Vorwürfe gegen Cisco
Kommentar: Im Zweifel gegen den Angeklagten

Nichts ist bei Cisco bewiesen. Doch die Börse ist kein Strafgericht, das im Zweifel für den Beschuldigten entscheidet.

Die Märkte sind gnadenloser und urteilen mit kräftigen Kursabschlägen und damit auf schuldig. Daran wird sich so lange nichts ändern, bis Cisco seine Unschuld beweist.

Wie bereits viele Großunternehmen gerät jetzt auch Cisco Systems tief in den Strudel des wegen Bilanzierungsfälschungen in den Schlagzeilen stehenden Energiehändlers. Unter Druck stehen mit Tyco, IBM und General Electric all jene, die in vielen Geschäftsbereichen tätig sind, oder auch Firmen, die durch Zukäufe gewachsen sind und deren Bilanzen kompliziert sind. Und doch ist der Fall bei Cisco besonders tragisch. Denn kaum jemand hat besser als Konzernchef John Chambers viele Jahre lang alle Wünsche seiner Anleger erfüllt: aggressives Wachstum durch Zukäufe, jährliche Umsatz- und Ergebnissteigerungen in zweistelliger Höhe und Quartal für Quartal die exakte Erfüllung noch so optimistischer Analystenprognosen.

Doch was gestern gut war und zu höheren Kursen führte, vernichtet heute Milliarden Dollar. Zukäufe sind der Nährboden für Gerüchte, Verluste aus der Bilanz herauszuhalten. Hohe Gewinnsteigerungen und Prognosetreffer schüren den Verdacht der Manipulation. Und einst immense Kurszuwächse machen anfällig für Einbrüche. Spätestens seit dem Fall Enron wird Cisco seine ureigene Unternehmensphilosophie, die aus einem Startup-Unternehmen den Weltmarktführer rund ums Internet machte, zum Verhängnis.

Der Angeklagte Cisco wird nun seine Unschuld belegen müssen. IBM und General Electric versuchen das bereits. Sie kündigten nach herben Kursverlusten an, künftig mehr Informationen über ihre Geschäfte zu veröffentlichen. Auch John Chambers sollte die Offensive suchen, um dem Unternehmen und damit der Aktie wieder Potenzial zu geben.

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