VW setzt Modelloffensive im Reich der Mitte fort
Audi A4 soll BMW in China klein halten

Der VW-Konzern will seine führende Stellung in China mit einem Marktanteil von 50 Prozent gegen wachsende Konkurrenz verteidigen. In absehbarer Zeit soll nun auch der Audi A4 vor Ort produziert werden.

HB FRANKFURT/PEKING. Der Wolfsburger Volkswagen-Konzern beschleunigt seine Modelloffensive in China: Neben der Polo-Stufenheck-Variante und einem Billigauto - beide Produktionen sollen bereits 2003 anlaufen - ist nun auch eine Fertigung des A4 der Tochter Audi geplant. Die Entscheidung darüber soll noch in diesem Monat verkündet werden, wurde von informierten Kreisen bei Audi in Asien bestätigt. Die Audi-Zentrale in Ingolstadt kündigte eine Stellungnahme für die nächsten Tage an, wollte sich aber noch nicht konkret äußern.

Pekinger Zeitungen hatten gestern berichtet, VW reagiere mit dem Schritt auf drohende Konkurrenz durch BMW. Die Bayern hatten kürzlich die Genehmigung der Regierung in Peking für ein Joint-Venture mit dem chinesischen Marktführer bei Minibussen, Brilliance, erhalten. Ziel ist es, Ende 2003 mit der Produktion der 3er-Baureihen, dem direkten Konkurrenten des A4, zu starten. Die Produktionskapazität von anfangs 20 000 Fahrzeugen jährlich soll in der zweiten Stufe verdoppelt werden.

Bislang produziert Audi im nordostchinesischen Changchun nur den A6 in einer speziellen Version mit verlängertem Radstand und verändertem Fahrwerk und ist damit im Premiumsegment Marktführer. Diese Position will BMW mit einer geplanten Vorort-Produktion der 5er-Baureihe als Teil des neuen Joint Ventures ebenfalls angreifen. Doch Audi hat klare Startvorteile: Für 2002 hat Kevin McCann, der das China-Geschäft für Audi leitet, im Sommer die Prognose für den A6 auf mindestens 31 000 Exemplare angehoben. Zusätzlich wolle Audi in diesem Jahr bis zu 2000 Autos nach China importieren, sagte er.

Damit würden die Ingolstädter 12 Prozent mehr Autos verkaufen als 2001. Ein Teil der Importe entfällt auf den A4, der auf Grund der Importkosten in China für umgerechnet mehr als 50 000 Euro verkauft werden muss und damit teurer ist als der größere A6. Zum Vergleich: In Deutschland ist das Basismodell des A4 mit 27 100 Euro etwa 10 Prozent billiger als das des großen Bruders. Im Wettbewerb mit einem in China produzierten BMW 3er hätte der Import-A4 schlechte Karten.

Im Zuge des Beitritts zur Welthandelsorganisation (WTO) wird die Konkurrenz auf dem chinesischen Automarkt zunehmend größer. Neben VW und BMW verstärken Daimler Chrysler - und die Daimler-Beteiligung Mitsubishi ihr Engagement in China ebenso wie der amerikanische General-Motors-Konzern, der in Schanghai zuletzt 1,5 Mrd. $ investiert hat. Vor zwei Monaten hat zudem der größte japanische Autokonzern, Toyota eine Kooperation mit Chinas größtem Hersteller FAW geschlossen. Bis zum Jahr 2010 wollen beide zusammen eine Jahreskapazität von 400 000 Autos erreichen. Die japanischen Wettbewerber Nissan und Honda sind ebenfalls längst vor Ort.

Angelockt werden die Autobauer von einer hervorragenden Marktentwicklung. In diesem Jahr werden in China erstmals rund 1 Millionen Fahrzeuge abgesetzt. Bis zum Ende des Jahrzehnts wird diese Zahl nach Schätzungen von VW-Vertriebsvorstand Robert Büchelhofer auf etwa 1,7 Millionen Autos pro Jahr steigen. Der VW-Konzern will seine führende Stellung mit einer Produktoffensive in China nutzen, für die nach früheren Angaben 2,5 Mrd. Euro ausgegeben werden sollen. "Wir werden alle Auto des Konzerns nach China bringen, die dort am Markt gebraucht werden", sagte Büchelhofer kürzlich. Schließlich seien die "Margen in der Region Asien/Pazifik die höchsten weltweit", so der Vertriebschef.

Büchelhofer bestätigte, dass die Entscheidung über ein preiswertes Auto für China bereits gefallen ist, "das auf jeden Fall den Namen VW tragen wird". Schon im kommenden Jahr soll die Produktion beginnen. VW will jährlich mindestens 50 000 Autos, die nicht mehr als maximal 100 000 Yuan (rund 12 500 Euro) kosten dürfen, in diesem am stärksten wachsenden Marktsegment absetzen. Als einziges Modell in der VW-Palette erfüllt der bislang nur in Brasilien gefertigten Kleinwagen Gol die Preisansprüche. Er wird in Südamerika für umgerechnet gut 6000 Euro angeboten. Bislang produziert die Marke VW in Changchun den Bora und den Jetta, in Schanghai wird der Polo und der immer wieder aufgefrischte Santana gebaut.

Quelle: Handelsblatt

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