Wachablösung noch kein Thema
Hondo wächst in Zabels Schatten

Noch verdeckt ihn Erik Zabels mächtiger Schatten. Aber Danilo Hondo wächst. Für seinen Team-Kollegen Bobby Julich (USA) ist der Cottbuser "der Schlüssel zu unseren bisherigen Erfolgen".

HB LORIENT. Telekom-Manager Walter Godefroot staunt über Hondos Debüt bei der 89. Tour de France: "Er macht das bisher gut, sehr gut." Bei den Sprints um Bonifikations-Punkte für das Grüne Trikot und den Spurts um Etappensiege bewies Hondo, ausgestattet mit der nötigen End- Geschwindigkeit, als letzter Windschatten-Geber für Zabel bisher Übersicht, Mut, und Cleverness.

Trotzdem ist wohl auch im nächsten Jahr noch nicht daran zu denken, dass der 28-jährige Lausitzer den Chefsessel des Topsprinters im Team von dem dann 33-jährigen Zabel übernehmen könnte. "Einen kompletten Wechsel könnte ich mir nicht vorstellen. Aber vielleicht könnte unsere Taktik mit zwei Superleuten ganz vorne dann etwas anders aussehen, und wir könnten die Konkurrenz herausfordern", sagte Hondo nach den ersten acht Tour-Tagen, in denen seine Arbeit besonders gefragt war und er von allen gelobt wurde.

Einen ähnlichen Wechsel gab es 1995 bei Telekom. Nachdem Olaf Ludwig, jetzt Teamsprecher, Zabel bei dessen Tour-Debüt 1994 an die Hand genommen hatte, machte der Thüringer ein Jahr später Platz für den ehrgeizigen Emporkömmling aus Berlin. Zabel gewann an seinem Geburtstag 1995 in Charleroi seine erste Tour-Etappe und startete eine Welt-Karriere, deren Ende noch nicht abzusehen ist. Aber vielleicht regeln sich mögliche Kompetenz-Überschneidungen in der Zukunft zwischen Hondo und Zabel auch auf andere Art, denn die Vertragsverhältnisse sind bei Telekom nicht mehr so fest gemeißelt, wie sie es einmal waren.

Zur Zeit hat Hondo keine Loyalitäts-Probleme. Er wirkt inzwischen viel offener als noch vor einem Jahr, als er durch seine zwei Etappensiege beim Giro d'Italia in die Beletage der Topsprinter vorgestoßen war. "Bei der Tour fahre ich nicht auf eigene Kappe. Ich weiß, wozu ich da bin: Um der Mannschaft und Erik zu helfen. Vielleicht habe ich bei der Vuelta wieder eigene Chancen. Die könnte ich als WM-Vorbereitung im September vielleicht zur Hälfte fahren", sagte Hondo, der für die Titelkämpfe in Zolder/Belgien im Oktober große Ambitionen hat.

"Alle sagen, eine Sprint-Ankunft ist sehr wahrscheinlich. Aber bei einer WM kann immer viel passieren. Wenn ich gute Kondition habe, werde ich vielleicht nicht warten, dass es zu einem Massensprint kommt", erklärte Hondo. Den Giro verließ er in diesem Jahr in Straßburg unter Tränen, als er die Nachricht vom Tod seiner schwer kranken Mutter bekam. Zuletzt glänzte er als Solist mit Konkurrent Uwe Peschel bei der deutschen Meisterschaft in Bühl eine Woche vor dem Tourstart. Hondo holte sich den Titel - auch weil hinter ihm die Telekom-Verfolger mit Zabel an der Spitze still hielten.

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