dakota und Montana seinen Sieg über seine Rivalin Hillary Clinton (60) verkünden.

HB WASHINGTON. Zugleich kamen aus dem Lager der Ex-First-Lady erste Signale, dass sie das Rennen ebenfalls als beendet ansieht. Nach den Worten ihres Wahlkampfmanagers will die Ex-First-Lady aber zumindest einige Tage um die notwendige Unterstützung von "Superdelegierten" weiterkämpfen. Berichte, sie wolle bereits in der Wahlnacht den Sieg Obamas anerkennen, seien "absolut falsch", sagte Wahlkampfmanager Terry McAucliffe. Die "Washington Post" sprach von einem "unabwendbaren Ausgang", der Vorsprung Obamas sei nicht mehr einzuholen. Die letzten Wahllokale schließen am Mittwochmorgen um 0400 MESZ.

Clintons Wahlkampfchef Terry McAuliffe sagte dem TV-Sender, sie werde ihre Kandidatur aufrecht erhalten, bis ein Kandidat die zur Nominierung nötigen Stimmen für den Parteitag der Demokraten im August habe. Clintons Konkurrent Obama habe die erforderliche Schwelle noch nicht überschritten, sagte McAuliffe.

Dem Vernehmen nach gab es aber bereits erste direkte Kontakte zwischen Obama und Clinton. "Wenn sich der Staub gelegt hat, möchte ich mich mit ihr treffen, sie kann Zeit und Ort des Treffens bestimmen", kündigte Obama an. US-Medien werteten dies als erneuten Hinweis, dass eine Vizepräsidentschaft Clintons weiterhin erwogen werde. Die Präsidentenwahl ist am 4. November, der designierte republikanische Kandidat ist der Vietnamveteran John McCain (71).

Obama rechnet nach Angaben aus seinem Wahlkampflager damit, dass sich nach der Abstimmung in South Dakota und Montana, bei denen er laut Umfragen vorne lag, zahlreiche bisher unentschiedene "Superdelegierte" hinter ihn stellen. Dies hätten bereits rund 30 Senatoren und Abgeordnete angedeutet. Damit könnte sich Obama so gut wie sicher sein, dass er beim demokratischen Nominierungsparteitag Ende August in Denver auf die notwendigen 2118 Delegierten kommt.

Clinton dagegen, die zum Beginn des Vorwahl-Marathons Anfang Januar als klare Favoritin gegolten hatte, liegt bei den Delegiertenstimmen praktisch chancenlos zurück. US-Medien meinten, möglicherweise werde die 60-Jährige bald das Handtuch werfen. Es heißt, sie habe ihre Mitarbeiter nach New York zusammengerufen, um dort noch in der Wahlnacht eine "Botschaft zu verkünden". Die "New York Times" ging allerdings davon aus, dass sie ihr endgültiges Ausscheiden erst in einigen Tagen offiziell bekanntgeben wird. Auch ihr Ehemann, Ex-Präsident Bill Clinton, deutete bereits die Rückzugsbereitschaft seiner Frau an. "Dies könnte der letzte Tag sein, an dem ich an einer solchen Kampagne beteiligt bin", meinte er am Montag (Ortszeit).

Vordringliche Aufgabe des Kandidaten Obama wäre es, nach dem überaus langen Vorwahlkampf enttäuschte Clinton-Anhänger auf seine Seite zu ziehen und für die Einheit der Partei zu sorgen. Umfragen deuten darauf hin, dass rund 20 Prozent der Clinton-Anhänger (vor allem Frauen, weiße Arbeiter und Ältere) ihm bei der Präsidentenwahl im November die Stimme verweigern oder sogar den republikanischen Gegner McCain wählen könnten. Führende Politiker der Demokraten drängen daher auf eine rasche Entscheidung, keinesfalls dürfe es beim Parteitag in Denver eine Kampfabstimmung geben. Das würde nur McCain helfen.

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