Vorwürfe stützen sich auf einen Brief
Staatsanwaltschaft wirft Esser geheime Absprachen vor

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft geht in der Mannesmann-Affäre davon aus, dass es zwischen Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser und seinem früheren Aufsichtsratsvorsitzenden Joachim Funk geheime Absprachen gab.

HB DÜSSELDORF. Sie hätten es sich mit Zahlungen in Millionenhöhe vergelten lassen, dass sie der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone Anfang 2000 zugestimmt hätten, heißt es nach Informationen von Verfahrensbeteiligten in der Anklageschrift, die am Donnerstag den insgesamt sechs Angeklagten zugestellt wurde.

Die Ermittler werfen der ehemaligen Mannesmann-Spitze vor, sich selbst und ihren Mitarbeitern Prämien und Abfindungen in Millionenhöhe zugeschanzt zu haben. Esser ist in vier Fällen wegen Untreue im besonders schweren Fall und in drei Fällen wegen Beihilfe dazu angeklagt, Funk wird der fünffachen besonders schweren Untreue verdächtigt. Ebenfalls wegen Untreue sind auch IG-Metall-Chef Klaus Zwickel, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und der frühere Vorsitzende des Mannesmann - Konzernbetriebsrats, Jürgen Ladberg, angeklagt. Sie hatten die Zahlungen im Aufsichtsrats-Ausschuss für Vorstandsangelegeneheiten abgesegnet. Dem ehemaligen Personaldirektor der Mannesmann AG, Dietmar Droste, werfen die Staatsanwälte Beihilfe zur Untreue vor.

Bei ihren Vorwürfen gegen Esser und Funk stützt sich die Anklage offenbar auf einen Brief von Funk an Esser mit Datum vom 31. Januar 2000 - dem Tag, an dem die Mannesmann-Führung ihren Kampf gegen das Vodafone-Angebot aufgab. Darin bietet Funk Esser für den Fall seines Ausscheidens an, ihm auf Lebenszeit ein Büro samt Sekretärin sowie einen Wagen mit Fahrer zur Verfügung zu stellen. Ansonsten gebe es für die Vorwürfe "nicht den geringsten Anhaltspunkt", sagte Esser dem Handelsblatt. Dass ausgeschiedene Vorstandsvorsitzende Büro und Wagen behalten dürften, sei seit jeher bei Mannesmann üblich gewesen.

In Justizkreisen hieß es dazu nur, die Beweisführung stütze sich auf ein "hochkomplexes Gebräu von Kleinstumständen, das sich nicht in zwei oder drei Einzelfragen fixieren lässt". Die Staatsanwaltschaft wollte keine Stellungnahme dazu abgeben. Aus Kreisen der Verteidiger hieß es, die Klageschrift sei nur "ein lauwarmer Aufguss dessen, was wir schon vorher gelesen haben. Ich weiß nicht, wie die Staatsanwaltschaft diese Theorien halten will."

Im Einzelnen listet die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift sieben Fälle auf, die sie als Untreue wertet: So erhielt Klaus Esser am 28. März 2000 eine Anerkennungsprämie von 10 Mill. britischen Pfund, umgerechnet knapp 15 Mill. Euro. Vier damalige Vorstandsmitglieder bekamen insgesamt rund 10 Mill. DM an Prämien, der damalige Aufsichtsratschef Funk, Essers Vorgänger an der Konzernspitze, erhielt rund 3 Mill. DM.

Am 25. April 2000 zahlte der Konzern an Funk und andere ausgeschiedene Vorstandsmitglieder Pensionsabfindungen, die nach Meinung der Staatsanwälte um rund 55 Mill. DM zu großzügig bemessen wurden. Im Mai wurde dem ehemaligen Arbeitsdirektor und IG-Metall-Mitglied Josef Murawski mit weiteren 3,9 Mill. DM ausgeholfen: Murawski habe um mehr Abfindung für die abgegoltene Witwenrente gebeten, weil seine Frau noch so jung sei, hieß es in Verfahrenskreisen.

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