Votum
Nur kein Neid auf Akademiker!

In der Rentenreformdiskussion heißt es: Die Anrechnung von beitragslosen Ausbildungszeiten in der Rentenversicherung sei bei den doch üppig verdienenden Akademikern eine nicht gerechtfertigte Vergünstigung, die abzuschaffen sei. Werden Akademiker im deutschen Steuer- und Sozialsystem wirklich begünstigt?

Das Gegenteil ist richtig. In die Ausbildung des jungen Arztes, Juristen, Architekten investieren diese selbst und ihre Eltern mindestens eine Million Euro, entweder als direkten Aufwand oder als entgangenes Einkommen. Wenn sie Glück haben, verdienen sie erst im Alter von um die dreißig so viel wie ein Facharbeiter, der dann schon bei Fleiß und Sparsamkeit Hausbesitzer sein kann. Die Investitionen in die für die Gesellschaft existenzwichtige Bildung und Ausbildung werden jedoch steuerlich nicht anerkannt, sie führen eben nicht zu einem "Verlustvortrag", der mit späteren Einkommen verrechnet werden könnte.

Und vielleicht erst im Alter von vierzig Jahren wird der Akademiker bei einer unvergleichlich längeren Arbeitszeit ein Einkommen haben, das den Neid des Facharbeiters erregen könnte. Der Akademiker hat dann nur noch etwa 25 Jahre, in der er die saftigeren Früchte seiner langen und kostspieligen Ausbildung ernten kann, der Facharbeiter, um an ihm das Beispiel zu bilden, erntet dagegen in der Regel vierzig Jahre lang. Bei beiden Vergleichspersonen ist das Lebenseinkommen nach Abzug des Aufwandes vermutlich ähnlich.

Nur: Die Kompression des Lebenseinkommens auf wenige Jahrzehnte führt durch die Progression der Einkommensteuer, die sich nach der Höhe des Jahres- und nicht des Lebenseinkommens richtet, zu einer weit höheren Steuerlast der Akademiker. Also kein Grund zum Neid!

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