W3B-Umfrage: Wachstum nur noch bei Kommunikation und Online-Shopping
Quasselstrippen erobern das Internet

Die Bedeutung des Internets steigt kontinuierlich, wie die aktuelle Herbst-Umfrage W3B der Fittkau & Maaß Consulting GmbH zeigt. Dieser Umfrage zu Folge wollen 44,6 % der Nutzer "keinesfalls" wieder auf das Web verzichten, so viele wie nie zuvor. Gleichzeitig wandelt sich die Interessenlage.

DÜSSELDORF. Gaben im Herbst 2001 noch 82,1 % der Befragten an, das Internet zur Informationssuche zu nutzen, ist dieser Wert jetzt auf 75,6 % gesunken. Für 75,3 % der User dient das Netz jetzt auch der Kommunikation. Im vergangenen Herbst lag dieser Wert noch bei 69,7 %. Damit ist Kommunikation neben Online-Shopping (von 56,9 % auf 62,4 %) der einzige erfasste Nutzungszweck mit Wachstumsraten.

Erstmals hat die W3B-Studie - es ist die 15. Staffel - jetzt auch Messaging- Dienste abgefragt. Mit erstaunlichen Resultaten. Bereits 14,7 % der Nutzer sind "häufig" mit diesen in den USA seit Jahren erfolgreichen Programmen aktiv. Begonnen hatte einmal alles mit der AOL-Buddyliste und dem Dienst "ICQ". Messenger dienen überwiegend zum Online-Chat (62,1 %) in Echtzeit und sind dabei so etwas wie eine "permanente SMS-Verbindung" zwischen zwei PC. Gerne genutzt werden sie auch für das Versenden und Empfangen von Texten und Infos (56,0 %). Auf Anhieb wurden Online-Chats, E-Cards und Newsgroups auf die Plätze verwiesen. Ungeschlagener Kommunikationsfavorit ist allerdings immer noch die gute alte E-Mail (84 %)

Die Messenger Dienste sind sich dabei untereinander spinnefeind: So können Nutzer des AOL-Services AIM nicht mit MSN-Nutzern kommunizieren. Die Unternehmen blocken ihre Server gegen "Eindringlinge" konsequent ab. Dabei geht es um die Sicherung künftiger Einnahmequellen. Nach Angaben von AOL versenden weltweit täglich im Schnitt 110 Mill. AIM-Nutzer mehr als eine Milliarde Telegramme. Die großen Spieler wollen vor allem mit Werbung und E-Commerce Messenger-Nutzer ansprechen. Laut der W3B-Studie hat in Deutschland Microsoft mit seinem MSN-Messenger (17,7 %, "mindestens 1x wöchentlich".) die Führung übernommen. "AIM" von AOL belegt nur den zweiten Platz (16,4 %). Danach folgen Yahoo und ICQ, völlig abgeschlagen rangiert TOM von T-Online mit 8,1 % auf dem letzten Platz. Obwohl immer noch laut W3B 44,4 % aller Surfer auch T-Online für den Webzugang nutzen, ist der Dienst für Online- Kommunikation nicht die erste Wahl. Knapp 20 % der Messenger-Nutzer sind sieben Tage die Woche online. Diese Zahl dürfte sich parallel zur Ausbreitung von Flatrate-Angeboten erhöhen.

Erstmals wurden bei den 99 000 Befragten Flirt-Websites angesprochen. Gut 9,1 % aller Surfer nutzen diese Form des Kennenlernens und der Spaßkommunikation "regelmäßig", bei den unter 20jährigen sind es sogar 24,4 %. In den USA ist Dating ein profitables Business. Marktführer Match.com hat im dritten Quartal 2002 die Zahl der zahlenden Abonnenten gegenüber dem Vorjahr von 252 000 auf 635 000 gesteigert. Der Umsatz wuchs um 167 % auf 33,4 Mill. $, was für ein Ebita-Ergebnis von 6,95 Mill. $ reicht.

Jetzt schwappt die Welle nach Deutschland über. Ob auf www.liebe.de, www.seitensprung.de, www.friendscout 24.de, Love@lycos, oder www.parship.de, jeden Tag sind Hunderttausende Surfer auf der Suche nach dem Partner für eine Nacht oder fürs Leben. Robert Wuttke, Geschäftsführer der Parship GmbH, glaubt, dass Dating- Dienste "allmählich sozial akzeptabel werden". Parship gehört zu 82 % der NetworXs AG der Verlagsgruppe Holtzbrinck.

Allerdings hat die Branche noch Schwierigkeiten, die Nutzerfrequenzen in Geschäftsmodelle umzusetzen. Parship versucht sich im "Premiumbereich" der Partnervermittlung mit hohen Abogebühren und hat laut Wuttke eine fünfstellige Abonnentenzahl. Für Anbieter wie Lycos sind Flirtgebühren (noch) kein Thema. Der Bereich ist Bestandteil der Strategie, ein "Communitainment"-Portal zu schaffen, wie es Christoph Mohn, CEO von Lycos Deutschland ausdrückt. Dabei geht es darum, eine möglichst große und feste Online-Gemeinschaft zu schaffen, um damit dann per Werbung oder E-Commerce Umsatz zu generieren.

Quelle: Handelsblatt

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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