Wachsende Nervosität bei Europa-Politikern: Italien gibt bei Euro-Preisen den Trend an

Wachsende Nervosität bei Europa-Politikern
Italien gibt bei Euro-Preisen den Trend an

Mit Spannung warten Politiker und Ökonomen in ganz Europa auf die ersten harten Zahlen zum Preisanstieg im Januar, die in Rom veröffentlicht werden. Beobachter in Italien geben bereits jetzt Entwarnung, ebenso die Europäische Zentralbank: Durch das neue Geld steige das Preisniveau in der Euro-Zone nicht.

kri/ost/rut DÜSSELDORF. Merkwürdige Szenen spielen sich in diesen Tagen auf italienischen Wochenmärkten ab: Uniformierte Carabinieri kontrollieren in Rom, Mailand und Neapel Preise für Obst und Gemüse, und geben sie an einen Verbraucherrat in Rom weiter. Die Polizisten handeln auf Weisung des Industrieministeriums - schließlich klagen die Italiener seit einigen Tagen immer lauter über sprunghaft gestiegene Preise seit Jahresbeginn.

Mit dem Euro habe die Teuerung allerdings nichts zu tun, heißt es in Rom. Verantwortlich sei die anhaltende Trockenheit, der strenge Winter und ungesetzliche Absprachen von Großhändlern. Die private Verbraucherschutzorganisation Altroconsumo aus Mailand hingegen hält "Befürchtungen für nicht unbegründet, dass mit dem Euro Preiserhöhungen gekommen sind".

Am Freitag (25.) dürfte es mehr Klarheit geben: In Italien wird eine erste Inflationsschätzung für Januar veröffentlicht, die auf Erhebungen in zwölf Städten basiert - die ersten harten Zahlen in der Euro-Zone zur Preisentwicklung nach dem Euro-Start. Und sie dürften Entwarnung bringen, meinen italienische Volkswirte: Die Januar-Inflation werde keinesfalls höher liegen als im Dezember. Die Preise seien so stark gestiegen wie im Vormonat - um 2,3 % im Jahresvergleich.

Dennoch wächst unter Europa-Politikern die Sorge, das Euro-Bargeld treibe die Preise nach oben. Eine Reihe von Abgeordneten des Europäischen Parlaments stellte dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, am Mittwoch in Brüssel kritische Fragen. Dieser räumte ein, in Einzelfällen sei es zu kräftigen Preiserhöhungen gekommen. Er selbst müsse für einen Parkplatz am Frankfurter Hauptbahnhof statt einer D-Mark nun einen Euro zahlen. Andere Produkte aber seien billiger geworden - so koste die französische Zeitung "Le Figaro" satt sieben Franc (1,07 Euro) nur noch einen Euro.

Insgesamt habe der Start des Euro-Bargelds "keine nennenswerten Auswirkungen" auf das Preisniveau, unterstreicht die EZB auch in ihrem gestern vorgelegten Monatsbericht für Januar. Zwar gebe es endgültige Klarheit erst in den nächsten Monaten. Aber wenn überhaupt, dann seien höhere Preise durch das neue Bargeld "vorübergehender Natur" und für die Teuerung "insgesamt vernachlässigbar".

Nicht der Euro, sondern mögliche übermäßige Lohnsteigerungen könnten eine Gefahr für stabile Preise sein, deutet die EZB im Monatsbericht an. "Die kommenden Tarifverhandlungen werden mit Besorgnis betrachtet", schreiben die Zentralbanker. "Alle Anzeichen für einen zunehmenden Druck auf die Arbeitskosten" würden "einer Bewertung" unterzogen.

Der Euro hingegen dürfte aus Sicht der EZB auf Dauer in Europa eher zu niedrigeren Inflationsraten führen - weil er die Preise in den verschiedenen Ländern leichter vergleichbar mache und zu härterem Wettbewerb führe. Zudem reduziere der Euro dauerhaft die Transaktions- und Informationskosten.

Bereits für 2002 erwarten die Notenbanker eine wesentlich niedrigere Teuerung: Die Jahresinflationsraten würden "deutlich unter 2 % fallen und auf einem Niveau verharren, das mit der Preisstabilität vereinbar ist". Seit Herbst hätten vor allem die gesunkenen Ölpreise und niedrigere Gemüsepreise den Inflationsanstieg gebremst.

Inflationsgefahren sieht die EZB grundsätzlich, wenn die Geldmenge M3 wesentlich stärker zunimmt als von ihr mit 4,5 % angestrebt. Diese Zielgröße wurde zwischen September und November 2001 erneut verfehlt: M3 wuchs im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt im Jahresvergleich um 7,4 % nach 6,7 % von August bis Oktober.

Bislang sieht die EZB das schnellere M3-Wachstum jedoch gelassen: Noch scheine es "keine Risiken für die Preisstabilität zu bergen". EZB-Beobachter weisen aber auf eine neue Nuance im Bericht hin: Zwischen den Zeilen werde angedeutet, der starke M3-Anstieg könnte in Zukunft Probleme bereiten. Während die EZB in den vergangenen Monaten immer betont hatte, dass es keine Probleme gebe, heißt es im Januar-Bericht, dass "zum gegenwärtigen Zeitpunkt sehr schwer abzusehen ist, wann eine Umkehr der vorangegangenen Kapitalströme in liquide Anlageformen einsetzen wird". M3 hatte vor allem deshalb so stark zugenommen, weil die Anleger auf Grund der erhöhten Unsicherheit an den Finanzmärkten eine ausgeprägte Präferenz für liquide Anlageformen wie Festgeld mit kurzen Laufzeiten hatten.

Zur Konjunktur-Erholung äußern sich die EZB sehr vorsichtig: Sie sieht "einige Hinweise" für eine "allmähliche Erholung im Verlauf des Jahres 2002", Indizien seien vor allem die zuletzt gestiegenen Stimmungsindikatoren. Doch die Bank warnt auch vor zu viel Überschwang - "weil diese Indikatoren schwankungsanfällig sind und möglicherweise nur die Korrektur einer vorangegangenen Überreaktion widerspiegeln." Beginn und Ausmaß der Belebung in Europa seien noch nicht absehbar.

Der Monatsbericht enthält keine Hinweise auf eine baldige Zinssenkung. So glaubt die DGZ Bank-Deka nicht an geringere Leitzinsen im Februar. Sie hält allerdings "im März oder April einen Zinsschritt auf 3,0 % für wahrscheinlich".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%