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VW will bis zu zehn Prozent ihrer Aktien zurückkaufen

Die Abschusserlaubnis hatte Ferdinand Piech schon seit mehr als einem Jahr. Doch erst am Freitag zündete der VW - Chef nach dem viel beschworenen "Modellfeuerwerk" bei seinen Autos auch eine Kursrakete: Die Volkswagen AG will bis zu zehn Prozent ihrer Stammaktien zurückkaufen.

dpa WOLFSBURG. Damit schlägt die Konzernspitze gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen schieben die Wolfsburger ihren zur feindlichen Übernahme einladenden niedrigen Aktienkurs an. Gleichzeitig gewinnt das Unternehmen Spielraum, die zurückgekauften Aktien bei Bedarf als "Währung" für eigene Übernahme- oder Beteiligungspläne zu nutzen. Schon auf der Hauptversammlung am 23. Mai hatten die Aktionäre die VW-Führung trotz der Erfolge im Automobilgeschäft unter Druck gesetzt.

Der niedrige Aktienkurs trieb anders als in früheren Jahren nicht nur Kleinaktionäre ans Mikrofon, sondern ließ auch Vertreter von Investmentbanken und Aktionärsvereinigungen Klartext reden. Der Vorstand des größten europäischen Automobilkonzerns musste sich sogar vorrechnen lassen, dass VW an der Börse für nur 18 Mrd. Euro (35 Mrd. DM) zu haben wäre. Bester Schutz gegen eine Übernahme sei neben dem Hauptaktionär Land Niedersachsen mit gut 18 % Anteil ein hoher Börsenkurs.

Nachdenken über Übernahmegefahren

Aber von den 100 Euro im Sommer 1998 und dem nach wie vor erklärten Kursziel des VW-Vorstandes war und ist die Aktie weit entfernt. Da haben grundsätzlich auch die Beschwörungen von Piech nichts geholfen, der vor kurzem auf einer Betriebsversammlung im Stammwerk Wolfsburg das Ziel einer Umsatzrendite von 6,5 % wiederholte und in Interviews für dieses Geschäftsjahr ein "tiefschwarzes Ergebnis" ankündigte. Allerdings zog der Aktienkurs vom Tiefststand unter 41 Euro in diesem Juni ab Mitte Juli bemerkenswert auf rund 52 Euro an. Dies ließ in Wolfsburg offenbar über feindliche Börsenaktivitäten nachdenken.

Jetzt nutzte Piech die Rückkaufsoption, die ihm die Hauptversammlung schon im Sommer 1999 im Zuge der Kapitalerhöhung eingeräumt und im Mai verlängert hatte. Prompt zog der Kurs am Freitag von 47 auf zeitweise 49,5 Euro an - bei Xetra-Umsätzen von drei Mill. Aktien.

Kapitalmehrheit bei Scania

Doch nicht zur zur Kurspflege taugt der Rückkauf. Die bis zu zehn Prozent im Wert von mehr als 1,5 Mrd. DM könnten auch in Übernahme- oder Beteiligungsgeschäften eine Rolle spielen. Zwar hat Piech im Mai erklärt, VW habe nach dem Einkauf bei Scania an der Übernahme der Kapitalmehrheit kein Interesse. Doch möglicherweise zwingt der Konkurrent Volvo zum Handeln.

Nach der Übernahme der Renault-Lastwagensparte muss sich Volvo auf EU-Geheiß von seiner Scania-Kapitalbeteiligung von 45,5 % trennen. Dafür haben die Skandinavier drei Jahre Zeit. Der schwedische Autoanalyst Hans Westerberg sagte dem "Handelsblatt": "Volkswagen will die Kontrolle, das ist klar." Wenn VW 300 Kronen pro Scania-Aktie zahle, werde Volvo verkaufen. Westerberg rechnet noch mit einer Entscheidung in diesem Jahr. Bei VW heißt es dazu lapidar: "Kein Kommentar." Nur Scania-Chef Leif Östling wurde im "Handelsblatt" deutlich. Er ziehe die Eigenständigkeit des Lkw- Herstellers einer Einverleibung in den VW-Konzern vor.

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