Vorzugstitel verloren über zehn Prozent
MLP stürzen nach verpasstem Dax-Aufstieg ab

MLP-Aktien wurden am Frankfurter Aktienmarkt verstärkt geordert.

Reuters FRANKFURT Der Finanzdienstleister MLP hat den erhofften Sprung in den Deutschen Aktienindex (Dax) entgegen der Erwartung von Aktienanalysten doch nicht geschafft. Die Deutsche Börse teilte am Dienstagabend nach einer turnusgemäßen Überprüfung ihrer Indizes mit, dass im Deutschen Aktienindex (Dax) keine Änderungen vorgenommen würden. Der Frankfurter Aktienmarkt quittierte dies am Mittwoch mit einer Verkaufswelle für MLP-die Aktie. Bis zum Mittag verloren die Vorzugstitel über zehn Prozent auf 150,20 Euro. Vereitelt wurden die Dax-Ambitionen von MLP offenbar vom bevorstehenden Börsengang der Post. Die Deutsche Börse erklärte am Dienstag weiter, sie wolle ab 2002 ihre Berechnungsmethode für die Gewichtung von Aktien in ihren Indizes ändern.

MLP wurde bereits seit längerem als potenzieller Aufsteiger in die höchste deutsche Börseliga gehandelt. Daher hatte das Papier in den vergangenen Tagen auch kräftig zugelegt. Einmal im Jahr überprüft die Deutsche Börse die Zusammensetzung ihres wichtigsten Kursbarometers Dax, und MLP erfüllte die wichtigsten Kriterien für eine Aufnahme. Die beiden Dax-Werte Adidas Salomon und KarstadtQuelle galten dagegen als mögliche Absteiger. Umgekehrt zur Kursentwicklung von MLP honorierte die Börse den "Klassenerhalt" der beiden Konzerne. Adidas gewannen bis zum Mittag knapp 0,3 Prozent auf 54,85 Euro, KarstadtQuelle legten um fast sechs Prozent auf 32,60 Euro zu.

Die Börse gab keine Begründung für die "Nichtaufnahme" der MLP AG in den Dax. Bei Beobachtern galt es allerdings als sehr wahrscheinlich, dass der für Herbst geplante Börsengang der Deutsche Post die Aufstiegswünsche der Heidelberger Firma zu Nichte machte. Die Emission des Bonner Konzerns wird aller Voraussicht nach so umfangreich, das die Post-Aktie wohl direkt Einzug in den Dax halten wird. In diesem Falle würde der schwächste Dax-Titel herausgenommen. Da könnte es MLP treffen, sagte ein Analyst. Ähnliches geschah bereits 1996, als die Deutsche Telekom die Metallgesellschaft aus dem Dax verdrängte. "Es macht keinen Sinn, eine Aktie einzuwechseln, wenn sie beim nächsten Mal schon wieder rauskommt", hieß es. Zudem scheine die MLP-Aktie die Dax-Macher mit ihrem Börsenumsatz nicht endgültig überzeugt zu haben.

Beim Nebenwerte-Index MDax kündigte die Deutsche Börse drei Auswechslungen im September an. Demnach werden tecis Holding, Techem und Wedeco Water die Aktien von Gerresheimer Glas, Kiekert und Schmalbach-Lubeca ersetzen. Beim Nemax50-Index des Neuen Marktes sollen sogar fünf Unternehmen ausgetauscht werden. Weil die Aktien von Thiel Logistik, Balda, D.Logistics, IM International Media und Kontron Embedded Computers in den Nemax50 aufsteigen, müssen Cybernet Internet Services, FortuneCity.com, Infor Business Solutions, Nemetschek und Utimaco Safeware das Barometer verlassen. Auch im Kleinwerte-Index SDax werden fünf Aktien ausgewechselt.

Später als von Börsenkennern vermutet, will die Deutsche Börse ab Juni 2002 alle ihre Indizes nach dem Streubesitz gewichten. Analysten hatten damit gerechnet, dass dieser Schritt noch in diesem Jahr vollzogen wird. Als Streubesitz oder "Freefloat" wird der Aktienanteil an einem Unternehmen bezeichnet, der nicht fest bei einem Großaktionär liegt, sondern frei handelbar ist. Die Börse begründete die Wahl des Zeitpunkts für die Einführung der Streubesitz-Gewichtung damit, dass sie erst die Auswirkungen der Steuerreform abwarten wolle. Dies zielt den Angaben zufolge insbesondere auf die vom Bund geplante Steuerbefreiung der Einnahmen aus dem Verkauf von Kapitalbeteiligungen. Es werde abgewartet, ob und wie es zu einer Bereinigung der Beteiligungsverhältnisse im Unternehmenssektor komme, hieß es.

Der europäische Indexanbieter Stoxx Ltd. hatte erst vor kurzem angekündigt, seine Kursbarometer Euro Stoxx 50 und Stoxx 50 ab September auf Streubesitz-Gewichtung umstellen zuwollen. Daraufhin waren unter anderem die deutschen Konzerne mit einem hohen Festbesitzanteil wie Deutsche Telekom, Allianz oder Infineon an der Börse unter Druck geraten. Am Mittwoch legte die T-Aktie mehr als fünf Prozent auf 47,10 Euro zu, während Infineon um gut sieben Prozent auf 72,02 Euro und Allianz um 1,3 Prozent auf 389,10 Euro stiegen.

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