Vorwurf der Wettbewerbsbehinderung
E-Plus greift D1 und D2 scharf an

Die dominierenden Mobilfunkanbieter in Deutschland, D1 und D2, behindern nach Darstellung des Branchendritten E-Plus bewusst Partnerschaften in der Branche, um sich Vorteile im künftigen UMTS-Mobilfunkgeschäft zu sichern.

rtr HANNOVER. Der Vorsitzende der Geschäftsführung von E-Plus, Uwe Bergheim, sagte auf der Technologiemesse CeBIT in Hannover, mit den Einwänden der D-Netz-Anbieter gegen weitreichende Kooperationsmodelle zur Kosteneinsparung wollten D1 und D2 den Wettbewerb im UMTS-Markt einschränken. "D1 und D2 haben ein wirtschaftliches Interesse daran, dass die kleinen Anbieter schwerer an den hohen Investitionskosten für UMTS zu tragen haben", sagte Bergheim.

Der E-Plus-Chef plädierte dafür, zur Sicherung des künftigen Wettbewerbs "ein Maximum an gemeinsamer Infrastruktur-Nutzung durch mehrere Netzbetreiber zuzulassen". Derzeit gebe es im Hinblick auf die gewollten Kosteneinsparungen noch "Limitierungen", weil die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post der Auffassung sei, auf Grundlage der Bedingungen für die UMTS-Lizenzen seien nur begrenzte Kooperationsmöglichkeiten zulässig. Um den Spielraum für Kooperationen zu vergrößern, führen E-Plus und andere Branchenunternehmen Gespräche mit der Behörde.

"Vorstellbar und realisierbar sind gemeinschaftlich aufgebaute und betriebene UMTS-Netze, was eine Ersparnis bei den Investitionen um 50 % bringen würde", sagte Bergheim. E-Plus hat für die Entwicklung des UMTS-Geschäfts bis zum Jahr 2005 Investitionen von drei Mrd. ? eingeplant. Analysten rechnen indes damit, dass der Bau neuer Sende- und Empfangsstationen sowie die Entwicklung neuer Mobilfunkdienstleistungen für UMTS die Lizenzinhaber jeweils bis zu acht Mrd. ? kosten könnten.

Auch Viag Interkom befürwortet Kooperationen

Für den Erwerb der UMTS-Lizenzen haben die vier in Deutschland aktiven Mobilfunkfirmen und die beiden Neueinsteiger Group 3G und France Telecom/Mobilcom bereits jeweils rund 8,5 Mrd. ? bezahlt. Die für das UMTS-Geschäft in Deutschland notwendigen Investitionen könnten sich damit auf bis zu 100 Mrd. ? summieren. Diese Kosten- und Zinslast hat bereits zu schlechteren Bewertungen von Unternehmensanleihen in der Telekom-Branche geführt.

Neben E-Plus befürwortet auch der kleinste deutsche Mobilfunkanbieter Viag Interkom weitreichende Kooperationsmodelle bei UMTS, um die Kosten zu drücken. Die im Vergleich zu den D-Netzen geringere Kundenbasis der E-Netz-Betreiber könnte die Refinanzierung der UMTS-Investitionen bei E-Plus und Viag Interkom erschweren, da Experten nur mit einem allmählichen Wechsel der Mobilfunkkunden vom GSM-Mobilfunk zur UMTS-Technik rechnen.

Widerstand der D-Netz-Betreiber

E-Plus-Geschäftsführer Bergheim sieht daher die Gefahr, dass eingeschränkte Kooperationsmöglichkeiten den D-Netzen Vorteile verschaffen könnten. "Nur eine Öffnung des Marktes für Kooperationen bringt Wettbewerb", sagte Bergheim. "Eine Blockade von Kooperationen wird hingegen den von der Regulierungsbehörde gewollten Wettbewerb negativ beeinträchtigen. Dann wird es schwierig, dass auf lange Sicht sechs Anbieter wie gewollt überleben." Derartige Markteintrittsbarrieren müsse die Regulierungsbehörde bedenken, sagte Bergheim.

Genau gegensätzlich argumentieren die D-Netz-Betreiber. D1 und D2 sehen für Kooperationen über die gemeinsame Nutzung von Antennenstandorten, Gebäuden oder der Stromversorgung hinaus nur wenig Chancen. Sie verweisen darauf, dass beispielsweise der gemeinsame Netzbetrieb oder regionale Absprachen zwischen den Anbietern von den Lizenzbedingungen nicht gedeckt seien. Der Chef von D2 Vodafone, Jürgen von Kuczkowski, kündigte an, dass man sich gegen zu weitgehende Kooperationen wehren werde.

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