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VW hebt mittelfristige Investitionsplanung an

Der Volkswagen-Konzern hat seine mittelfristige Investitionsplanung angehoben. Der Aufsichtsrat beschloss am Freitag in Wolfsburg, bis 2005 insgesamt 63,5 Mrd. DM mit Schwerpunkt in Deutschland vor allem in den Ausbau und die Modernisierung der Modellpalette zu investieren. Gegenüber dem bis 2004 geltenden bisherigen Fünfjahreszeitraum steigt die Summe um über 5 %.

rtr HAMBURG. Der niedersächsische Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) bekräftigte in einem Reuters-Interview, sein Bundesland wolle seinen Einfluss als größter Aktionär bei VW behalten. Bei Analysten stießen der neue Investitionsplan und Gabriels Aussagen überwiegend auf Kritik.

VW teilte mit, die Investitionen sollten vornehmlich der Erweiterung und Modernisierung der Produktpalette dienen. 60 % der geplanten Ausgaben des Automobilbereichs seien für die deutschen VW-Werke vorgesehen. Allein 41 Mrd. DM oder 65 % der Investitionen in den Autobereich seien für Produktinvestitionen geplant.

VW will in den kommenden fünf Jahren 67 neue Automodelle auf den Markt bringen. Dazu dürfte auch das Ein-Liter-Auto zählen, das Konzernchef Ferdinand Piech noch während seiner Amtszeit bis 2003 realisieren will.

Gabriel machte in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters klar, dass Niedersachsen seinen Einfluss als größter VW-Aktionär halten und auch gegen mögliche Wettbewerbsbedenken der Europäischen Kommission (EU) verteidigen wolle. Der Landesanteil von gut 18 % werde in keinem Fall verringert. Zudem dürfe das "VW-Gesetz", das dem Großaktionär auf Hauptversammlungen besondere Rechte einräumt, von der EU nicht angetastet werden. "Das wäre ein Kriegserklärung. Wir werden um den Erhalt des VW-Gesetzes kämpfen", sagte Gabriel, der als Regierungschef auch dem Aufsichtsratspräsidium von VW angehört. Es gehe darum, VW als wichtigsten Arbeitgeber des Bundeslandes vor einer feindlichen Übernahme zu schützen.

Das VW-Gesetz legt unter anderem fest, dass kein Aktionär mehr als 20 % der Stimmrechte auf VW-Hauptversammlungen ausüben darf, auch wenn er über mehr als 20 % der Anteile verfügt. Zudem gilt bei VW das so genannte Depotstimmrecht nicht, demzufolge Banken üblicherweise Stimmrechte von Kleinaktionären gebündelt vertreten dürfen. Somit kann auf Aktionärsversammlungen gegen das Land als dem mit Abstand größten Einzelaktionär auf Hauptversammlungen bisher nichts durchgesetzt werden.

Analysten äußerten sich am Freitag in der Mehrzahl negativ. Albrecht Denninghoff von der HypoVereinsbank kritisierte die Erhöhung der Investitionssumme bis 2005 scharf. Arnd Ellinghorst von der WestLB Panmure sagte, VW setze sich durch das hohe Investitionsniveau bei der Kapitalrendite unter Druck. Sebastian Stein von der Berliner Bankgesellschaft verwies indes auf den langen Investitionszeitraum, in dem der Anstieg nicht so sehr ins Gewicht falle.

Zu Gabriels Aussagen sagte Denninghoff: "Erst wenn das VW-Gesetz weg ist, wird Volkswagen eine normale Aktie." Ohne den staatlichen Einfluss hätte die Aktie auch höheres Potenzial für einen Kuranstieg, sagte er. Stein von der Bankgesellschaft Berlin sagte, durch den staatlichen Einfluss würden Strukturen bei VW eingefroren. Ein besserer Schutz gegen feindliche Übernahmeversuche wären eine gute Unternehmenspolitik sowie gute Geschäftszahlen. Dagegen vertrat WestLB-Analyst Ellinghorst die Einschätzung, dass sich die meisten Marktteilnehmer mit dem seit 1961 bestehenden Sonderrecht "VW-Gesetz" abgefunden hätten und es damit kein Nachteil am Aktienmarkt mehr darstelle.

Der Kurs der VW-Aktie fiel bis zum späten Freitagnachmittag um 1,95 Euro auf 55,30 Euro.

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