Wachsende Zweifel an Erfolgschancen der Megafusion von HP und Compaq
Computerehe weckt Befürchtungen

Der geplante Zusammenschluss von Hewlett-Packard und Compaq stößt in der Branche auf Skepsis. Auch Analysten bezweifeln, ob die beiden Konzerne die Integration bewältigen können. Selbst in Reihen der Mitarbeiter, die nun um ihre Arbeitsplätze fürchten, überwiegen die Zweifel.

DÜSSELDORF. Beim US-Computerkonzern Hewlett-Packard (HP) haben Kulturschocks Tradition. Aber was jetzt HP-Chefin Carly Fiorina mit der Übernahme des Konkurrenten Compaq vorhat, stößt selbst bei älteren Mitarbeitern des traditionsreichen Unternehmens auf Skepsis. Ursprünglich war HP ein Hersteller von Mess- und Regeltechnik (Agilent). Als dann in den siebziger Jahren HP den Sprung ins Computergeschäft wagte, mussten viele Mitarbeiter umdenken. Dann gab HP den direkten Kontakt zum Kunden auf und wickelte das Geschäft mehr und mehr über Händler ab. Schließlich stieg der Konzern mit dem Verkauf von Druckern ins Consumergeschäft ein. All diese Strategiewechsel gingen letztlich gut. Doch jetzt, da die Fusion mit Compaq ansteht, werden erhebliche Bedenken laut.

In HP-Managementkreisen ist man sich darüber im Klaren, dass mit der Fusion Kapazitäten vom Markt verschwinden. Das helfe zunächst nur dem Wettbewerb, vor allem IBM. Nur wenn es gelingen sollte, beide Firmen innerhalb einer kurzen Zeit - höchstens zwei Jahre - zu einer schlagkräftigen Gruppe zu verbinden, könnte es für IBM schwerer werden.

Ohnehin wird die Zeit für HP knapp, denn derzeit sei man zu sehr mit sich selbst beschäftigt, meinte ein HP-Manager, der namentlich nicht genannt werden wollte. "Und jetzt kommt noch eine weitere Großbaustelle hinzu."

Die meisten Analysten sehen die bisher größte Fusion in der Computerindustrie sehr skeptisch. Jürgen Brette, Geschäftsführer der Meta Group: "Die Zusammenführung der Unternehmen dürfte zuerst ein Vielfaches der geplanten Kosteneinsparung von 2,5 Mrd. Dollar pro Jahr auffressen. Die Verbindung der Produktlinien und das gemeinsame Marketing ist ein langwieriger und aufwendiger Prozess."

Rolf Drees von Union Investment sieht die Fusion lediglich positiv für die Branche: "Es kann dem gesamten Markt für Computer-Hardware helfen, wenn das neue größere Unternehmen einen Teil der Kapazitäten abbauen wird."

Die Marktforscher von Gartner werten den HP/Compaq-Deal als Verteidigungsstrategie von zwei Gesellschaften, die zu sehr mit der Herstellung von Hardware verwurzelt sind. Die Verbindung bedeute nun aber nicht die einfache Addition von Marktanteilen. Gartner-Analyst Thomas Reuner verweist insbesondere auf die Rolle der Marke hin: Allein die Aufgabe des Computernamens Compaq bedeute eine Wertvernichtung von 12 Mrd. $. So hoch wird der Name Compaq auf der Interbrand-Liste, die den Wert von Marken berechnet, eingeschätzt.

Der Name Compaq, der zu den bekanntesten der Branche gehört, werde im Zuge der Übernahme höchstens noch als kleinere Untermarke von HP überleben.

Ein Gewinner der Fusion steht dagegen heute schon fest: der PC-Kunde. Denn zunächst werden HP und Compaq ihre Läger mit Sonderangeboten räumen. Anschließend wird die neue und größere HP mehr Druck auf die Lieferanten machen können. Diese Preisvorteile werden dann an die Kunden weiter gegeben, alleine schon, um im Preiskampf mit Erzrivalen Dell bestehen zu können.

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