Wachsamkeit gegenüber Gefahr einer Deflation
Greenspan schürt Wachstumshoffnung

US-Notenbank-Chef Alan Greenspan hat am Mittwoch die Hoffnung aufrechterhalten, dass die US-Wirtschaft das Tempo ihres Wachstums in den kommenden Monaten erhöhen kann.

Reuters WASHINGTON. Zugleich betonte Greenspan die Wachsamkeit der US-Notenbank (Fed) gegenüber der Gefahr einer Deflation. Möglicherweise sei auch das Handeln der Zentralbank erforderlich, sagte er in seiner Anhörung vor einem Ausschuss des US-Kongresses. Zur Lage der Konjunktur sagte er, es sei zwar zu früh, um die Verfassung der US-Wirtschaft nach Ende des Irak-Kriegs sicher einschätzen zu können. Es sei aber nicht unangemessen, eine konjunkturelle Belebung zu erwarten, wie sie sich auch abzeichne.

Mit dem Hinweis auf seine Handlungsbereitschaft hielt sich der Notenbank-Chef die Tür für weitere Zinssenkungen offen, signalisierte aber gleichzeitig, dass er zumindest derzeit noch abwarten möchte. Der US-Schlüsselzins liegt derzeit mit 1,25 % auf dem tiefsten Stand seit mehr als 40 Jahren.

Greenspan schloss selbst eine robuste Erholung der US-Wirtschaft nicht aus: "In dieser Phase ist es noch unklar, ob wir am Beginn einer recht deutlichen wirtschaftlichen Erholung stehen", sagte er. Analysten bezeichneten die Äußerungen des weltweit einflussreichsten Notenbankers als wenig überraschend. Greenspan lege sich noch nicht auf einen grundlegenden Konjunkturtrend fest und daher sei noch ungewiss, ob die US-Notenbank (Fed) bei ihrem nächsten Zinstreffen im Juni die Geldpolitik lockern werde.

An den Finanzmärkten hielten sich die Reaktionen auf den Greenspan-Auftritt in Grenzen. Der Dollar zeigte sich danach behauptet. Die US-Aktienmärkte lagen leicht im Minus und schlossen uneinheitlich. Die Äußerungen Greenspans hätten nicht ausgereicht, um dem Markt neuen Auftrieb zu verleihen, sagten Händler.

Der Fed-Chef sagte, die Konjunkturdaten der vergangenen Wochen hätten seinen Konjunkturausblick nicht wesentlich geändert. Die jüngsten Zahlen zum Arbeitsmarkt und zur Produktion nannte er zwar enttäuschend. Diese spiegelten aber "wahrscheinlich Unternehmensentscheidungen wider, die größtenteils vor Kriegsbeginn getroffen wurden". Um die grundlegenden Trends in diesen Bereichen zuverlässig zu erkennen, sei es notwendig, noch über viele Wochen Daten auszuwerten.

Deflation ist Greenspan zufolge ein "sehr ernstes Thema", auf das die Fed seit kurzem "große Aufmerksamkeit" verwende. Ein anhaltender Preisverfall sei "eine Bedrohung, die - obwohl gering - immerhin groß genug ist, dass sie eine sehr aufmerksame Beobachtung erfordert und vielleicht - vielleicht - ein Handeln der Zentralbank".

In den USA hatten unerwartet starke Rückgänge bei Erzeuger- wie Verbraucherpreisen im April zuletzt die Angst genährt, die erhoffte Erholung der weltgrößten Volkswirtschaft werde durch eine Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und zurückgehender Nachfrage beeinträchtigt. Ein Preisverfall schlägt sich nicht nur unmittelbar in fallenden Einnahmen der Unternehmen nieder, sondern führt indirekt auch zu einer sinkenden Nachfrage und letztlich zu einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung. Verbraucher verschieben ihre Einkäufe und Firmen ihre Investitionen in der Hoffnung auf einen weiteren Preisrückgang.

Die Angst vor Anschlägen ist aus Sicht Greenspans derzeit kein Faktor, der die wirtschaftliche Entwicklung stark beeinträchtigt. Erfreut zeigte sich der Fed-Chef über die Entwicklung der US-Unternehmensgewinne. "Die Geschäftszahlen fallen besser aus, als ich erwartet hätte", sagte Greenspan. In gestiegenen Gewinnmargen und Ergebnissen spiegele sich die verbesserte Produktivität wider. Eine starke Produktivität und eine bessere Stimmung an den Finanzmärkten unterstützten das Wachstum, sagte Greenspan.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%