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VW droht harte Tarifrunde - IG Metall setzt auf Lösung ohne Streik

Bei Europas größtem Autokonzern Volkswagen droht eine eine harte Tarifauseinandersetzung. VW-Personalvorstand Peter Hartz strebt nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" bei den in gut drei Wochen beginnenden Verhandlungen über einen neuen Haustarifvertrag eine Nullrunde an. Löhne und Gehälter sollen demnach mindestens ein Jahr lang nicht steigen.

dpa-afx WOLFSBURG. Bei Europas größtem Autokonzern Volkswagen droht eine eine harte Tarifauseinandersetzung. VW-Personalvorstand Peter Hartz strebt nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" bei den in gut drei Wochen beginnenden Verhandlungen über einen neuen Haustarifvertrag eine Nullrunde an. Löhne und Gehälter sollen demnach mindestens ein Jahr lang nicht steigen.

Die Arbeitnehmerseite verlangt eine Einkommenserhöhung von vier Prozent und eine zehnjährige Jobgarantie für die 103 000 Arbeitsplätze in den sechs westdeutschen Werken. Trotz der unterschiedlichen Positionen setzt die IG Metall nach den Worten ihres Vorsitzenden Jürgen Peters auf eine Einigung ohne Arbeitskampf.

Forderungen Vorstellen

Wenn man die Lohnkosten bis 2011 um 30 % senken wolle, mache es wenig Sinn, sie zunächst in die Höhe zu treiben, zitierte der "Spiegel" Hartz, der an diesem Montag die Forderungen vorstellen will, mit denen das Unternehmen in die Verhandlungen mit der IG Metall geht. Die Tarifverträge bei Volkswagen laufen am 30. September aus. Die erste Verhandlungsrunde ist für den 15. September angesetzt.

Der Sprecher des IG-Metall-Bezirks Hannover, Jörg Köther, sagte der dpa, es sei ungewöhnlich und konfliktbeladen, wenn das Management jetzt schon mit Gegenforderungen komme. "Das Unternehmen wäre gut beraten, nicht schon in einer so frühen Phase die ohnehin schwierigen Tarifverhandlungen zu belasten."

IG Metall AUF Härtere Gangart Vorbereitet

Der niedersächsische IG Metall-Chef Hartmut Meine warnte den Konzernvorstand vor Maximalforderungen. "Ich rate dem Vorstand, nicht Öl ins Feuer dieser Tarifauseinandersetzung zu gießen", sagte der Verhandlungsführer der Arbeitnehmer der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Sollte VW eine härtere Gangart einschlagen, seien IG Metall und Gesamtbetriebsrat darauf vorbereitet, für ihre Forderungen zu kämpfen. "Wir haben bei VW einen fantastischen Organisationsgrad von 97 %. Wenn das Unternehmen eine konfliktreiche Verhandlungsführung will, kann ich nur sagen: wir können das auch", betonte Meine.

IG Metall-Chef Peters äußerte dennoch die Hoffnung auf eine Lösung ohne Streiks. "Ich hoffe, dass wir zu einer friedlichen Lösung kommen." sagte er dem "Handelsblatt" (Montag). "Dass ein Vorstand unsere Forderungen nicht auf Anhieb erfüllt, ist für uns keine neue Erfahrung." Die Frage eines Arbeitskampfes sei daher zum jetzigen Zeitpunkt hypothetisch. Zugleich signalisierte Peters die Bereitschaft, mit dem VW-Vorstand im Gegenzug für eine Beschäftigungszusage über andere Zugeständnisse zu verhandeln. "Wenn sich eine Chance in diesem Sinne ergibt, werden wir darüber reden, welche Gegenleistungen aus unserer Sicht angemessen sein könnten."

Vorbild Daimlerchrysler

Das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet in seiner neuesten Ausgabe, die IG Metall wolle vom VW-Management konkrete Aussagen darüber, welche Autos, Motoren und Getriebe künftig in den sechs westdeutschen Werken gebaut werden sollen. Das solle nach dem Vorbild des Daimlerchrysler-Abschlusses eine mehrjährige Arbeitsplatzgarantie für die 103 000 Beschäftigten untermauern. VW will laut "Focus" jährlich mehr als 500 Mill. ? Personalkosten einsparen. Dafür sollen die Beschäftigten ihre Arbeitszeiten stärker an der Marktlage ausrichten und auf "Lebensarbeitszeitkonten" verbuchen.

In der Frage einer demographischen Arbeitszeit zeigt sich die Gewerkschaft kompromissbereit. "Da könnten wir zusammenfinden. Wir wollen den Vorschlag aber erweitern und erreichen, dass die Arbeitnehmer durch Ansparen von Arbeitszeit eher ausscheiden können", erklärte Meine. Die Forderung nach flexibler Vergütung, die sich aus 70 % Festgehalt und 30 % Bonuszahlungen zusammensetzen sollen, lehnte der Gewerkschafter aber kategorisch ab.

Der durch die gleichnamigen Arbeitsmarktreformen bekannt gewordene VW-Manager Hartz hatte im Mai ein milliardenschweres Maßnahmenpaket vorgelegt, mit dem er die Arbeitskosten bis 2011 um 30 % senken will. Im Gegenzug sollen die Arbeitsplätze in Deutschland erhalten werden.

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