Vorwahlen in Iowa
Die Nacht der Underdogs

Bekannte Gesichter sind ein Problem. Ein Problem seit dieser Nacht. Für Monate hatten Hillary Clinton und Mitt Romney einen satten Vorsprung im Rennen um die US-Präsidentschaft. Doch nun haben zwei bis vor kurzem relativ Unbekannte ihnen bei der ersten Vorwahl in Iowa die Show gestohlen.

DES MOINES. Die Stimmung im Saal ist eigentlich aufgeheizt genug. Doch Barack Obama legt bei der Spannung noch eins drauf: „Sie sagten, dass dieser Tag niemals kommen würde“, ruft Obama in die enthusiastische Menge. „Sie sagten, das schaffst Du nie“. Dann, nach einer Pause: „Doch Ihr habt hier das geleistet, was New Hampshire in fünf Tagen auch schaffen kann.“ Was der strahlende Sieger bei den Demokraten an diesem Abend in Des Moines meint ist der Wandel, der Aufstieg eines Außenseiters, seinen Erfolg. Dann erst entlädt sich die ganze Energie, die diesen Raum elektrisiert. Und die Obama-Rufe wollen nicht enden.

30 Minuten zuvor im Lager von Mike Huckabee, dem „shooting star“ der Republikaner, war der Empfang noch einen Tick anders. Dort war noch mehr Überraschung, noch mehr Staunen über das Unglaubliche zu spüren, das sich dort abspielte. Als riebe man sich verwundert die Augen, dass dies tatsächlich möglich sein könnte: Dass einem vor zwei Monaten noch weitgehend unbekannten Ex-Gouverneur aus Arkansas, der kein Geld und praktisch keine Organisation besitzt, dieses Wunder gelingt. Zum ersten Mal betrachtet man Huckabee und sieht ihn tatsächlich als möglichen republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Für viele Huckabee-Fans ist das noch gewöhnungsbedürftig.

Bei Obama ist es jedoch vor allem die Leichtigkeit, die Größe seines Sieges, die diesen Abend in Des Moines so ganz besonders macht. Denn der 46-Jährige hat nicht nur gewonnen, er hat Hillary Clinton und John Edwards klar hinter sich gelassen. Er hat als Schwarzer in einem weißen Staat gewonnen, er hat die eigenwilligen Farmer aus Iowa von sich überzeugt und er hat widerlegt, dass Hillary Clinton unvermeidbar ist. Als eine solche Kandidatin war sie ins Rennen gestartet, beinahe so, als müsse zwar gewählt werden, aber als würde der Sieg, ihr Sieg, eigentlich schon feststehen. Die Enttäuschung im Clinton-Camp war daher mit Händen zu greifen, als sich Hillary ihren Anhänger zeigte.

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