Wachsende Verunsicherung
Umfrage: Deutsche vertrauen Polizei und Armee

Die Deutschen haben laut einer neuen Umfrage viel Vertrauen in Polizei und Armee, nicht aber in Kirchen und Großunternehmen. UNO und Nichtregierungs-Organisationen schneiden gut ab, schlecht das Parlament, die Gewerkschaften und das Bildungssystem.

dpa/HB HAMBURG. Das habe eine Emnid-Umfrage unter 500 Menschen in Deutschland ergeben, sagte Studienleiter Oliver Krieg am Montag in Bielefeld und bestätigte damit einen Bericht der "Welt". Die Studie ist Teil einer weltweiten Gallup-Umfrage unter 36 000 Menschen im Auftrag des Weltwirtschaftsforums, bei dessen Tagung im Januar in Davos das Thema "Vertrauen schaffen" im Mittelpunkt stehen soll.

Im Vergleich, wie viel Vertrauen die Menschen 17 verschiedenen Institutionen entgegenbringen, ermittelten die Meinungsforscher große länderspezifische Unterschiede. Weltweit seien die Streitkräfte auf dem ersten Platz gelandet, gefolgt vom Bildungssystem und nichtstaatlichen Organisationen, sagte Gallup-Sprecherin Meril James der dpa. Die Kirchen rangierten im internationalen Vergleich zusammen mit der Polizei und dem Gesundheitssystem auf dem vierten Platz. Das geringste Ansehen genössen globale Unternehmen und Parlamente.

Wachsende Verunsicherung der Menschen

"Die Ergebnisse waren erwartbar", sagte der Münchner Soziologe Armin Nassehi der dpa. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Gesellschaftsdiagnose. Die Ergebnisse spiegelten die wachsende Verunsicherung der Menschen in der Gesellschaft und gegenüber ihren Institutionen wider.

Organisationen wie Polizei und Streitkräfte, die genau zwischen Gut und Böse unterschieden und Ordnung schafften, genießen nach Nassehis Beobachtungen ganz generell viel Vertrauen. Besonders gelte das in unsicheren Zeiten wie heute. Hingegen hätten die Kirchen den Menschen in Deutschland heute wenig mehr als routinierte Rituale zu bieten. "Trotz einer Renaissance der Religiosität sehen die Menschen die Kirche nicht in der Lage, ihre existenziellen Probleme zu lösen», sagte Nassehi. Großunternehmen würden für die ökonomischen Krisen verantwortlich gemacht.

Die Politik genießt nach Ansicht des Soziologen vor allem deshalb geringes Vertrauen, weil es keine "stabilisierenden Konflikte" mehr gibt. "Bei großen Streitthemen wie der Wiederbewaffnung oder Ostpolitik, konnte man sich eindeutig einer Seite zuschlagen. Das erzeugt Vertrauen", sagte Nassehi. Heute seien sich die Parteien zu ähnlich und würden als Organisationen betrachtet, die Unsicherheit produzieren. Die supranationalen Organisationen wie die UNO nähmen die Menschen hingegen als "Rettungsanker" in einer Welt wahr, in der Nationalstaaten immer weniger Souveränität hätten.

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