Wachsende Privatverschuldung
US-Handelsketten können Umsatz steigern

Die flaue US-Konjunktur hat die amerikanischen Verbraucher nicht beirren können. Im April ließen sie mehr Geld in den Kassen der großen Handelsketten als im März, so dass Konzerne wie Wal-Mart oder Home Depot mit guten Quartalsergebnisse überraschten. Doch die Ökonomen geben noch keine Entwarnung.

kk/wsj NEW YORK. Schlechte Quartalsergebnisse, Massenentlassungen und hohe Benzinpreise können die US-Verbraucher nicht beirren. Die Amerikaner geben ihr Geld fleißig weiter aus. Und so hat der amerikanische Einzelhandel im April nichts von der Wirtschaftsflaute gespürt. Die Amerikaner ließen im April 0,8% mehr Geld in den Läden als im März.

Vor allem preisaggressive Handelsketten haben von der ungebrochenen Konsumlust der Amerikaner profitiert: Der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart steigerte seinen Gewinn im ersten Quartal (Ende April) um 4 % gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres. Insgesamt machte Wal-Mart 1,4 Mrd. $ Gewinn. Damit erfüllte das Unternehmen aus Bentonville im Bundesstaat Arkansas die leicht gesenkten Erwartungen der Analysten. Der Umsatz stieg von knapp 43 Mrd.$ auf mehr als 48 Mrd.$.

Die weltgrößte Baumarkt-Kette Home Depot konnte im ersten Quartal (30. April) ihr Ergebnis vom Vorjahr wiederholen. Mit einem Gewinn von 632 Mill. $ lag die Kette aus Atlanta über den Erwartungen der Analysten. Der Umsatz stieg um 10 % auf 12,2 Mrd. $. In der vergangenen Woche hatte auch die Edelkaufhauskette Nordstrom überraschend gute Zahlen vorgelegt.

Zinssenkungen stärkten Verbrauchervertrauen

Einzelhandelskonzerne und Analysten führen die für die Branche guten Zahlen vor allem auf Zinspolitik der US-Notenbank zurück. Die jüngsten Zinssenkungen hätten das Vertrauen der Verbraucher gestärkt. So stieg der Index des Verbrauchervertrauens der University of Michigan Anfang Mai auf 92,6 Punkte. Anfang April war er noch auf 88,4 Punkte gefallen, dem niedrigsten Stand seit 1995. Oscar Gonzalez, Ökonom beim Finanz-Dienstleister John Hancock Financial Services, sieht darin ein Signal: "Die Verbraucher sind bereit, wieder tief in die Tasche zu greifen".

Zudem macht die Branche das gute Wetter für die Konsumfreude der Amerikaner verantwortlich. Nach einem zu kalten März hätten die Verbraucher im sonnigen April verstärkt Frühjahrskleidung gekauft.

Dennoch scheinen die positiven Zahlen im Einzelhandel eher die Ausnahme zu sein. Denn eine Reihe großer US-Unternehmen, darunter insbesondere IT-Konzerne wie Lucent Technologies und Cisco Systems, haben ein rabenschwarzes erstes Quartal hinter sich. So ging bei 1433 großen US-Unternehmen der Nettogewinn innerhalb der ersten drei Monate dieses Jahres um durchschnittlich 42 % zurück. Er fiel auf 58,5 Mrd. $, während er im Vorjahresquartal noch bei 102,1 Mrd. $ gelegen hatte. Dieser Rückgang ist damit noch weitaus stärker als der im vierten Quartal 2000, in dem die Unternehmen 20 % weniger Gewinn machten.

Erholung vielleicht nur Luftblase

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat sich die Gewinnsituation der US-Konzerne gar ins Gegenteil verkehrt: Im ersten Quartal 2000 waren die Gewinne noch um 21 % gestiegen. Viele Volkswirte befürchten daher, dass die US-Unternehmen, die in den vergangenen zwei Monaten bereits kräftig Stellen abgebaut hatten, weitere Jobs streichen und die Ausgaben drosseln werden. Mit steigender Arbeitslosigkeit aber könne die Verbrauchernachfrage, der Motor des US-Wirtschaftswachstums, seine Zugkraft verlieren, so die Befürchtungen. Folgerichtig raten die Ökonomen, die Zahlen des Einzelhandels nicht überzubewerten: Zum Teil seien die guten Aprilzahlen auch darauf zurückzuführen, dass ein Nachfragestau abgebaut worden sei.

Jade Zelnick vom Investmenthaus Greenwich Capital Markets befürchtet jedenfalls, dass sich die Erholung als Luftblase entpuppen könnte: "Der Aufschwung ist hauptsächlich auf Hoffnung gegründet und nicht auf Fakten". Ökonomen weisen zudem darauf hin, dass die US-Verbraucher einen hohen Schuldenberg aufgehäuft hätten. Wenn die Konjunktur nicht wieder anziehe, drohe eine ernsthafte Konsumschwäche. Folgerichtig warnt auch die fünftgrößte US-Handelskette J.C.Penney bereits gestern, dass sie die Erwartungen der Analysten für das zweite Quartal nicht erreichen werde.

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