Wachsender Optimismus der IT-Branche wird auch vom Investitionswillen kleinerer Firmen getragen
Outsourcing nimmt neue Formen an

Infineon als Pionier - als eines der ersten deutschen Großunternehmen hat der Chiphersteller seine Verwaltung zerlegt. Teile der Nachwuchswerbung, wie etwa die Betreuung von Werksstudenten, werden nicht mehr in München, sondern von Mitarbeitern des IT-Serviceunternehmens EDS im ungarischen Vasvar und in Budapest abgewickelt. Außerdem erhalten 20 000 Infineon-Mitarbeiter ihre Gehalts- und Spesenabrechnungen von dort.

HB MÜNCHEN. Der Vertrag mit EDS soll Infineon Millionen von Euro sparen. Es geht um Business Process Outsourcing (BPO) - bei der IT-gestützten Auslagerung von kompletten Geschäftsabläufen werden wesentliche Unternehmensaufgaben neugestaltet und an Externe abgegeben.

Solche Vereinbarungen seien mehr als eine neue Evolutionsstufe des IT-Outsourcing, sagt Thomas Reuner, Senior Consultant der IDC Central Europe: "Man schaut, wie man jenseits der Infrastruktur Prozesse optimieren und Kosten senken kann." In der angelsächsischen Welt boomt das BPO-Geschäft, während deutsche Manager noch skeptisch sind. "Es gibt eine kulturelle Zurückhaltung, Kompetenzen abzugeben", sagt Reuner.

Das Misstrauen scheint nicht unberechtigt zu sein. Schließlich ist es einfach, für den Betrieb eines Rechenzentrums einen neuen, alternativen Anbieter zu finden. BPO-Deals sind dagegen enge Ehen mit langer Laufzeit. Infineon hat sich beim Personalwesen auf zehn Jahre fest an EDS gebunden, und der Dienstleister nimmt nicht nur Mitarbeiter, sondern auch die Kompetenz für bestimmte Prozesse komplett an sich. Interessiert beobachtet die Szene auch, ob es Accenture gelingt, das komplette Einkaufswesen der Deutschen Bank erfolgreich zu betreiben. "Externe Dienstleister können unter bestimmten Bedingungen sogar besser steuerbar sein als interne", gibt Jochen Neese, Managing Director des Beratungsunternehmens Bearing Point, zu bedenken. Entscheidend sei die richtige Auswahl des auszulagernden Portfolios.

Die Erfahrungen angelsächsischer Unternehmen, die schon vor Jahren BPO-Vereinbarungen geschlossen haben, sind gemischt. Gerade das Auslagern von Prozessen an Dienstleistungszentren in anderen Kontinenten geht oft schief. Der Finanzdienstleister Lehman Brothers beendete ein Projekt mit dem indischen Haus Wipro mit Hinweis auf mangelnde Qualität des IT-Helpdesks. Der Computerhersteller Dell, einer der eifrigsten Nutzer von Offshore-Leistungen in Panama, Marokko und in der Slowakei, scheiterte bei der Auslagerung des Kundendienstes für bestimmte Produkte. Das indische Call-Center beriet so schlecht, dass der Service in die USA zurückverlagert wurde.

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