Wachsender Kostendruck zieht die Dienstleister immer enger ins Produktionsnetz
Logistik-Partner knüpfen schnellere Lieferantenketten

In Zeiten enger Termine optimieren immer mehr Hersteller ihre Wertschöpfungsketten durch Outsourcing. Dabei kommen spezialisierte externe Dienstleister nicht nur beim Auslagern von Transportaufgaben zum Zuge, sondern übernehmen immer öfter die komplette Zuliefer- und Ersatzteillogistik von ihren Kunden.

Düsseldorf. Zunehmend überlassen die Hersteller ihre Produktions- und Ersatzteile-Versorgung externen Dienstleistern. Von diesem Outsorurcing-Trend profitierte jüngst Rhenus. Der Dortmunder Logistik-Dienstleister hat beispielsweise zum Jahresanfang eine Kooperation mit der Hamburger Hafen- und Lagerhaus AG (HHLA) vereinbart und sich damit weitere Serviceressourcen erschlossen. Denn über die externe Lagerhaltung hinaus reicht heute sein Logistikspektrum bereits vom Bestandsmanagement über die Endkundenkommissionierung, Palettierung, Verpackung und kundenbezogene Etikettierung im Wareneingang bis hin zur kompletten Transportorganisation.

Für das DaimlerChrysler-Werk Untertürkheim, wo Motoren, Getriebe und Achsen für Pkw hergestellt werden, betreibt der Logistikdienstleister bereits ein externes Lieferantenlager. Alles was der Automobilbauer hier an Kaufteilen für seine Produktion benötigt, wird vom Rhenus-Lieferanten-Logistikzentrum produktionssynchron geliefert. Ein weiteres, internes Lager wurde für die Versorgung des Motorenwerks Bad Cannstatt mit Zulieferteilen von rund 180 Lieferanten parallel zu den Montagelinien aufgebaut. Werkzeug- und Fahrzeugteile können so auf den Zeitpunkt genau bestellt und in vereinbarten Taktfrequenzen bis an die Montagelinie geliefert werden. Die Teileanforderung im Cannstatter Automobilwerk liegt so bei nur noch 30 Minuten.

»Früher, als die benötigten Teile direkt vom Lieferanten in das Automobilwerk gingen, achtete man darauf, möglichst wenig Ware im eigenen Lager zu haben«, erklärt Andreas Binder. Deshalb, so der Leiter der Stuttgarter Rhenus-Niederlassung. seien Teile oft zurück geschickt worden, weil zu viel oder zu früh geliefert wurde. » Heute«, so der Experte, »können die Lieferanten alles, was sie produzieren, im Logistikzentrum auf Lager nehmen.«

Auf produktionsnahe Just-in-time-Belieferung setzt auch Kfz-Hersteller Audi, Ingolstadt, bei seiner »A6«-Produktion. Alle 80 s bringt der Logistikdienstleister ein Stoßfängerpaar vom Zulieferer Dynamit Nobel Kunststoff Systemtechnik, Weißenburg, aus dem neuen Gewerbe- und Industriepark Bad Friedrichshall ins nahe gelegene Automobilwerk. Die Lieferpalette umfasst rund 20 000 Varianten. Ebenso gelangt eine von 40 Tankvarianten gemäß den Kunden-Abrufen taktgenau an die Montagelinien. Vom Abruf bis zum Einbau bleiben für Kommissionierung, Montage und sequenzgenaue Anlieferung maximal 250 min. Zeit.

Bei Ford in Köln montiert der externe Logistikprovider im Auftrag des Systemlieferanten Dynamit Nobel sequenzgenau die Stoßfänger für die »Fiesta«- und »Puma«-Modelle. Und Logistikdienstleister Schenker übernimmt für Volkswagen sogar die komplette Vorfertigung von Baugruppen wie etwa Fenstersystemen.

Externe Lagerlogistik funktioniert aber auch im Ersatzteilbereich: So lässt, Kverneland, der weltgrößte Hersteller von angehängten und gezogenen Landmaschinen aus Norwegen, verschiedene Ersatzteile vom Dichtungsring bis zum 9 m langen Spritzausleger extern distribuieren. Im Rhenus-Zentrallager Gießen werden so über 75 000 unterschiedliche Ersatzteile auf 20 000 Palettenplätzen bevorratet und im Durchschnitt täglich 2100 Auftragspositionen abgearbeitet. Wenn es sein muss, stehen die Teile innerhalb einer Stunde bereit. Bei dem Landmaschinenproduzenten konnte dadurch die Zahl der Lagerstandorte von 17 auf einen einzigen verringert werden.

Auch Haushahn, die Tochtergesellschaft des Aufzugherstellers Schindler, lässt in einem externen Lager in Velten rund 10 000 Ersatzteil-Liftkomponenten bevorraten. Zwar führen die Aufzugmonteure in ihren Fahrzeugen immer einen kompletten Satz der wichtigsten Teile mit, doch sein rollendes Lager kann jeder Monteur durch Bestellungen in Velten innerhalb von 24 h immer wieder auffüllen.

Immer mehr Unternehmen lagern inzwischen nicht mehr nur ihre Ersatzteile physisch aus, sondern verkaufen sie gleich komplett zum Beispiel an einen Finanz-Dienstleister. Dieser organisiert den Bestand dann selbst in einem externen Logistikzentrum. Erst wenn Teile im Kundenauftrag entnommen und ausgeliefert werden, geht das Eigentum an der Ware auf diesen über.

Das ermöglicht auch eine Poolbildung. Denn wenn unterschiedliche Kunden, wie gerade im Elektrogerätebereich die gleichen Teile verwenden, können so alle beteiligten Hersteller auf diesen Teilepool zugreifen. Jeder bezahlt nur das, was er entnimmt. Das spart Kosten und eigenen Lagerhaltungsaufwand.

Quelle: VDI nachrichten vom 31.01.2003

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