Votum
Anwalt werden und verarmen

Acht Jahre ist es her, dass die Anwaltsgebühren das letzte Mal angepasst wurden. Seither hat sich die Einkommenssituation vor allem der Einzelanwälte dramatisch verschlechtert.

Von den derzeit 121 000 zugelassenen Anwälten sind über die Hälfte als Einzelkämpfer tätig. Ganze 1 500 Euro bleiben ihnen im Durchschnitt nach Abzug von Steuern zum Leben und für die Altersversorgung übrig, wie das Institut der freien Berufe in Nürnberg jüngst errechnete.

Natürlich muss man bei diesem auf den ersten Blick niederschmetternden Ergebnis die 20 Prozent Berufseinsteiger herausrechnen, die nach zwei Jahren erfolgloser Anwaltstätigkeit wieder aussteigen. Sie haben bis dahin so gut wie gar nichts verdient. Seit 1995 sind aber dennoch über 40 000 Anwälte neu hinzu gekommen, die ihren Anteil am stagnierenden Gebührenaufkommen beanspruchen. Diese Zahlen verdeutlichen, dass mit einer Anhebung der Anwaltsgebühren allein, so dringlich deren baldige Umsetzung auch ist, die Konsolidierung im Anwaltsmarkt noch lange nicht abgeschlossen sein wird.

Während die Ärzte schon wegen einer Nullrunde auf die Barrikaden gehen, bleiben die Anwälte erstaunlich ruhig. Erschwerend kommt für die Anwaltschaft hinzu, dass sie die Verarmungs-Karte in den ausstehenden Verhandlungen mit dem Bundesjustizministerium nicht offen ausspielen darf. Denn die Banken, die wegen der neuen Eigenkapitalrichtlinien (Basel II) bei der Kreditvergabe ohnehin zurückhaltend geworden sind, könnten danach die Karten neu mischen. Und dann den Beruf Anwalt mit dem Hinweis "erhöhtes Risiko" versehen. Das würde die Baisse im Anwaltsmarkt weiter schüren.

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