Wachsende Ansprüche erzwingen Wandel der Branche: Hedge-Funds erleben Boom

Wachsende Ansprüche erzwingen Wandel der Branche
Hedge-Funds erleben Boom

In den USA setzen breite Anlegerkreise zunehmend auf Hedge-Funds. Davon profitieren erfahrene Anbieter mit professionellem Risikomanagement. Viele kleine Funds werden indes von der Bildfläche verschwinden. Investoren sollten auf etablierte Unternehmen setzen, um die künftigen Gewinner zu finden.

NEW YORK. Wer sich für Hedge- Funds interessiert, sollte mal unter www.growthventure.com/grdi im Internet nachschauen. Dort preist Guaranteed Returns Diversified Inc. ein neues Produkt an. "Wir werden unsere Gelder über Anlagestrategien, Stile und Manager diversifizieren, so dass wir alle Risiken völlig kontrollieren", verspricht die Firma. Die erwartete Rendite betrage 22 % im ersten Quartal, heißt es. Wer weiter klickt, erlebt eine Überraschung: "Wenn Sie auf diese Idee reinfallen, können Sie leicht betrogen werden", warnt auf der nächsten Seite die US-Börsenaufsicht SEC. Sie hat das Angebot erfunden, um Anleger vor unseriösen Offerten zu warnen.

Die steigende Beliebtheit von Hedge-Funds bereitet der SEC Sorgen. Diese Anlagevehikel sind meist in exotischen Steuerparadiesen registriert. Sie unterliegen kaum den Anleger- schutz-Gesetzen. Lange Zeit galt das nicht als Problem, weil Hedge-Funds sich nur an reiche und - so die Annahme - smarte Investoren richteten. Doch zunehmend entdecken auch Universitätsstiftungen, Pensionsfonds und eben wenig erfahrene Privatanleger diese Anlageklasse.

"Bis 2010 werden Hedge-Funds weltweit rund zwei Billionen Dollar verwalten, mehr als dreimal so viel wie heute", sagt Neil Epstein, Hauptautor einer Studie über Hedge-Funds und Berater beim Spezialinstitut New River in New York. Nach drei Jahren fallender Aktienkurse suchen institutionelle wie private Anleger dringend nach Investments, die auch in schlechten Jahren gut abschneiden. Da passen Hedge-Funds ideal: Statt sich wie herkömmliche Aktienfonds mit den großen Indizes an den Börsen zu vergleichen und dabei den relativen Ertrag zu bestimmen, streben sie mit den verschiedensten Strategien absolute Wertsteigerung an.

"Die Nachfrage ist riesig, einzig der Mangel an geeigneten Angeboten bremst den Markt derzeit", sagt Epstein, der die Studie zusammen mit der New Yorker Investmentboutique Putnam Lovell erarbeitet hat. Um den prognostizierten Quantensprung zu schaffen, muss die Branche sich allerdings stark wandeln. "Künftig dominieren Anbieter mit viel Erfahrung, professionellem Risikomanagement und klar definierten Strategien", sagt Epstein. Denn der Nachfrageschub kommt in den USA von erfahrenen institutionellen Investoren wie zum Beispiel dem California Public Employees Retirement System (Calpers), einem der größten öffentlichen Pensionsfonds, der für seine äußerst strikten Anlagekriterien bekannt ist.

Viele junge Hedge-Funds, die im aktuellen Boom wie Pilze aus dem Boden schießen, sind den wachsenden Ansprüchen nicht gewachsen. "Deshalb überrascht es nicht, dass in diesem Jahr viele Fonds schließen mussten", sagt Berater Epstein. Er sieht darin ein Zeichen, dass der Ausleseprozess bereits im Gange ist. Andere Beobachter sind da schon skeptischer. "Hedge-Funds scheinen grundsätzlich instabil zu sein", meint Byron Wien, US-Chefstratege der Investmentbank Morgan Stanley. Er sieht darin ein mögliches Hindernis für die künftige Entwicklung der Branche.

Für Investoren heißt das: Sie sollten auf bewährte Anbieter setzen, die bereits eine kritische Größe erreicht haben und Erfolge vorweisen können. Sonst steigt die Gefahr, auf einen Verlierer zu setzen. Diversifikation - das Streuen über verschiedene Fonds und Anlagestrategien - spielt außerdem eine wichtige Rolle. Die Investmentbank Morgan Stanley nennt als Untergrenze 15 bis 20 verschiedene Hedge-Funds. Wer nicht Multimillionär ist, kann diese Streuung nur über Dachfonds (Funds of Hedge-Funds) erreichen, die ihrerseits in andere Fonds investieren.

Die laufende Untersuchung der US-Börsenaufsicht SEC könnte die Professionalisierung der Branche noch beschleunigen. Die Finanzkontrolleure prüfen derzeit, ob sie die weitgehend unregulierte Branche in Zukunft schärfer überwachen sollen. "Auf lange Sicht könnte das der Branche sogar nutzen", meint Berater Epstein. Denn die SEC könnte zur nötigen Marktbereinigung beitragen und auf mittlere Sicht einen Imagewandel vielleicht sogar herbeiführen.

Bislang prägt noch eine Hand voll Starmanager das Image der wenig transparenten Hedge-Fund-Branche. Unvergessen ist George Soros, der Anfang der 90er Jahre mit einer Milliarden-Spekulation das britische Pfund in die Knie zwang. Die Schieflage des Hedge-Funds LTCM von John Meriwether erschütterte Ende der 90er die ganze Welt - die New Yorker Börse ebenso wie den russischen Anleihemarkt.

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