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Vorwürfe nach Grubenunglück mit 166 Toten

Vor dem verheerenden Grubenunglück in China mit wahrscheinlich 166 Toten soll es massive Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften gegeben haben.

dpa PEKING. Vor dem verheerenden Grubenunglück in China mit wahrscheinlich 166 Toten soll es massive Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften gegeben haben. Bergleute erhoben schwere Beschuldigungen gegen die Grubenleitung, die bekannte Gefahren ignoriert habe, um die Förderung zu steigern, berichteten chinesische Medien.

Empörte Angehörige der Opfer verprügelten zwei Verantwortliche des Chenjiashan Bergwerks nahe Tongchuan in der nordwestchinesischen Provinz Shaanxi.

Die Gaskonzentration in der Grube war nach Angaben des staatlichen Radios am Dienstagabend weiterhin so hoch, dass jederzeit eine neue Explosion befürchtet wurde. Bis dahin waren erst 63 Leichen geborgen. Doch hatten Rettungstrupps die Hoffnung aufgegeben, dass die 123 Verschütteten noch leben könnten. Damit wäre die Tragödie das schwerste Grubenunglück in China seit mehr als vier Jahrzehnten.

Das Bergwerk habe nur alle 180 Meter einen Gasmelder gehabt, deren leuchtend rote Warnlampen von Teamleitern mit Tüchern verdeckt worden seien, um die Arbeiter nicht zu beunruhigen, berichtete das Internetportal sohu.com. Die jährliche Kapazität der Grube liege bei 1,5 Mill. Tonnen, doch seien auf Anweisung des Bergbauamtes von Tongchuan in diesem Jahr bereits 2,2 Mill. gefördert worden.

Vor der Gasexplosion am Sonntag sei am Montag vergangener Woche ein Feuer ausgebrochen. Am Dienstag habe es zudem eine kleinere Explosion gegeben, die ohne Opfer verlaufen sei, berichtete die Pekinger Zeitung "Chenbao". Das Feuer habe eine Woche lang gebrannt. Bergarbeiter seien aber gegen ihren Willen gezwungen worden, in die Grube einzufahren, berichtete die staatliche Werksschutzbehörde.

Es sei klar gewesen, "dass die Gaskonzentrationen sehr hoch gewesen sind", ergänzte ein Arbeiter in einem Interview von Radio Free Asia (RFA). "Deswegen sind die Familien so böse ... Das Unglück war ein direktes Ergebnis schlechten Managements." Ein Mitarbeiter der Grube berichtete: "Die Verwaltung zwang sie in die Grube und sagte, sie müssten trotz des Feuers arbeiten." Die Leitung habe das Bergwerk "mit eiserner Hand" und "rücksichtslosem Gewinnstreben vor allen anderen Erwägungen" geführt. "Wenn ihr nicht in die Grube geht, seit ihr entlassen", zitierte der Rundfunksender.

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