Wachsende Inflationsrisiken
Issing schließt Intervention für Euro nicht aus

Der schwache Kurs des Euro erhöht nach Einschätzung des Chefvolkswirts der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, die Inflationsrisiken in der Euro-Zone. Zuletzt sei die Gefahr eines Preisauftriebs in den zwölf Euro-Staaten eher wieder gestiegen, sagte Issing am Dienstagabend vor Journalisten in Frankfurt am Main.

afp FRANKFURT/MAIN. Die Abschwächung des Wechselkurses der Gemeinschaftswährung sei verbunden mit einem Anstieg der Importpreise. Dieser könne negative Auswirkungen auf die Inflationsrate haben. Der EZB-Chefvolkswirt schloss eine Intervention der EZB zu Gunsten des Euro nicht aus, räumte aber ein, dass der Handlungsspielraum der Bank derzeit eingeengt sei. An den Märkten wurde weiter über ein Eingreifen der EZB spekuliert. Der Euro gewann dadurch am Mittwoch wieder deutlich an Wert.

Steigende Import-Preise

Issing betonte, es sei "keine Frage, dass die Abschwächung des Euro die Importpreise nach oben treibt". Die "Financial Times Deutschland" berichtete unter Berufung auf Einschätzungen von Bankenvolkswirten, dass die Inflationsrate in der Euro-Zone im Mai deutlich über drei Prozent liegen werde. Grund sei die zuletzt hohen Teurungsraten in den größten Euro-Volkswirtschaften Deutschland und Frankreich. In Deutschland ließen Preise für Energie und Nahrungsmittel die Lebenshaltungskosten im Mai um 3,5 % steigen. Dies war nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Dienstag der höchste Stand seit mehr als sieben Jahren. In Frankreich stiegen die Preise im vergangenen Monat um 2,3 %.

Schwierige Situation

Mit einem gebremsten Wachstum und steigenden Preisen befinde sich die EZB "in einer schwierigen Situation", sagte Issing. Damit räumte zum ersten Mal ein führendes EZB-Mitglied das derzeitige Dilemma der Notenbank ein, das nach Einschätzung von Experten den Spielraum für weitere Zinssenkungen zur Ankurbelung der Wirtschaft einschränkt.

Angesichts der Euro-Schwäche schloss Issing ein Eingreifen der EZB zu Gunsten der Gemeinschaftswährung auf den Devisenmärkten nicht aus. "Interventionen gehören zum Arsenal einer Notenbank", sagte der EZB-Chefvolkswirt. Wenn die EZB davon Gebrauch mache, werde sich dies vorher aber nicht ankündigen. Der Euro gewann am Mittwoch wieder etwas an Boden und stand am Vormittag bei 0,8550 Dollar. Damit war ein Dollar 2,2875 DM wert. In New York hatte die Gemeinschaftswährung am Vortag noch einen Wert von 0,8518 Dollar verzeichnet.

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