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Wachsende Sorge vor atomaren Anschlägen

Die Anschläge vom 11. September haben die Sorge vor Anschlägen mit Atomwaffen und anderen Massenvernichtungswaffen in den USA nach Ansicht der US-Regierung wachsen lassen.

rtr WASHINGTON. Der Staatssekretär im Außenministerium, John Bolton, sagte am Mittwoch, die Anschläge in New York und bei Washington hätten gezeigt, dass ein Extremist, der bereit sei ein Passagierflugzeug in das World Trade Center zu lenken, zweifellos vor nichts zurück schrecke. Wenn Extremisten Langstreckenraketen und atomare odere andere Massenvernichtungswaffen zur Verfügung hätten, würden sie diese auch einsetzen, sagte Bolton, der für Rüstungskontrolle und Sicherheitsfragen zuständig ist.

Seit dem Beginn des Krieges gegen Afghanistan sei seine Sorge vor dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen gegen die USA gestiegen, sagte Bolton. Mit Blick auf die Anschläge mit Briefen, die Milzbrand-Erreger enthalten, sagte er, gerade jetzt setze jemand Massenvernichtungswaffen gegen die USA ein. Dies zeige, dass seine Sorge nicht nur auf einer angenommen Vermutung beruhe.

Als Folge der Anschläge vom 11. September werde künftig dem Einhalt der Verbreitung von chemischen, biologischen und atomaren Waffen höhere Beachtung gegeben. "Grundsätzlich ist jeder Staat, der auf der US-Liste von Terrorismus unterstützenden Staaten steht, ein Kandidat, der versucht, Massenvernichtungswaffen zu erlangen oder bereits besitzt", sagte Bolton. So bedeute eine Bekämpfung des Terrorismus unweigerlich ein Kampf gegen die Verbreitung dieser Waffen. Eine Frage die nun mit Russland und China diskutiert werde.

Bei den Anschlägen mit entführten Passagierflugzeugen wurden vermutlich etwa 4800 Menschen getötet. Die USA halten den moslemischen Extremisten Osama bin Laden und seine Organisation El Kaida für die Urheber. Seit dem 7. Oktober fliegen die USA Angriffe gegen Afghanistan, wo sich Bin Laden unter dem Schutz der radikal-islamischen Taliban-Regierung aufhält.

Auf die Frage, ob er annehme, dass der afghanische Nachbar Pakistan wegen innenpolitischer Unruhen die Kontrolle über sein Atomprogramm verlieren könne, antwortete Bolton indirekt. Mit Blick auf den indischen Verteidigungsminister George Henandez, der gesagt hatte, Pakistan habe Kontrolle über sein Atomprogramm, sagte er: "Ich kann mir niemanden vorstellen, der besorgter über diese Frage wäre, als der indische Verteidigungsminister".

Indien und Pakistan, die beide über Atomwaffen verfügen, haben seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien vor mehr als 50 Jahren zweimal Krieg um die Himalaya-Region Kaschmir geführt. Beide unterstützen die nach den Anschlägen gebildete Allianz gegen den Terrorismus. Viele Pakistaner lehnen die Angriffe auf Afghanistan aber ab. Es kam wiederholt zu gewaltsamen Protesten.

Nach den Anschlägen auf das World Trade Center und das US-Verteidigungsministerium gingen mit Milzbrand verseuchte Briefe bei Medienunternehmen und im Büro des demokratischen Mehrheitsführers im Senat, Tom Daschle, ein. Erreger wurden in Poststellen von Regierungsgebäuden, des Obersten Gerichtshofes, des Gesundheitsministeriums, der Lebensmittelbehörde und dem von der Regierung finanzierten Rundfunksender "Voice of America" gefunden. Bislang haben sich 16 Personen in den USA nachweislich infiziert. Vier Menschen starben.

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