VW steigert Absatz in China um 62 Prozent
Pischetsrieder bekräftigt drastischen Sparkurs

Der Volkswagen-Konzern tritt wegen der anhaltenden Konjunkturschwäche auf fast allen wichtigen Märken auf die Kostenbremse. Konzernchef Bernd Pischetsrieder appellierte am Donnerstag auf einer Betriebsversammlung im Stammwerk in Wolfsburg an die Belegschaft, einen Beitrag dafür zu leisten.

Reuters HAMBURG. "Eine Konjunkturbelebung in Westeuropa, den USA und Südamerika ist kurzfristig nicht zu erwarten", sagte Pischetsrieder. Um handlungsfähig zu bleiben, seien erhebliche Kostensenkungen notwendig. Alle Ausgaben müssten auf den Prüfstand. Jeder Mitarbeiter könne und müsse einen Beitrag zur Sicherung der Zukunft leisten, sagte der VW-Chef. Über die Höhe der angestrebten Kosteneinsparungen machte Pischetsrieder keine Angaben. VW senkt seine Kosten seit einiger Zeit jährlich um etwa 1 Mrd. Euro.

Als einziger positiver Markt für Volkswagen ragt derzeit China hervor. Dort hat Volkswagen seinen Absatz in den ersten fünf Monaten um 62 % gesteigert. Volkswagen ist über zwei Gemeinschaftsunternehmen in China mit knapp 40 % Marktführer.

Der Kurs der VW-Aktie gab nach der Nachricht über die anhaltende Nachfrageschwäche in den anderen Regionen mehr als einen Prozentpunkt nach, notierte aber später wieder fast 3 % im Plus bei rund 35 Euro.

Konzernbetriebsratschef Klaus Volkert sagte auf der Betriebsversammlung, nachdem schon der Beginn des Jahres alles andere als positiv verlaufen sei, müsse der Konzern heute davon ausgehen, dass sich die negative Entwicklung der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen sowie der Automobilmärkte zumindest in diesem Jahr fortsetze. Hinzu komme der anhaltend hohe Euro-Wechselkurs, der die Exporte in den Dollar-Raum erschwere.

Pischetsrieder hatte bereits Anfang Juni die Erwartungen an eine Belebung der Automobilnachfrage in der zweiten Jahreshälfte gedämpft und die Bedeutung von Kosteneinsparungen betont. Ein wichtiges Feld dafür sei der Vertrieb. Hier müssten die Kosten deutlich herunter, hatte der VW-Chef gesagt. Mit seinem eindringlichen Appell an die Belegschaft ging Pischetsrieder nach Einschätzung von Beobachtern nun einen Schritt weiter.

Der Gewinn von Volkswagen war in den ersten drei Monaten wegen hoher Kosten für zahlreiche Neuanläufe und negative Wechselkurseffekte stärker als erwartet eingebrochen. Gleichwohl hatte der Konzern wegen erwarteter steigender Absatzzahlen seine Prognose einer Ertragsverbesserung im weiteren Jahresverlauf bekräftigt. Auch ein stärkeres zweites Halbjahr werde aber nicht ausreichen, um den Gewinneinbruch in den ersten drei Monaten wettzumachen, hatte es geheißen.

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