Vorwurf der "unverantwortlichen öffentlichen Behauptungen"
Telekom erwirkt Verfügung gegen Gutachter

Die Deutsche Telekom hat eigenen Angaben zufolge im Streit mit einem Großkunden um angeblich massenhaft falsche Gesprächsabrechnungen eine einstweilige Verfügung gegen einen vereidigten Gutachter erwirkt.

Reuters BONN. Die Telekom teilte am Donnerstag in Bonn mit, dem Gutachter Reinhold Scheffel und seinem Unternehmen sei die Behauptung der Aussage "Alle Rechnungen sind zu hoch" untersagt worden.

Der Verfügung des Landgerichts Frankfurt (Az: 3/11 O 112/02) zufolge sei es dem Gutachter zudem untersagt worden, öffentlich zu behaupten, dass jede Telefonrechnung in Deutschland mit hoher Wahrscheinlichkeit um 20 Prozent zu hoch sei.

Hintergrund der juristischen Auseinandersetzung ist ein seit Monaten zwischen der Telekom und der Einkaufsgemeinschaft Communitel schwelender Streit um die Höhe von Telefonrechnungen. Communitel behauptet, dass die Telekom von den Kunden der Einkaufsgemeinschaft über Jahre hinweg mindestens 33 Millionen Mark zu viel wegen Falschberechnung der Gesprächsgebühren gefordert habe. Die von der Telekom verlangten Forderungen für die von Communitel übernommenen Anschlüsse ihrer rund 14 000 Mitglieder seien im Schnitt um mindestens 23 Prozent überhöht, lautet der Vorwurf. Die Telekom hat wegen der von Communitel verweigerten Rechnungsbegleichung inzwischen Klage eingereicht.

Communitel erstattete ihrerseits inzwischen Strafanzeige gegen den Telekom-Technik-Vorstand Gerd Tenzer. Zuletzt hatte Communitel ihre Telekom-Rechnungen, die kostenpflichtige Null-Sekunden-Gespräche, Falschtarifierungen und kostenpflichtige Anrufe zum eigenen Anschluss enthalten, durch ein Gutachten prüfen lassen. Nach einer ersten Durchsicht der Unterlagen hatte Gutachter Scheffel in einer Presseerklärung am Wochenende mitgeteilt, es könne "mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass etwa 20 Prozent aller Rechnungen der Telekom zunächst nicht ordnungsgemäß sind".

In der eigentlichen "gutachterlichen Stellungnahme" für seinen Auftraggeber taucht diese Behauptung jedoch nicht auf. Die Rechnungen an Communitel werden dort lediglich als repräsentativ für den Durchschnitts-Kunden der Telekom bewertet. "Die Fehlersymptomatik existiert für einen Großteil des Kundenstamms der Telekom", schreibt der Gutachter in seiner Stellungnahme.

Die Telekom begründete ihr juristisches Vorgehen gegen den Gutachter damit, dass Scheffel unverantwortlich mit öffentlichen Behauptungen umgegangen sei. Das Unternehmen wolle Schaden und Verunsicherung von den eigenen Kunden abwenden, hieß es. Früheren Angaben der Telekom zufolge liegt die Fehlerquote bei den rund 41 Millionen Kundenrechnungen bei 0,002 Prozent.

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