Vorwurf: Akten vernichtet
Andersen wegen Behinderung der Justiz angeklagt

Das US-Justizministerium hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen wegen Behinderung der Justiz angeklagt.

Reuters WASHINGTON. Das Ministerium beschuldigte dabei den ehemaligen Prüfer des zusammengebrochenen Energiehandelkonzerns Enron mit krimineller Handlung bei der massenweisen Vernichtung von Enron-Dokumenten. Andersen bezeichnete die Beschuldigungen als grundlos.

Der stellvertretende Justizminister Larry Thompson sagte, Andersen habe mit der Vernichtung von wichtigen Dokumenten versucht, das Justizsystem zu untergraben. "Die Angestellten wurden aufgefordert, Überstunden zu machen, um die Arbeit bei der Vernichtung von Dokumenten zu beenden. Die Reißwölfe im Andersen-Büro in Houston und im Gebäude von Enron waren ununterbrochen im Betrieb". Andersen habe auch angerdnet, Enron-Dokumente in Portland, Oregon, Chicago und sogar in London zu vernichten. Tonnen von Dokumenten seien vernichtet worden.

Nach Angaben aus dem Justizministerium seien keine Andersen-Mitarbeiter angeklagt worden. Die Untersuchung dauere aber noch an, hieß es.

Andersen warnte, eine Strafanzeige würde das Unternehmen ernsthaft gefährden. Thompson sagte: "Dies sind schwere Anschuldigungen. Niemand soll überrascht sein, dass schwere Anschuldigungen schwere Konsequenzen haben".

Andersen wies die Anschuldigung des Justizministeriums zurück. Das Unternehmen teilte mit: "Die strafrechtliche Verfolgung der gesamten Firma wegen Rechtsbehinderung ist faktisch und rechtlich grundlos".

Die Anklage stellt für Andersen einen schweren Schlag dar, der die Existenz des seit 88 Jahren bestehenden Unternehmens bedrohen könnte. Nachdem zwei Konkurrenten einer möglichen Übernahme von Andersen - Ernst & Young und Deloitte Touche Tohmatsu - eine Absage erteilt haben, soll nach einem Bericht der "New York Times" auch die Börsenaufsicht SEC mit den fünf größten Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften Krisenpläne für den Fall eines Zusammenbruchs von Andersen diskutieren.

Fast 40 Klienten, darunter Schwergewichte wie der Pharmakonzern Merck & Co und die US-Fluglinie Delta Air Lines, haben sich bereits seit Jahresanfang von Andersen getrennt.

Andersen hatte zugegeben, dass tausende Enron-Dokumente im Herbst vergangenen Jahres im Reißwolf gelandet waren, und hatte Aktionären, Mitarbeitern und Gläubigern des Energiekonzerns 750 Mill. $ Schadenersatz angeboten. Führende Enron-Aktionäre erwarten jedoch nach eigenen Angaben mindestens das Doppelte und rechnen daher nicht mit einer raschen Lösung.

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