Wachsende Skepsis über die Kursentwicklung des Euros
Handelsblatt Business Monitor: Manager fordern niedrigere Zinsen in Europa

Die Europäische Zentralbank soll nach Meinung der Führungskräfte die Zinsen senken, um der Wirtschaft neue Kraft zu verleihen. Immer weniger Befragte erwarten einen stärkeren Euro.

DÜSSELDORF. Die Mehrheit der deutschen Top-Manager befürwortet eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB). Vor dem Hintergrund der immer weiter zurückgehenden Prognosen zum Wirtschaftswachstum in den Industrieländern tritt nun eine Mehrheit von knapp zwei Dritteln (64 Prozent) für einen Zinsschritt ein. Im März waren dies noch 19 Prozentpunkte weniger.

Druck auf die EZB nimmt zu

Gegenüber 53 % der Befragten im März äußern im April nur noch 35 % die Meinung, die EZB solle die Leitzinsen unverändert lassen. Dabei gilt zu berücksichtigen, dass die Führungskräfte vor der erneuten Zinssenkung in den USA befragt wurden. Am Mittwoch Abend hatte Notenbankchef Alan Greenspan bereits zum vierten Mal in diesem Jahr und für Marktteilnehmer vollkommen überraschend den Tagesgeldsatz um 0,5 Prozentpunkte auf nunmehr 4,5 % gesenkt. Noch Ende letzten Jahres betrug dieser Satz 6,5 %. Im Euroraum liegt der vergleichbare Zins seit Oktober vergangenen Jahres unverändert bei 4,75 %. Seit Wochen nimmt aus Reihen von Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften der Druck auf die europäischen Währungshüter zu, ebenso wie die amerikanische Notenbank die Geldpolitik zu lockern, um die lahmende Wirtschaft anzukurbeln. Die EZB lehnt dies bislang ab und beruft sich auf ihren Auftrag, allein der Geldwertstabilität verantwortlich zu sein.

Zustimmung zur grundsätzlichen Ausrichtung der EZB

Diese grundsätzliche inhaltliche Ausrichtung der EZB kritisieren die meisten Manager auch nicht. Obwohl die Mehrheit niedrigere Zinsen fordert, werfen nur 36 % der EZB vor, sie orientiere sich zu sehr an der Geldwertstabilität und zu wenig an den Erfordernissen der konjunkturellen Entwicklung. Dagegen gesteht eine Mehrheit von 55 % den Notenbankern zu, dass sie sich bemühten, beiden zentralen Gesichtspunkten gleichermaßen gerecht zu werden. Diese Position wird vor allem von Führungskräften aus Großunternehmen, aus der Dienstleistungsbranche und den Bereichen Bergbau, Energie und Chemie geteilt.

Deutlich skeptischer als im Vormonat schätzen die Topmanager die künftige Kursentwicklung des Euros ein. Waren bislang noch 42 % überzeugt, die europäische Gemeinschaftswährung könne im Laufe des nächsten halben Jahres die Parität (1:1) zum Dollar erreichen, so sind dies gegenwärtig nur noch 28 %. Entsprechend ist der Anteil der Einschätzungen von 53 auf 67 % gestiegen, die den Euro weiterhin unter der Dollarparität erwarten. Während der April-Befragung notierte der Euro in einer Spanne zwischen 0,88 und 0,90 US-Dollar und damit knapp drei Cent niedriger als im März.

Keine Hoffnung für den Euro

Dass der Euro die Dollarparität gar übersteigen könne, glauben weiterhin nur sehr wenige Manager (4 % gegenüber 3 % im März). Auffällig dabei ist, dass sich die Prognosen zur Eurostärke nicht nach Branchen oder Betriebsgrößen, sondern nach dem Alter der Manager unterscheiden. Während die jüngeren Führungskräfte unter 40 Jahren zu 44 % die Dollarparität binnen sechs Monaten für möglich halten, sind es bei den Älteren ab 60 Jahren lediglich 20 %.

Vor dem Hintergrund der immer wieder aufkommenden Diskussionen um ein vorzeitiges Ausscheiden des EZB-Präsidenten Wim Duisenberg aus dem Amt plädieren knapp zwei Drittel (64 %) dafür, dass der Niederländer seine volle Amtszeit von acht Jahren ausschöpft.

Paris beruft sich in diesem Zusammenhang auf eine angebliche Kompromissvereinbarung aus Zeiten der EZB-Gründungsphase, wonach Duisenberg nicht 2006, sondern bereits nach der halben Legislaturperiode im Jahr 2002 seinen Stuhl räumen und an den französischen Notenbankchef Jean-Claude Trichet abgeben wird. Die große Mehrheit der deutschen Topmanager mag sich jedoch den Bemühungen Frankreichs nicht anschließen, ihren Kandidaten rasch in Position zu bringen. Nur 29 % der Befragten finden es richtig, wenn Duisenberg vorzeitig einem Nachfolger Platz macht.

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