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VW kämpft mit schweren Marktbedingungen - Kostensenkungen in China

Der VW-Konzern sieht sich nach Einschätzung von Vorstandschef Bernd Pischetsrieder auch künftig schweren Marktbedingungen ausgesetzt. "Der harte Wettbewerb wird auch in den kommenden Quartalen und Jahren weiter andauern", sagte der Manager am Mittwoch auf einer Analystenkonferenz in London. "Daher müssen die Unternehmen Kosten sparen und daher haben wir unser Formotion-Programm aufgelegt."

dpa-afx LONDON. Der VW-Konzern sieht sich nach Einschätzung von Vorstandschef Bernd Pischetsrieder auch künftig schweren Marktbedingungen ausgesetzt. "Der harte Wettbewerb wird auch in den kommenden Quartalen und Jahren weiter andauern", sagte der Manager am Mittwoch auf einer Analystenkonferenz in London. "Daher müssen die Unternehmen Kosten sparen und daher haben wir unser Formotion-Programm aufgelegt."

Volkswagen hatte unlängst zur Halbjahresbilanz seine Prognose für das Gesamtjahr heruntergeschraubt und will nun im Konzern ein operatives Ergebnis vor Sonderposten von 1,9 Mrd. ? erreichen anstatt der vorher anvisierten 2,5 Mrd. ?. Mit seinem Einsparprogramm "Formotion" sieht sich der Konzern unterdessen gut unterwegs. "Wir sind auf einem guten Weg, über eine Milliarde Euro in diesem Jahr einzusparen", sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. Im kommenden Jahr sollen dann noch einmal mindestens drei Mrd. ? eingespart werden. Der größte Teil entfalle dabei auf Kosten bei der Produktion. Hier sei bereits ein Einsparziel von einer Milliarde Euro identifiziert.

Tarifgespräche

Vor dem Hintergrund der geplanten Kostensenkungen dürften die im Herbst beginnenden Tarifgespräche für die VW-Beschäftigten nach Einschätzung von Beobachtern kein leichtes Spiel werden. Pischetsrieder sagte, er hoffe, dass beide Seiten recht bald eine gütliche Einigung erzielen werden. Nicht wegwischen dürfe man jedoch, dass Personalvorstand Peter Hartz die Beschäftigten bereits auf harte Einschnitte eingeschworen hat. Hartz will bis 2011 die Personalkosten in Deutschland mit Hilfe längerer Arbeitszeiten, Lohnsenkungen und einer stärker leistungsorientierten Bezahlung um 30 % reduzieren. VW-Betriebsratschef Klaus Volkert hatte jüngst angekündigt, den Schwerpunkt auf die Beschäftigungssicherung legen zu wollen.

Unterdessen wird auch das Chinageschäft Ziel der Sparvorhaben von Volkswagen. Während der Konzern einerseits Investitionen von etwa 5,3 Mrd. ? und die Errichtung von zwei neuen Joint Ventures angekündigt hat, macht der zunehmende Preisdruck laut Management weitere Kostensenkungen nötig. So sollen in den beiden Joint Ventures FAW VW und Shanghai Volkswagen bis Ende kommenden Jahres 410 Mill. ? eingespart werden. Mit der neu eröffneten Koordinationsstelle in Peking will VW zudem nicht näher bezifferte Synergien zwischen beiden Herstellern erreichen.

Dies gestalte sich allerdings schwierig, sagte der VW-Chef. Die höchste Hürde sei die Zusammenlegung der beiden separaten Vertriebsnetze. "Wenn wir 2006 die gesamte Range von Fahrzeugen zur Verfügung haben, werden wir 50 % der Synergien erreichen", sagte Pischetsrieder. Als nächste Modelle wird VW in China unter anderem den Touran, den Caddy, den neuen Golf und eine facegeliftete Passat-Variante einführen.

Weitere Preissenkungen

Auch weitere Preissenkungen schloss Pischetsrieder nicht aus. "Wir werden aber nie eine führende Rolle dabei spielen", ergänzte Pötsch. Der Konzern werde seinen Marktanteil nicht "um jeden Preis verteidigen". Die internationalen Autobauer liefern sich in China derzeit eine harte Preisschlacht. Im ersten Halbjahr 2004 hatte der sonst erfolgsverwöhnte Wolfsburger Konzern dadurch erstmals einen Absatzeinbruch in China erlebt. So hatte auch Volkswagen seine Preise zuletzt kräftig gesenkt. Vor allem der US-Autobauer General Motors hat zum Angriff geblasen, um Volkswagen, die bisherige Nummer eins in China, vom Spitzenplatz zu verdrängen. Tatsächlich hatte Volkswagen im Juni diesen Rang kurzfristig an GM abgeben müssen, sich dank seiner Preisoffensive diesen im Juli aber wieder zurück erobert.

Für das Gesamtjahr rechnet Pischetsrieder mit einer Absatzsteigerung auf 700 000 bis 800 000 Fahrzeuge in China. Im vergangenen Jahr hatten beide Auto-Joint-Ventures plus Importe einen Absatz von 697 000 Fahrzeugen ausgemacht. Der Umsatz im Chinageschäft war vor allem belastet durch Wechselkurseffekte im ersten Halbjahr von 5,463 auf 5,103 Mrd. ? gefallen. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern mit einem Ergebnis unter Vorjahresniveau (operatives Ergebnis 2003: 561 Mio Euro). "Wir werden aber auch in 2004 und in 2005 in China ein beeindruckendes Ergebnis einfahren", sagte Pötsch.

Wachstumstempo Schwächt Sich AB

Unterdessen sieht Konzern Pischetsrieder die Luft aus dem Wachstumsmarkt China etwas weichen. "Wir werden wegen der dämpfenden Politik der chinesischen Regierung in den kommenden Monaten nicht mehr so ein Wachstumstempo haben wie bisher." Bereits in den ersten Augustwochen habe der Gesamtmarkt wieder unter der entsprechenden Periode des Vormonats gelegen.

Neben der Baustelle China bereitet derzeit auch das US-Geschäft kräftig Probleme. Hier blieb der Absatz in den ersten sieben Monaten um 11,5 % unter dem Vorjahr. Allein im ersten Halbjahr fuhr der Konzern hier ein operatives Minus von gut einer Milliarde Euro ein. "Dieser Verlust war nicht unerwartet, weil wir die Preisanreize weiter anheben mussten", sagte Pischetsrieder.

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