Wachsende Nachfrage nach Lobby-Dienstleistungen
Lobbyisten fürchten um Draht zur Politik

Die Lobbyisten haben einen schweren Stand. Seit der Frankfurter PR-Berater Moritz Hunzinger mit umstrittenen Zahlungen auf die Konten von Ex-Verteidigungsminister Rudolf Scharping und des Grünen-Abgeordneten Cem Özdemir ins Licht der Öffentlichkeit gerückt ist, fällt es seinen Standeskollegen aus der Public-Relations-Branche zunehmend schwerer, ihren Ruf zu verteidigen. "Absolut misslich für die Branche" sei die Verbindung mit Hunzinger, sagt eine PR-Insiderin.

DÜSSELDORF. Denn gute Kontakte in die Bundes- und Landespolitik als auch zu Journalisten sind die Basis der Lobby-Arbeit. Dass Ex-Politiker mittlerweile in Kundenauftrag arbeiten, gehört zum Alltag. So lenkt der Ex-Europaminister von Nordrhein-Westfalen, Detlev Samland, die Geschicke von ECC Public Affairs, einem Ableger der größten PR-Agentur ECC Kohtes Klewes.

Auch die französische Agentur Publicis PR hat sich einen ehemaligen Politiker an Land gezogen: Peter Radunski war bis 1999 noch Senator für Bundes- und Europaangelegenheiten in Berlin. Keiner in der Branche bestreitet, dass Politiker auf den Honorarlisten der Lobbyisten stehen. So lange ein Abgeordneter nicht Regierungsmitglied sei, dürfte er Zahlungen beispielsweise für geleistete Vorträge beziehen, heißt es bei den Agenturen. Schmiergeld-Zahlungen weisen alle PR-Strategen allerdings weit von sich. "Ich habe noch nie einem Politiker eine Mark gezahlt", so Karl-Heinz Heuser, Geschäftsführer der Bonner Agentur Weber Shandwick.

Unterdessen bieten so genannte "Public Affairs"-Berater zur Zeit der Kommunikationsbranche die besten Wachstumschancen. Die Bereiche "Change Management" und "Public Affairs" gelten als Wachstumsmotoren. Schon jetzt erwirtschaften Lobbyisten zwischen 15 % und 20 % der Honorarumsätze der großen Agenturen, Tendenz steigend. "In der Beratung mittelständischer Unternehmen liegen für die Branche die größten Wachstumschancen", folgert Wigan Salazar, Leiter Public Affairs bei Publicis in Berlin.

Auch die anderen Häuser setzen auf steigende Umsätze aus dem Lobbying-Bereich. Mehrere hundert größtenteils selbstständige Berater sind in Deutschland aktiv, um die Kontakte zwischen Unternehmen und der Politik zu knüpfen. "Die Idee ist, nicht zu mauscheln, sondern die Themen gegenseitig transparent zu machen", sagt Dagmar Wiebusch, Partnerin bei ECC Public Affairs.

Auch die Bertelsmann-Stiftung feilt für diesen Herbst an einem Schulungs-Programm Public Affairs. "Unternehmen nehmen Politikberatung immer ernster, weil die Entscheidungswege immer komplizierter werden", stellt Oliver Baumann, Medien-Referent der Bertelsmann-Stiftung fest. Große Anwalts-Kanzleien wie Linklaters & Alliance bauen derweil in Berlin eigene Lobby-Abteilungen auf.

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