Wachsende Nachfrage der Unternehmen bei Derivaten
Banken wollen als Risikoberater mehr verdienen

Unternehmer betrachten ihre Zins-, Währungs- und Kreditrisiken intensiver als früher. Für die Banken ist das die Chance, als Risikoberater und Verkäufer von Derivaten zu verdienen. Das Geschäft ist anspruchsvoll und bringt den Banken die hohen Margen, die sie benötigen, um das wenig lukrative Kreditgeschäft auszugleichen.

HB FRANKFURT/M. Das Risikobewusstsein der Unternehmen wächst und bringt den Banken mehr Geschäfte. Mimmer mehr große Konzerne fragen nach Lösungen für das Management von Zins-, Währungs- und Kreditrisiken und sichern sich mit anspruchsvollen Derivaten ab. Individuelle Beratung und komplizierte Produkte - dafür können die Banken hohe Margen verlangen. Zudem setzen auch immer mehr große Mittelständler Derivate ein, um sich abzusichern und auch, um Gewinn zu machen, beobachten Investmentbanker. Die Zahl ihre potenziellen Kunden wächst daher ständig. Die deutschen Geldhäuser bauen das Geschäft aus, da es ihnen mehr Ertrag bringt als klassische Kredite. Zudem haben auch die in diesem Markt sehr starken angelsächsischen Investmentbanken großes Interesse an deutschen Kunden.

"Die Akzeptanz von Derivaten steigt. Unsere Kundenzahl wächst weiterhin um über 30 Prozent im Jahr", sagt Gary Weir, bei der Commerzbank verantwortlich für dieses Geschäftsfeld. Der Markt für Risikomanagementprodukte sei viel aufgeschlossener. "Das gilt besonders für den Mittelstand. Hier war bis vor etwa achtzehn Monaten entweder eine generelle Zurückhaltung oder der Einsatz von Derivaten nur zur Risikoabsicherung angesagt. Mittlerweile ist der Einsatz von Derivaten beim Mittelstand zum Zwecke von Zins- und Ergebnisoptimierung weit verbreitet", so Weir.

"Derivate werden zwischenzeitlich auch von kleinen und mittleren Unternehmen verstärkt eingesetzt. Der Gedanke ?Wir transferieren Marktrisiken an die Bank, weil diese solche Risiken effizienter steuern kann? setzt sich immer stärker durch", sagt auch Nina Littler, Managing Director bei JP Morgan in London. Zielkunden von JP Morgan sind in erster Linie die im Börsenindex Dax 30 vertretenen Großunternehmen sowie die mittelgroßen Unternehmen im Börsenindex MDax, sagt Littler.

Bei multinationalen Konzernen ist zurzeit allerdings ein Trend zurück zu einfacheren Produkten (so genannte "plain vanilla" Produkte) zu erkennen, stellt der Commerzbanker Weir ebenso fest wie seine Kollegin Littler. "Die Bilanzierung nach den internationalen Rechnungsregeln IAS führt bei vielen Unternehmen zu Zurückhaltung bei Derivatgeschäften", sagt sie. Da die Vorschrift IAS 39 eine genaue Zuordnung und regelmäßige Bewertung von Derivaten und den damit abgesicherten Geschäften fordert, stiegen die Anforderungen an die Unternehmen deutlich. Viele reagierten darauf, indem sie auf "plain vanilla" Produkte zurückgriffen, deren bilanzielle Behandlung mit geringerem Aufwand verbunden ist.

Die Banken versuchen, diese Entwicklung für sich zu nutzen: JP Morgan etwa entwickelt zurzeit eine webbasierte Anwendung, die es den Unternehmen ermöglichen soll, die Effektivität ihrer Absicherungsstrategien zu bewerten. Doch die "plain vanilla" -Phase scheint begrenzt: "Ich gehe davon aus, dass die Nachfrage nach komplexen Derivatstrukturen wieder steigen wird, sobald die Unternehmen mehr Erfahrung im Umgang mit IAS 39 gesammelt haben", sagt Littler.

Neue Möglichkeiten eröffnen sich für die Banken auch beim Thema Kreditrisiken: "Durch die jüngsten Insolvenzen großer internationaler Konzerne und die Krisen in Ländern wie Argentinien und Türkei wird zunehmend die Notwendigkeit gesehen, die vorwiegend aus Lieferungen und Leistungen sowie Beteiligungen resultierenden Kreditrisiken besser abzusichern", sagt Andreas Petrie, verantwortlicher Leiter bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Littler sieht das ähnlich: "Zunehmend rücken auch Kreditrisiken ins Blickfeld, während die Unternehmen bislang vor allem ihre Zins- und Währungsrisiken abgesichert haben." In den kommenden ein bis zwei Jahren werde die Absicherung von Kreditrisiken aber Teil des Alltags der Finanzmanager in den Unternehmen werden.

Die großen privaten Finanzhäuser wie Deutsche Bank und Commerzbank, aber auch Landesbanken sehen im Risiko- und Derivatgeschäft hohe Erträge, die die mageren Erlöse aus dem Kreditgeschäft aufpäppeln sollen. "Die Konkurrenz durch die deutschen Banken wird stärker. Seit einigen Jahren spüren wir deutliche Bemühungen der großen Geldhäuser, ihre Position auf dem Markt für Risikomanagement-Produkte zu verbessern", beobachtet JP Morgan - Managerin Littler.

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