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VW legt IG Metall Kompromissangebot vor

Mit neuen Kompromissvorschlägen von Volkswagen sind am Montag in Hannover die Verhandlungen über das VW-Tarifprojekt "5000 mal 5000" nach zweimonatiger Unterbrechung wieder aufgenommen worden.

Reuters HANNOVER. VW-Chefunterhändler Josef Senn sagte unmittelbar vor Beginn der Sitzung: "Wir werden in den Verhandlungen der IG Metall in den kritischen Punkten neue Vorschläge machen. Und wir glauben, dass diese Vorschläge geeignet sind, das Thema '5000 mal 5000' zur allseitigen Zufriedenheit zu beenden." Die IG Metall fordert eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 35 Stunden und eine Bezahlung nicht unter dem Niveau des Flächentarifvertrags der Metallindustrie. Details nannte Senn zunächst nicht.

Eine Einigung noch am Montag wollte Senn nicht ausschließen. IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine ging dagegen nicht von einem schnellem Abschluss aus und erwartete schwierige Gespräche. Einzelheiten über das VW-Angebot wurden bis zum Nachmittag nicht bekannt. Die Tarifkommission der IG Metall beriet am Mittag die Vorschläge zunächst intern in ihrer Tarifkommission. Für den IG-Bundesvorstand nahm der stellvertretende Vorsitzende und Tarifexperte Jürgen Peters an den gewerkschaftsinternen Beratungen teil. Betriebsräte anderer Automobilkonzerne hatten am Wochenende erneut gewarnt, eine Bezahlung unterhalb der Flächentarifverträge zu akzeptieren.

Der Autokonzern will mit dem Tarifprojekt zur Produktion von zwei neuen Modellen in den Werken Wolfsburg und Hannover vorwiegend für Arbeitslose bis zu 5000 neue Stellen für einen Einheitsbruttolohn von 5000 DM schaffen. Nach dem ersten Scheitern am 25. Juni stand der zweite Anlauf am Montag auch unter erheblichem politischen Druck. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte sich vor wenigen Wochen eingeschaltet und sich von beiden Seiten eine Einigung zusagen lassen. Die mit dem Tarifprojekt verbundene Produktion eines neuen Minivan in Wolfsburg mit 3500 Beschäftigten soll im Oktober 2002 beginnen. Der Start der Vorarbeiten ist bereits für diesen Oktober geplant.

Das VW-Angebot war bereits vorige Woche in einem Zeitungsinterview von VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz skizziert worden. Danach geht VW bei den bislang strittigen Punkten Arbeitszeit, Bezahlung und Erfüllung von Produktionszielen auf die Gewerkschaft zu. Sowohl eine durchschnittliche 35 Stundenwoche und eine Bezahlung auf dem Niveau des Flächentarifvertrags der Metallindustrie hatte Hartz in Aussicht gestellt. Außerdem wollte VW auch zusätzliche Bonuszahlungen anbieten, die sich am Erfolg der Produktion und an persönlichen Leistungen orientieren sollten. Qualifizierungsmaßnahmen sollen nach dem Willen von VW nicht auf die Wochenarbeitszeit angerechnet werden.

Die von VW geforderte Umstellung der Bezahlung auf ein sogenanntes Programmentgelt wird von der IG Metall ebenfalls abgelehnt. Der Grundgedanke des Modells sieht vor, dass die Beschäftigten für ihren Lohn so lange arbeiten, bis eine bestimmte Produktionsmenge erfüllt ist. VW will nun mit dem Kompromissangebot sicherstellen, dass Verzögerungen durch Maschinenausfälle oder Materialfehler, die das Unternehmen zu verantworten habe, nicht zu Lasten der Beschäftigten gehen sollen.

IG Metall-Bezirkschef Meine dämpfte vor Verhandlungsbeginn zu hohe Erwartungen an eine schnelle Einigung. "Ich glaube nicht, dass es heute nur noch um Details geht. Wir erwarten in der Tat schwierige Verhandlungen. Wir sind uns einig, dass wir uns einigen werden, aber sicherlich nicht noch heute", sagte Meine. "Die IG Metall will dieses Modell gängig machen. Wir wollen, dass 5000 arbeitslose Menschen eingestellt werden, aber zu akzeptablen Bedingungen."

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