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VW vertraut nicht mehr allein auf Niedersachsen

Volkswagen will sich eigenen Angaben zu Folge künftig verstärkt aus eigener Kraft gegen eine feindliche Übernahme rüsten und vertraut nicht mehr allein auf das umstrittene VW-Gesetz.

rtr WOLFBURG. Allerdings erwartet der Konzern nicht, dass die EU-Kommissien das Gesetz zu Fall bringen wird. "Wir gehen davon aus, dass das VW-Gesetz weiter Bestand hat, aber Volkswagen ist nicht darauf angewiesen", sagte VW-Finanzvorstand Bruno Adelt am Montag nach den Worten von Konzernsprecher Klaus Kocks. "Wir müssen uns aus eigener Kraft gegen eine Übernahme schützen können. Unsere Strategie richtet sich darauf, den Unternehmenswert zu erhöhen."

Die EU-Kommission hatte vorige Woche bestätigt, dass sie das VW-Gesetz prüfe, weil es möglicherweise dem Land Niedersachsen zu starken Einfluss einräume und VW in unzulässiger Weise vor feindlichen Übernahmen schütze. Die "Financial Times Deutschland" hatte aus einem Gespräch mit Adelt den Schluss gezogen, Volkswagen bereite sich bereits auf das Ende des gesetzlichen Schutzes vor. Das habe Adelt nicht gesagt, erklärte Kocks. Es gehe dem Finanzvorstand darum, deutlich zu machen, dass VW die Zukunft des Unternehmens nicht vom VW-Gesetz abhängig mache.

Nichts geht ohne Niedersachsen

Das rund 40 Jahre alte so genannte VW-Gesetz besagt, dass ein VW-Anteilseigner auf den Hauptversammlungen auch dann nur bis zu 20 % der Stimmen verfügen kann, wenn er mehr Anteile an dem Unternehmen hält. Derzeit ist das Land Niedersachsen mit knapp 20 % der mit Abstand größte VW-Einzelaktionär. Zusammen mit weiteren Bestimmungen des VW-Gesetzes kann ein Anteilseigner damit bei dem Autokonzern keine Entscheidungen gegen das Land Niedersachsen erreichen.

Die starke Rolle Niedersachsens gilt auf dem Kapitalmarkt als Hindernis für eine bessere Kursentwicklung. Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) hatte sich in der vergangenen Woche erneut für den Erhalt des "VW-Gesetzes" als Schutz vor einer feindlichen Übernahme ausgesprochen. "Wir müssen die Standorte in Niedersachsen und damit Arbeit und Einkommen für die Menschen hier schützen", hatte Gabriel gesagt.

Bei dem derzeitigen Börsenkurs von gut 58 ? hat VW einen Wert von lediglich 18,2 Mrd. DM, ein Drittel des Wertes von Daimler-Chrysler. Das von Adelt in der Vergangenheit wiederholt genannte Kursziel für VW liegt bei 100 ?.

Will Ford VW übernehmen?

Der Schutz gegen eine feindliche Übernahme steht seit vorigem Jahr bei VW offenbar ganz oben auf der Tagesordnung. VW-Aufsichtsratskreise verwiesen am Montag auf die wiederholten Spekulationen, wonach der US-Konkurrent Ford großes Interesse an VW habe. Ford-Präsident Jacques Nasser habe auch bei Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) für seine Pläne zu geworben. Allerdings habe der Kanzler, der als Ministerpräsident von Niedersachsen acht Jahre dem VW-Aufsichtsrat angehörte, keine Unterstützung signalisiert.

Als Mittel zur Sicherung der Unabhängigkeit und einer eigenen Expansionsstrategie sei auch der Rückkauf von fast zehn Prozent eigener Aktien zu sehen, hieß es in den Kreisen. Von der bevorstehenden Hauptversammlung am 7. Juni will sich der VW-Vorstand eine zweite Rückaufoption auf weitere zehn Prozent genehmigen lassen, die aber erst genutzt werden kann, wenn VW sich von den ersten zehn Prozent wieder getrennt hat.

Gleichwohl geht die VW-Führung davon aus, dass der Vorstoß der EU-Kommission am Widerstand nicht nur der Bundesrepublik scheitern dürfte. Da es in Frankreich und Italien ähnliche Regelungen zu Gunsten staatlicher Beteiligungen in der Automobil- oder der Luftfahrtindustrie gebe, müsse sich die Kommission gleich gegen drei starke EU-Länder durchsetzen, hieß es in den Kreisen.

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