Vorwürfe gegen NATO-Kriegsschiffe
Wal-Sterben in Manövergebiet vor Kanaren

In einem Manövergebiet von Marine-Streitkräften der NATO sind bei den Kanarischen Inseln 15 Wale gestrandet. Zwölf Tiere verendeten an den Ufern der Ferieninseln Fuerteventura und Lanzarote.

HB/dpa LAS PALMAS/MADRID. Zwölf Tiere verendeten an den Ufern der Ferieninseln Fuerteventura und Lanzarote. Drei Wale konnten von Tierschützern am Leben gehalten und ins Meer zurückgebracht werden. Experten gaben ihnen nach Presseberichten vom Mittwoch nur wenig Überlebenschancen.

Umweltschützer und die Regierung der autonomen spanischen Region der Kanaren machten die Nordatlantische Allianz (NATO) für das Wal-Sterben verantwortlich und verlangten eine sofortige Einstellung der Übungen. Spaniens Verteidigungsminister Federico Trillo lehnte einen Abbruch des Manövers jedoch strikt ab. Allerdings ließ er eine Untersuchung einleiten, die die Ursache des Wal-Sterbens klären soll. "Es ist überhaupt nicht erwiesen, dass der Tod der Tiere etwas mit den Übungen zu tun hat", sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Die Tier- und Umweltschützer sind anderer Meinung. Nach ihrer Ansicht haben die von den Kriegsschiffen und U-Booten ausgehenden Schallwellen das Gehör der Wale geschädigt und den Tieren den Orientierungssinn genommen. "Bei dem Lärm unter Wasser sind die Tiere förmlich durchgedreht", meinte Juan Carlos Moreno, Umweltdirektor der Kanaren-Regierung. Nach Angaben der Spanischen Wal-Gesellschaft waren vor zwei Jahren bei einem Seemanöver vor Madeira ebenfalls Wale verendet. Wissenschaftler hätten die Köpfe der Tiere untersucht und Blutungen in den Gehörgängen festgestellt.

Die auf den Kanaren verendeten Tiere gehörten der Familie der Schnabelwale (lateinisch: ziphiidae) an. Sie sind zwischen vier und sechs Meter lang und ähneln ein wenig den Delfinen. "Die Schnabelwale jagen in tiefen Gewässern und haben daher ein besonders empfindliches Gehör", erläutert die Biologin Natacha Aguilar. Ihr Kollege Michel André bezeichnete das Wal-Sterben als eine «ökologische Katastrophe».

Am Strand von Matas Blancas an der Südküste von Fuerteventura spielten sich dramatische Szenen ab. Tierschützer und Urlauber hüllten einen gestrandeten Cuvier-Schnabelwal in Decken und begossen ihn mit Meereswasser, um ihn am Leben zu halten. Derweil setzten NATO-Soldaten wenige hundert Meter entfernt ihre Landungsübungen fort. Die Kanaren-Regierung will in Madrid Schadenersatz verlangen. "Man hat dem Image unserer Inselgruppe als Ferienziel einen schlechten Dienst erwiesen", meinte Moreno. Er erinnerte daran, dass auf den Kanaren vor gut zehn Jahren schon einmal bei Manövern 24 Wale verendet seien.

Die spanische Marine wies die Vorwürfe gegen die NATO zurück. "Es wurden alle Vorkehrungen getroffen, um die Umweltfolgen der Übungen möglichst klein zu halten", sagte ein Sprecher. Demgegenüber betonten Wissenschaftler, das Wal-Sterben wäre vermeidbar gewesen. Es sei bekannt, dass die Gewässer zwischen Fuerteventura und der Westküste Afrikas ein wichtiges Durchzugsgebiet für Wale seien, sagten von der Zeitung "El País" befragte Experten. Der Herbst sei für die Tiere genau die Zeit der Wanderung. An dem NATO-Manöver nehmen nach spanischen Angaben ein Flugzeugträger, sechs U-Boote, 50 Schiffe, 30 Flugzeuge und 9 000 Soldaten aus acht Ländern teil.

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