Vorwurf: Sicherheiten für Kirch-Kredite überhöht eingestuft
Bankenaufsicht kritisiert BayernLB

Die Bankenaufsicht wirft der Bayerischen Landesbank im Zusammenhang mit der Vergabe von Krediten an die inzwischen zum großen Teil insolvente Kirch-Gruppe offenbar gravierende Versäumnisse vor. Die BayernLB habe nach der Ansicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) die für ihre Kirch-Kredite erhaltenen Sicherheiten überhöht eingestuft, berichtete der "Münchner Merkur" am Mittwoch vorab unter Berufung auf einen Prüfbericht der Bankenaufsicht in Bonn.

Reuters MÜNCHEN. Außerdem hätten die Prüfer die mangelnde Trennung zwischen Kundenbetreuung und Kreditbearbeitung bei dem halbstaatlichen Institut kritisiert. "Eine unabhängige laufende Kontrolle findet damit nur eingeschränkt statt", zitiert die Zeitung aus dem vertraulichen Bericht. Die BayernLB bestätigte die Existenz des Berichts. Teile der Feststellungen werte der Vorstand aber anders, hieß es in einer Mitteilung.

Die BayernLB ist mit rund zwei Milliarden Euro der größte Kreditgeber des früheren Medienimperiums von Unternehmer Leo Kirch, für dessen Einzelteile nun nach Investoren gesucht wird. Am Dienstag hatte die Bank mitgeteilt, die Risikovorsorge für die Kirch-Kredite auf Geheiß des Bundesamtes auf 884 Millionen Euro von 300 Millionen Euro erhöht zu haben. "Für wichtige Teile der Kirch-Gruppe gibt es zahlreiche Interessenten. Deshalb ist aus heutiger Sicht davon auszugehen, dass ein erheblicher Teil des Kredit-Engagements durch Sicherheiten gedeckt ist", hatte es in der Pressemitteilung geheißen. Der bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU), Mitglied im Verwaltungsrat der BayernLB, hatte in der Vergangenheit ebenfalls betont, dass die Kredite der BayernLB an Kirch ausreichend besichert seien.

Schon lange hält sich der Verdacht, dass die BayernLB vor allem auf den Druck der bayerischen Staatsregierung riskante Kreditengagements mit dem Unternehmer Leo Kirch vereinbarte, als andere Banken bereits abgewunken hatten. Franz Maget, Chef der SPD-Landtagsfraktion, forderte den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) zur schnellen Lösung der Probleme bei der BayernLB auf.

Wie der "Münchner Merkur" weiter berichtete, setzte das Bundesamt die Werte der Sicherheiten für die Kirch-Kredite deutlich geringer an als die BayernLB selbst. So sei das Filmlizenzvermögen nach Ansicht der Behörden nur 243 Millionen Euro statt der von der Landesbank angesetzten 405 Millionen Euro wert. Den Wert der Formel korrigierten die Prüfer demnach auf 650 Millionen Euro von 1,079 Milliarden Euro herunter.

Die BayernLB stehe mit dem BAFin im Dialog über die Bewertung der Ergebnisse des Prüfberichts, teilte die Bank am Abend mit. Details wollte ein Sprecher nicht nennen. BayernLB-Chef Werner Schmidt werde aber auf der für Montag geplanten Halbjahrespressekonferenz zu den Vorwürfen Stellung nehmen, kündigte er an.

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